Johannes Thurner, Michael Berger, Lisa Leitinger, Victoria Luttermoser und Katharina Kollersbeck kosten Vanille-Joghurts

© Heinz Wagner

Kritische Konsument_innen
06/18/2016

Jugendliche testen Joghurts, Chips, Webmail...

800 Jugendliche testeten in 170 Projekten Produkte und Dienstleistungen im Bewerb des VKI "Jetzt teste ich!". Eine Gruppe erfand einen handlichen Komposter für Stadtwohnungen.

von Heinz Wagner

Was ist in dem Joghurt drin? Gibt’s da überhaupt einen Hauch von echter Vanille? Welche Windel hält was sie verspricht? Sind teure Chips – Knabbergebäck, nicht Computerteile) besser? Welches Webmail-Portal ist das beste? Ist Shisha die Kohle wert? Ist das beliebteste Geschäft für Kleidung auch das beste?

800 Tester_innen in 170 Projekten

Diesen und vielen anderen für Konsumentinnen und Konsumenten wichtigen Fragen gingen Jugendliche teils sehr, sehr gründlich nach. Zum fünften Mal hatte der Verein für Konsumenten-Information zum Schülerwettbewerb „jetzt teste ich!“ aufgerufen. An die 800 Jugendliche reichten 170 Arbeiten ein. Juror_innen zeigten sich sehr beeindruckt von der oft professionellen Herangehensweise der Schülerinnen und Schüler. Und von manch aufgegriffenen Produkten, so gab es bisher vom VKI noch nie einen Test über Shisha-Kohle, gestanden deren Vertreter_innen.

Am Freitag (17. Juni 2016) wurden die besten zehn Arbeiten vorgestellt und ausgezeichnet. Im sogenannten Hauptbewerb wurden in zwei Alterskategorien (Geburtsjahrgänge 2000 bis 2003 bzw. 1996 bis 1999) jeweils 1., 2. Und 3. Plätze vergeben. Zusätzlich gab es – sowohl für die Jüngeren als auch für die Älteren – Sonderpreise. Den einen spendiert die österreichische Nationalbank unter dem Titel „Jugend & Geld“ und den anderen das Umweltministerium, den „Umweltzeichen-Preis“. In Summe gingen 10.000 Euro an die Projektgruppe, -klassen und –schulen.

Chips

Für die Kameras griffen Jugendliche aus der Neuen Mittelschule in der Wiener Knöllgasse nochmals in Schüsselchen mit Erdäpfel-Chips. Mit einem ausführlichen Test von billigen und teuren Chips, der Untersuchung des Salz- und anderen Gehalts hatten sie den 2. Platz bei den Jüngeren (13 bis 16 Jahre) erobert. Projektleiterin Nicole Buchecker zum Kinder-KURIER: „Unsere Lehrerinnen haben uns vorgeschlagen mitzumachen. Wir haben dann in der Klasse diskutiert. Es gab viele verschieden Vorschläge, was wir testen könnten – von Gummibärli über Taschengeld-Verwendung bis eben Chips. Wir haben dann abgestimmt und die Meisten waren für Chips. Dann sind drei von uns mit Lehrerinnen einkaufen gegangen, wir haben getestet und ausgewertet.“

Auf einem anderen Tisch hatten Mitarbeiterinnen des Vereins für Konsumenteninformation Schüsselchen mit verschiedenen Vanillejoghurts aufgestellt – in beiden Fällen Schüsselchen, um Product Placement wie „neudeutsch“ das gute alte „Schleichwerbung“ heißt – zu vermeiden. Ein Projekt, das es nicht ins Finale geschafft hat, hatte sich, so eine der Juror_innen, immerhin mit dieser Art versteckter Werbung in Bilderbüchern auseinandergesetzt.

Jetzt ist's genug!

Also zu den Vanille-Joghurts. Die Klasse aus dem Gymnasium St. Ruprecht im Salzburger Bischofshofen hatte diese so gut, akribisch und so weiter getestet, dass sie den Sieg in der Gruppe der Jüngeren holten. Lob von allen Seiten. „Aber“, so gestanden einige der Tester_innen, „wir haben so viel und so oft getestet, dass wir jetzt kein Vanille-Joghurt mehr sehen, und schon gar nicht essen können“ – und das ist jetzt ein feiner formulierte Version der Original-Aussagen. Doch Johannes Thurner, Michael Berger, Lisa Leitinger, Victoria Luttermoser und Katharina Kollersbeck „opferten“ sich und löffelten Test-erfahren für den KiKu.

Windeln

Leichter war’s für die sechs angehenden Kindergärtnerinnen Sofia Hufnagl, Johanna Preitler, Madeleine Mohačsi, Maria Molnar, Hannah Kaindl und Gruppensprecherin Veronika Hornik. Die Schülerinnen der BundesAnstalt für KIndergartenPädagogik (BAKiP) in der Wiener Josefstadt hatten Windeln getestet. Nein, nicht die Saugfährigkeit, sondern Passgenauigkeit, einfaches Anlegen und nicht zuletzt die Optik. Genau die war’s die die meisten der von den Jugendlichen befragten Kindergartenkinder ansprach. Ansonsten fragten die Schülerinnen Eltern – und sie probierten selbst aus, wie die Windeln sitzen - an einer Baby-Puppe. Der Windeltest brachte dem Sextett – deren Kolleginnen testeten Pommes, Hautcremen und verglichen bei einer Supermarktkette die Billig- mit dem Premiumlinie - übrigens den Sieg bei den Älteren (17 bis 20 Jahre) ein.

Gewand

Die Testprojekte – zumindest die prämierten – waren übrigens eine Domäne von Mädchen, auch manche Testobjekte. Beate Satzinger, Hanna Anderl, Lisa Fischer und Clemens Wolfmair aus der BerufsBildendenSchule (BBS) im oberösterreichischen Rohrbach kamen mit ihrem Textil-Einzelhandelsgeschäfts-Test auf Platz 3 bei den Älteren. Getestet wurde Damenmoden in den beleibtesten Geschäften in der Landstraße in Linz. Die Landeshauptstadt ist zwar ungefähr zwischen einer dreiviertel und einer Stunde von Rohrbach entfernt, aber einer Umfrage in der ganzen Schule zufolge kaufen dort die meisten Mädchen ihre Kleidung ein. Dem Burschen in der Gruppe fiel die Aufgabe der Auswertung zu.

Gleich selber gebaut!

Nicht nur getestet, sondern sogar erfunden und gebaut haben sechs Jugendliche aus dem niederösterreichischen Hollenstein an der Ybbs eine kleine handliche Kompostieranlage für Stadtwohnungen. Nicht ganz zu Unrecht nannten sie ihn „ultimativen Indoor-Komposter“. Eine Holzkiste mit drei Kisteln hinter einer länglichen Klappe vorne und drei Deckeln oben drauf. Dazu eine Röhre mit Ventilator. Der wird im Optimalfall von einer Solarzelle angetrieben. „Aber wenn er zum Beispiel im Keller steht, dann kannst du ihn an den Strom anstecken mit einem Schalter auf Netzbetreib umstellen“, schildern Carina Jagersberger, Selina Peitler, Lisa-Marie Groß, Stefan Blaimauer, Hannah Maderthaner, Tina Maria Schneiber dem KiKu in Grundzügen die Funktionsweise. „Der Biomüll, sogar kleine Fleischstücke können dabei sein, kommt in den ersten Behälter. Dann gibst du eine Schicht KE – Kräuter-Extrakt – drauf. Damit zersetzt sich der Bio-Abfall schneller. Der kräuter-Extrakt ist rein biologisch.“ Wenn das erste kleine Kistl voll ist, gibst du den nächsten Abfall ins zweite Kistl in der Kiste und dann ins dritte. In der Zwischenzeit hat sich das Volumen des Biomülls im ersten Behälter schon durch die Zersetzung verringert... Achja, das Zeug ist hervorragender Dünger.

„Einen Monat lang haben wir das selber ausprobiert und auch immer genau beobachtet – Temperatur gemessen, gerochen und geschaut, ob es schimmelt...“

Alle Siegreichen Teams

Kids testen

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"Jetzt teste ich!", VKI-Schüler_innen testen

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"Jetzt teste ich!", VKI-Schüler_innen testen

Der Schüler_innen-Wettbewerb „Jetzt teste ich!“ findet als Projekt zur Förderung der Verbraucherbildung seit 2006 im zwei- bis dreijährigen Rhythmus statt, diesmal war's der fünfte insgesamt. Insgesamt gab es seit Beginn des Bewerbs 900 Projekte. Die Jury im Hauptwettbewerb bildeten: Beate Blaschek (Sozialministerium, zu dem Konsument_innen-Schutz gehört), Gerhard Frühholz (Testmagazin KONSUMENT), Lisa Göltl (APA), Christian Kornherr (Verein für Konsument_innen-Information), Onka Takats (ORF) und Martina Tiwald (Bundesjugendvertretung).

VKI-Geschäftsführer Rainer Spenger zeigt sich von der Kreativität und dem Einsatz der Nachwuchstesterinnen und -tester sehr beeindruckt: „Aus all den eingereichten Arbeiten einige wenige als Gewinner auszuwählen ist der Jury sicher nicht leicht gefallen, vor allem, weil man deutlich erkennen kann, mit wie viel Spaß die Schülerinnen und Schüler in die Rolle der kritischen Tester geschlüpft sind. Es ist uns ein großes Anliegen, mit unserem Schülerwettbewerb einen konkreten, aber auch sehr praxisnahen Ansatz zur Verbraucherbildung zu bieten.“

Markus Arpa, Direktor der OeNB-Hauptabteilung Öffentlichkeitsarbeit, Organisation und Personal, gratulierte den Gewinnerinnen und Gewinnern des mit jeweils 1.500 Euro dotierten OeNB-Sonderpreises und unterstrich die Notwendigkeit von Wirtschafts- und Finanzwissen: „Die Fähigkeiten, die sie hier erworben haben, können sie im Alltag, sowohl in der Schulzeit als auch danach, anwenden. Wirtschafts- und Finanzfragen sind oft sehr abstrakt und schwer verständlich. Durch solche praktischen Projekte werden sie aber im wahrsten Sinne des Wortes begreifbar.“

Zum zweiten Mal wurde im Rahmen des Bewerbs der vom Österreichischen Umweltzeichen mit jeweils 750 Euro dotierte „Umweltzeichen-Preis“ vergeben. Andreas Tschulik, Leiter der Abteilung Betrieblicher Umweltschutz und Technologie im Umweltministerium (BMLFUW): „Durch die aktive Einbindung von SchülerInnen in die Umsetzung des Österreichischen Umweltzeichens wird an Umweltzeichenschulen wertvolle Bewusstseinsbildung betrieben. Den Kindern werden dadurch Möglichkeiten für einen späteren, umweltbewussten Lebensweg aufgezeigt. Das kritische Auseinandersetzen mit den Anforderungen an das Österreichische Umweltzeichen animiert Kinder und Jugendliche zu spannenden Projekten. Das spiegelt sich in den beiden Siegerprojekten wieder.“

Weitere Infos gibt's hier.