Menschliche Flummis

"Hüpfen" im Dschungel Wien
Foto: Rainer Berson Szenenfoto aus "Hüpfen" im Dschungel Wien

„Hüpfen“ im Dschungel Wien: Spielfreude an körperlicher, geistiger und gefühlsmäßiger Bewegung

Ein bunter Ball, vielmehr eine Bild eines solchen, hüpft über Leinwand im Bühnenhintergrund. Zwei Tänzerinnen tauch im Vordergrund auf und schupfen scheinbar diesen Ball mit ihren Reifröcken hin und her. Der projizierte Ball verschwindet und die beiden machen sich auf die Suche nach einem echten Ball – zwischen den Publikumsreihen und finden einen ebenso kunterbunten Ball. Bald beginnen beide zu hüpfen du sich bewegen als wären sie selber Flummis – ob mit oder ohne Ball, Hula-Hula-Reifen oder im Takt aneinander stoßender Klick-Klack-Kugeln. Das ist „Hüpfen“ derzeit im Dschungel Wien.

Gefühls-Ping-Pong

"Hüpfen" im Dschungel Wien Foto: Rainer Berson Die beiden Tänzerinnen, die schier unerschöpfliche Energie-Reserven zu haben scheinen, faszinieren die Kinder ab 3 Jahren aber nicht nur durch ihre oft wilden, manchmal aber auch sanften, langsameren Bewegungen.  Elda Maria Gallo und Gat Goodovitch nehmen die Kinder auch mit auf ihre Reise durch Gefühle zwischen Annäherung und Entfremdung. Oder wenn sich eine in den Mittelpunkt stellt und die andere zurückgesetzt fühlt. Wenn sie mit bunter Kreide Grenzen ziehen  und auch wieder verwischen, die beiden gemeinsam spielen oder träumen...

"Hüpfen" im Dschungel Wien Foto: Rainer Berson Am Beginn des nunmehr fast einstündigen Stücks standen einige Szenen, inspiriert von einem kinder-philosophischen Gedicht  der israelischen Schriftstellerin Michal Snunit „Na'ama Golomb“/“Der Seelenvogel“ als „Try Out“. Das überzeugte dermaßen, dass das Duo über den Sommer als Artists in Residence des Dschungel Wien an der Entwicklung eines Stückes, das nun eben zu sehen, nein eher erleben ist.

Wer nicht hüpft, ...

"Hüpfen" im Dschungel Wien Foto: Rainer Berson Auf einer über das Spielerische hinausgehenden Ebene ruft das ständige körperlich, geistig und gefühlsmäßige in Bewegung sein als Gegensatz zu statischen Anhimmelungs-"Bewegungen" Assoziationen zum chilenischen Spruch: „Wer nicht hüpft, ist eine Mumie“ hervor. Anfang der 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts hatte die chilenische Bevölkerung eine linke Regierung gewählt, die sich rasch an Umverteilung von Reich zu Arm machte. Bei Demonstrationen zur Unterstützung dieses Kurses wurde der zitierte Spruch immer wieder skandiert. Als  „Mumien“ wurden Großkapitalisten und ihre Verfechter tituliert, die 1973 im Bündnis mit rechten Militärs, unterstützt von den USA, die demokratisch gewählte Linksregierung blutig wegputschten.

Infos

Was? Wer? Wann? Wo?

"Hüpfen" im Dschungel Wien Foto: Rainer Berson Hüpfen
Dschungel Wien & Gat Goodovitch
Tanztheater, 45 Minuten, ab 3 J.

Von und mit: Elda Maria Gallo, Gat Goodovitch
Bühne: Hannes Röbisch
Kostüm: Ulli Nö
Animation: Luciana Bencivenga
Dramaturgie: Corinne Eckenstein

"Hüpfen" im Dschungel Wien Foto: Rainer Berson Wann & wo?
Kurze Spielserien
Bis 25. Oktober 2017
5. bis 10. Dezember 2017
8. bis 12. März 2018
28. bis 31. Mai 2018

Dschungel Wien, 1070, MuseumsQuartier
Telefon: (01) 522 07 20-0
www.dschungelwien.at

(kiku) Erstellt am
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