Kiku
03.12.2016

Weg aus grauenvollem Zuhause

Szenenfoto aus: Mio, mein Mio von Astrid Lindgren im Landestheater NÖ, St. Pölten © Bild: Alexi Pelekanos

Astrid Lindgrens „Mio, mein Mio“ im St. Pöltner Landestheater mit Live-Musik am Schlagzeug.

„Bo Wilheeeelm!“ oder „Booo Wilhelllllm“ oder wie auch immer, nie jedoch liebevoll – so hört Bosse, wie ihn alle anderen nennen, seine Adoptiveltern ihn rufen, eher anherrschen. Die treten hier aber ohnehin nur kurz zu Beginn und auch da nur am Rande der Publikumsreihen in Erscheinung. Astrid Lindgrens Geschichte „Mio, mein Mio“, in der sich der zu Hause ungeliebt Bub in fantasievolle Abenteuer rund um seinen echten Vater rettet, spielt seit Kurzem bis fast zum Ende der laufenden Spielsaison im Nö-Landestheater in einer fantasievollen, flotten immer wieder auch witzigen Version, Inszenierung: Sara Ostertag.

Rasche Flucht

Szenenfoto aus: Mio, mein Mio von Astrid Lindgren im Landestheater NÖ, St. Pölten © Bild: Alexi Pelekanos
Rasch geht’s auf der St. Pöltner Bühne von den ignorant bis bösartigen Olssons ins Land der Ferne zum Vater/König, der den Buben liebevoll „Mio, mein Mio“ begrüßt. Und ihn immer wieder in Staunen versetzt. Entschuldigt sich Bosse, pardon Mio, in alter Gewohnheit dafür, zu laut gelacht zu haben, ist dies hier sogar Anlass zur Freude. So wie der Bub im alten Leben wenigstens mit Benka einen wahren Freund hat, so findet er auch hier einen – Jum Jum – passenderweise von derselben Darstellerin gespielt. Sowohl Katharina Knap als auch Michèle Rohrbach überzeugen voll als die beiden Buben.

Abenteuer

Szenenfoto aus: Mio, mein Mio von Astrid Lindgren im Landestheater NÖ, St. Pölten © Bild: Alexi Pelekanos
Der zweite Teil nach der Pause ist dann den Abenteuern auf dem Weg und im „Land Außerhalb“ gewidmet, in dem Mio und Jum Jum das totenstille, herzlose Reich vom Ritter Kato mit seinem steinernen Herzen befreien (sollen) – was ihnen natürlich, eh kloar, auch gelingt. Weshalb der tote See zwischen den beiden Ländern auch schnell wieder belebt wird – „mit vielen Enten“, wie Jum Jum sich ins Publikum wendend, bemerkt. Worauf spontan aus Reihe 11 beim KiKu-Besuch ein „quak“ eines jungen Zuschauers ertönt, in das schnell etliche Kinder im Publikum einstimmen.

Überragende „Neben“rollen und Musik

Szenenfoto aus: Mio, mein Mio von Astrid Lindgren im Landestheater NÖ, St. Pölten © Bild: Alexi Pelekanos
Apropos tierisch: Rino Indino, der auch den Ritter Kato mit verzerrter Stimme gibt, brilliert vor allem als blondmähniges, kokettes Pferd Miramis, treuer Gefährte von Mio. Für sehr viel Lacher sorgt Othmar Schratt in der Verkleidung als Wurzelstock.

Ein weiteres Highlight dieser Mio-Version ist der weite Strecken des Stücks begleitende Live-Schlagzeug-Auftritt von Fabio Kapeller, Musik von Maja Osojnik.

Was? Wer? Wann? Wo?

Szenenfoto aus: Mio, mein Mio von Astrid Lindgren im Landestheater NÖ, St. Pölten © Bild: Alexi Pelekanos
Mio, mein Mio
von Astrid Lindgren
Deutsch von Anna-Liese Kornitzky
Ab 6 Jahren; 1 Stunde, 45 Minuten

Inszenierung Sara Ostertag

Es spielen:
Bosse / Mio: Katharina Knap
Benka / Jum Jum / Weberin Michèle Rohrbach
König / Schwertschmied Florian Haslinger
Kato / Lollo / Miramis Rino Indiono
Eno / Nonno Othmar Schratt

Bühne und Kostüme Nanna Neudeck
Musik Maja Osojnik
Schlagzeug Fabio Kapeller
Ausstattungsassistenz: Dominique Altmann

Szenenfoto aus: Mio, mein Mio von Astrid Lindgren im Landestheater NÖ, St. Pölten © Bild: Alexi Pelekanos
Wann & wo?
Bis 3. Juni 2017
Landestheater NÖ, St. Pölten
3100, Rathausplatz 19
Telefon: 02742/ 90 80 80 600
Infos auf der Landestheater-Homepage

Trailer