Szenenfoto aus "Lullaby"

© Oriol Mollo Manonelles

Lullaby - Augen zu
06/14/2016

Garstig Schlummerlied?

Interessante, vielschichtige Performance, die auf E.T.A. Hoffmanns "Der Sandmann" Bezug nimmt, im Dschungel Wien.

von Heinz Wagner

Die Kunst, sich wieder zu fürchten nennt die neue Tanztheatergruppe Gelbe Boje (Yellow Buoy) ihr erstes Stück „Lullaby – Augen zu“, das derzeit im Dschungel Wien im umgebauten Saal 1 zu sehen, mitzuerleben ist.

Kunst der Laaaaaaaaaaaaaangsaaaaaaaaaaaaamkeit

In U-Form am Rande sitzt das Publikum , wird nur zitzerlweise in Kleingruppen eingelassen, alles ganz leise, ruhig, flüsterhaft und dunkel. Weiße, teils Spitzenvorhänge an den Seiten. Eine Geräusch, das an Meeresrauschen erinnert, ein Mann an der Gitarre, daneben eine Frau zwischen Koffern und Kisten. In der Folge stürzen zwei Männer zwischen den Vorhängen auf die Bühnenmitte, verharren in verkrampft, verwurstelten Körperstellungen, bewegen sich gaaaaaaaaaaaaaaaaaaaanz laaaaaaaaaaaaaaaaaangsaaaaaaaaam, bzw. einzelne ihrer Körperteile. Sie, so wie drei Frauen, die zeitweise wie Schattenfiguren hinter den Vorhängen auftauchen, in graubraunen Sackleinen-artigen Gewändern, wirken als wären sie aus einem Bruegel-Gemälde entsprungen. Sie spielen eine Geschichte, die sich laut Programmheft an E. T. A. Hoffmanns „Der Sandmann“, orientiert. In der geht’s düster zu, die Automatenpuppe Olimpia weint Blut-Tränen, Nathanael verliebt sich in sie, freut sich über deren zustimmendes „Ach!“ zu seinen Gedichten, während Clara, eine lebendige Frau, sich kritisch mit seinen Texten auseinandersetzt...
Düster geht’s schon auf der Bühne zu, fantasievoll auch. Spannende Momente im Spiel von Schatten und Licht, nicht zuletzt wenn dieses regenbogenartig funkelt. Oder wenn ein Spiegel hervorgeholt wird, der von einer kreisrunden Kleinbahnschiene umgeben wird, auf der eine Lok mit Taschenlampe fährt. Und wie mit magischen Händen schalten die drei Frauen Strom und Licht an und aus. Ob Hoffmanns Geschichte oder nicht – eine interessante, wenngleich doch an so mancher Stelle sich auch seeehr dahinziehende Stunde.

Was? Wer? Wann? Wo?

Lullaby – Augen zu
Die Kunst sich wieder zu fürchten
Yellow Buoy
Tanztheater, Videoinstallation, 50 Minunten, ab 11 Jahren

Konzept, Regie, Choreografie: Jan Jakubal (CZ, AT)
Performance: Adriana Cubides (AT), András Déri (HU), Gat Goodovitch (ISL/AT), Jan Jakubal (CZ/AT), Kei Mimakiová (SK), Leonie Wahl (CH/AT)
Performance, Musik: Patrick Trotter (AT)
Ausstattung: Andrea Szakál (HU)
Kostüm: Veronika Susanna Harb (AT)
Animation: Rebecca Akoun (AT/FR)
Musik: Nicolás Spencer (CL/AT)
Lichtdesign: Martin Špetlík (CZ), Markus Schwarz (AT)
Produktion: Roma Hurey Roconcept, Jan Jakubal Yellow Buoy

Wann & wo?
Bis 15. Juni 2016
Dschungel Wien, 1070, MuseumsQuartier
Telefon: (01) 522 07 20-20
www.dschungelwien.at

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