Kiku
04/18/2015

Alles was rollt, fliegt, schwimmt, geht...

"Mim Zug": Nicht ganz einstündige fantasievolle Performance für Menschen ab 4 Jahren über Fortbewegung und Mobilität.

Eine Kleinbahn, die im Kreis fährt, eine Kindergitarre und ein Schauspieler, der sitzt und die Geschwindigkeit des Zuges reguliert. Im Hintergrund Regale mit allerlei fahrendem Spielzeug – vom Traktor über Rennauto, Scooter, Inline-Skates, ein Puppenwagerl und allerlei Kopfbedeckungen, die zu manchen Fahrzeugen gehören – Eisenbahnerkapperl, ein Helm, alte Fliegermützen mit dazugehörigen Brillen.

Menschlicher Zug

Wenn alle Zuschauerinnen und Zuschauer Platz genommen haben, erhebt sich der sitzende Schauspieler, begrüßt in Manier einer Bahndurchsage alle im Railjet nach Linz mit dem Hinweis, dass dieser Zug nicht in allen Stationen hält, um danach die typische ÖBB-Melodie singend zu imitieren. Nun tauchen durch die Tür im Bühnenhintergrund vier Menschen auf, die "tschtschtsch" von sich gebend, aneinander gehängt, Zug spielend einmarschieren.

Alles was rollt, fliegt, schwimmt, geht...

"Mim Zug" beginnt zwar mit diesem Verkehrsmittel, im Laufe der 50 Minuten dieses verspielten Stücks kommen jedoch so ziemlich alle Fortbewegungsarten "zum Zug". Ob gehen, laufen, Rad fahren, Eislaufen, fliegen, Bus oder Boot fahren ... die Schauspielerin und Tänzerin sowie ihre vier Kollegen verfallen von einer kleinen Geschichte, die sie erzählen, in die nächste, vollführen passende Bewegungen und nehmen das Publikum auf diese Gedankenreisen mit. So manche sind aus dem jeweils eigenen Leben der Akteuren gegriffen. So erinnert sich Gabriele Wappel, auch Co-Gründerin und -Leiterin der" schallundrauch agency", an Fahrten mit Wiener Straßenbahnlinien und ihr merkwürdig erscheinende Dinge, die sie aus den Fenstern der Bims gesehen hat, wie ein für sie ewig mysteriös gebliebenes "Roll-Studio" am 49er. Sie bringt auch ziemlich am Anfang ein, dass ihr am Zugfahren das liebste war, "dass ich so viel Zeit gehabt habe, mir Geschichten auszudenken".

Viele Geschichten zum (weiter) spinnen

Dieses Prinzip durchzieht das Stück. Jede und jeder hat eigene Geschichten und Geschichterln beigetragen, daraus haben die fünf gemeinsam mit der Regisseurin eine kompakte und doch sehr puzzleartige, bewegte, ständig in Bewegung bleibende Performance entwickelt. In dieser spielen auch Musik einschließlich Body-Percussion, Gesang, Beatboxen wichtige Rollen. Und sie mag für die eine oder den anderen auf den Publikumsrängen vielleicht Anknüpfungspunkte zu eigenen Erlebnissen bieten – was so manche Lacher beispielsweise bei Fragen wie "ist es noch weit?", "kannst du mich bitte tragen?!" bei der Premiere vermuten lassen. Oder zum Weiterspinnen von Geschichten, Bildern usw.

Mim Zug
schallundrauch agency
Tanz, Theater und Performance mit Livemusik, ca. 50 Minuten, ab 4 Jahren

Regie: Janina Sollmann
Stückentwicklung, Musik, Tanz, Performance: Gabriele Wappel, Sebastian Radon, René Friesacher, Martin Wax, Jules Mekontchou
Musikalische Leitung: Sebastian Radon
Technische Leitung, Licht und Raum: Silvia Auer
Kostüm: Anna Panzenberger
Dramaturgische Beratung: Frans Poelstra
Regieassistenz: Katharina Jetschgo, Mona Wahba
Produktionsleitung, PR: Eva-Maria Forstner
Künstlerische Leitung der agency: Janina Sollmann, Gabriele Wappel

Wann & wo?
Bis 19. April
Dschungel Wien
1070, MuseumsQuartier
Telefon: (01)522 07 20-0
www.dschungelwien.at
www.schallundrauchagency.at