Kiku
15.04.2017

"Was hast du gemacht, als sie Zäune bauten?"

Im Volx/Margareten - Spielstätte des Jungen Volkstheaters - werden bruchstückhaft aktuelle politische Fragen wie Demokratie, Zäune, Wahlen usw. verhandelt.

50 Minuten, also sozusagen eine Schulstunde, werden in Bruchstücken, Schlaglichtern, oft nur Wortfetzen und nicht nur verbal, sondern vor allem auch getanzt und im Wechselspiel zwischen ansatzweisen Erzählungen und Reaktionen eines Chors die großen Themen der Welt in unserer Zeit verhandelt: Demokratie, Engagement, Veränderungen und das Reagieren auf letztere. Das ist „Die Summe der einzelnen Teile“, ein Stück in der Volkstheater-Spielstätte Volx/Margareten. Es ist Ergebnis einer forschenden Arbeit des Jungen Volkstheaters in Zusammenarbeit mit der Volkshilfe und dem MuMoK (Museum Moderner Kunst). Auf der Bühne 28 Menschen zwischen 10 und 72 Jahren.

Eingezäunter Chor

Der Chor ist übrigens in einem großen Würfel eingesperrt. Durch die aus Gummibändern bestehenden flexiblen Wände ( Zäune?) recken sie immer wieder ihre Hände durch, manchmal auch ihre Gesichter, Köpfe... Hin und wieder lässt das Chor-Gefängnis eine/n der ihren frei – hinaus in die Gegenspieler-Gruppe. Die erzählen von immer schrecklicher werdenden Zuständen in U-Bahnen, sogar ein Rucksack sei irgendwo auf einer Bank allein gestanden. Was, wenn...? Und schon hebt ein arges Wehklagen an.
„Wir bekommen die alte Welt nicht wieder. Es wird nicht mehr so, wie es war“, tönt aus dem Chor-Geviert. Junge machen mit Alten Selfies: „#Lächeln“, Alte erzählen von den Demonstrationen, bei denen sie schon dabei waren – gegen das AKW Zwentendorf, für die Frauen- und die Friedensbewegung, beim Lichtermeer und gegen Schwarz-Blau sowie für Refugees. Angedeutet immer wieder: Die Jungen würden sich ja gar nicht engagieren. Doch stets wenn eine der Jungen davon erzählen will, dass sie schon mit acht Jahren in der Volksschule eine Demo gegen die Direktorin anzetteln wollte, schneidet ihr jemand mit andere Worten oder per Bewegung das Wort ab – mindestens ein halbes Dutzend Mal.

Was hast du gemacht, als...

Dafür müssen sich die Alten von den Jungen Fragen gefallen lassen wie: „Was hast du gemacht, als sie die Grenzzäune errichtet haben?“ oder „als sie die Demokratie und das Demonstrationsrecht eingeschränkt haben?“

Später werden viele der Mitwirkenden ihre eigenen Visionen eines künftigen Wien ins Mikro rufen: von Hühnern auf jedem Dach über, „dass niemand mehr gefragt wird: Woher kommst du eigentlich?“ bis hin dazu, „dass alle Tag und Nacht zu Musik im öffentlichen Raum tanzen“.

Danach wird der Käfig geöffnet – und letztlich die Wände ( Zäune?) abgebaut.

Was? Wer? Wann? Wo?

Die Summe der einzelnen Teile
Kooperation Theatrale Feldforschung des Jungen Volkstheaters in Zusammenarbeit mit der Volkshilfe Österreich und dem mumok Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien

Regie Constance Cauers und Malte Andritter

mit Sabine Bauer, Tarik Bitar, Sarah Kadlec, Theo Krausz, Suzie Lebrun, Peter Rothkappel, Oktavia Stern, Birgit Stimmer, Magdalena Plöchl, Sophie Vitovec und dem
Lautsprecher-Chor des Jungen Volkstheaters: David Breza, Sonja bulker, Robert Czyszczon, Nathan Eckert, Flora Fassl, Julia Gfrerrer, Theo Haas, Sophie Kirsch, Valerie Kosits, Heidemarie Maimanee, Jordan Lindinger, Keisha Lindinger, Lila Ludwig, Barbara Pinter, Sarah Pritchard-Smith, Marina Resch, Julia Schmidt, Severin witzerstorfer

Choreografie Martina Rösler
Musik Julia Radschiner, Mario Mrazek (Stagelab Academy)
Dramaturgie Andrea Zaiser
Bühne Hans Kudlich
Dramaturgische Mitarbeit Andrea Schmidt
Regie-Assistenz Tabea Zemann
Regie-Hospitanz Elias Callewaert

Wann & wo?
17. April, 11. Mai, 23. Mai; 19 Uhr
Volx/Margareten, 1050, Margaretenstraße 166
Telefon: (01) 52111-0
www.volkstheater.at