Kiku
04.03.2018

Pure Spielfreude, volle Power in einem Freiraum

Jugendliche spielen im Volx Margareten (Junges Volkstheater) „Concord Floral“ eines jungen kanadischen Theaterautors.

Eineinhalb Stunden pure Spielfreude und volle Power. Herzerfrischend befreiend wirkende Schimpfwortkanonaden, viele lustvolle Hammerschläge auf (Ytong-)Mauerteile, die leicht bersten. „Concord Floral“ ist als Bühnenstück ein Biotop, in dem sich jugendliche Schauspieler_innen austoben können/ dürfen/ sollen. So „nebenbei“ werden Alltagsgeschichten Jugendlicher von Mobbing, Außenseiter-Dasein, vor allem aber sich Ausprobieren, Kämpfen um die Anerkennung durch andere, aber auch den Umgang mit dunklen Geheimnissen erzählt.

Un-Ort wird zum Traum-Ort

Der Stücktitel – übernommen aus dem kanadischen Original – steht für einen Ort wie es ihn, insbesondere in vielen Großstädten kaum noch gibt: Eine Art Gstetten samt abgefucktem Gebäude. Viele würden ihn wahrscheinlich Un-Ort nennen. Abreißen, planieren, irgendwas hinbauen. Am ehesten ein Einkaufszentrum. Vielleicht doch sogar Wohnungen.

Für Kinder, vor allem aber für Jugendliche kann es hingegen eine Art Traum-Ort sein, ein Treffpunkt bei dem sie ohne Kontrolle selbst gutmeinender Jugenzentrumsbetreuer_innen tun und lassen können, was sie wollen. Sicher irgendwie auch grindig. Tschickstummel sind das geringste Problem. Glasscherben, rostige Nägel usw. schon unguter bis gefährlich. Und doch: Feuer machen, schmusen, laut Musik spielen, die niemanden stört, Krach und Lärm sowieso. Freiraum! Zum Austoben. Weil eh alles (halb) zerstört ist, darf auch mal mit dem Hammer auf Mauerteile eingedroschen werden. Lust an der Aggression gegen Sachen, über die sich niemand aufregt.

Dies ist „ Concord Floral“. Der junge kanadische Autor Jordan Tannahill schrieb das gleichnamige Stück über ein stillgelegte, verwildertes, überwuchertes Gewächshaus. Er verfasste allerdings „nur“ eine Rohversion. Auf deren Basis erarbeitete er gemeinsam mit Jugendlichen über einen Zeitraum von zwei Jahren (2012 bis 2014) erst das Stück. Derzeit läuft die deutschsprachige Erstaufführung im Jungen Volkstheater in der Spielstätte Volx Margareten.

Selbst erarbeitet

Sie ist nicht bloß eine Übersetzung, sondern eine gemeinsame Neu-Erarbeitung der Jugendlichen mit ihrem Regisseur. Nicht zuletzt in eigenen Worten der jungen Schauspieler_innen. Regisseur Simon Windisch hat langjährige Erfahrung in der Entwicklung von Stücken gemeinsam mit Jugendlichen, vor allem im Grazer TaO! (Theater am Ortweinplatz). Auch einige der jungen Akteur_innen kommen aus diesem Umfeld. Obwohl das „Concord Floral“ hier nach Wien-Donaustadt verlegt wurde, tönt es vielfach stark steirisch über die Bühne.

Viel ausprobiert

„Am Anfang hat fast keine oder keiner von uns gewusst, wen sie oder er spielen wird“, erzählen die Jugendlichen nach dem Stück in einem Gespräch mit dem Kinder-KURIER. Es hat jede und jeder fast alle Rollen durchprobiert. Nur Sarah Pritchard-Smith wusste recht früh, dass sie Bernie, die Leiche, die als eine Art Geist aufersteht, spielen wird, verrät diese. „Wir haben aber vor allem sehr viel körperlich gearbeitet, ausprobiert, mit den Steinen aber auch anderen Materialien“, schildert die junge Truppe, von der alle schon jahrelange Bühnenerfahrung haben, die meisten auch in Sprechstücken. „Oder wie sich die Vögel bewegen“, ergänzt Larissa Kiers ihre Rolle als Blauracke. Nur Flora Mayerhofer, die als Erzählerin in die Rolle des Gewächshauses schlüpft, erlebte hier ihre Sprech-Premiere, „ich habe aber schon in mehreren Tanzstücken mitgespielt“.

Spontan und authentisch

Obwohl alles auf der Bühne in den eineinhalb Stunden sehr spontan rüberkommt, ist alles – eben sehr perfekt – erarbeitet, geprobt. „Das war das Schwierige, es muss jede Vorstellung ganz authentisch und ja nicht auswendig gelernt rüberkommen.“

Alexandra Schmidt, die als Nini zur absoluten Außenseiterin wird, von allen rausgedrängt, die vergeblich um die Zuwendung, Anerkennung ihrer früheren Freundin Rosi kämpft, fühlte sich „anfangs schon voll schlimm, aber irgendwann bin ich da voll in der Rolle drinnen, mach mein Ding und ich weiß ja, dass die Bernie da ist, auch wenn mir die anderen nicht glauben. Und ich bin überzeugt, dass sie’s auch noch kapieren werden.“

Rückzugsort

Eine solchen autonomen Rückzugsort wie das „Concord Floral“ kennt nur Flora Mayerhofer aus Mödling. „Da gab‘s eine alte Polizeischule, die war so etwas ähnliches.“ Alle anderen würden sich so was schon wünschen, sagen sie im Gespräch mit dem KiKu, „oder halt früher, als wir noch jünger waren“, meint etwa Ida Gold, die schon 19 ist und nun Schauspiel studiert. Auch alle anderen wollen nach ihren diversen Schulabschlüssen der Kunst, vor allem dem Theater treu bleiben.

Was? Wer? Wann? Wo?

Concord Floralvon Jordan TannahillRegie Simon WindischDeutsch von Frank Weigand

Es spielen: U.a. einen Fuchs: Jasmin Bettstein Rosi: Ida Golda U.a. eine Blaura>Leonie Bramberger Musik: Robert Lepenik Dramaturgie: Michael Isenberg Regie-Assistenz: Mascha Mölkner Regie-Hospitanz: Pia Haar

Wann & wo? 4., 14., 24. März 2018 7., 8., 27. April 2018 Weitere Termine in Planung

VOLX Margareten/Volkstheater 1050, Margaretenstraße 166 Telefon: (01) 52111-400

www.volkstheater.at/stueck/concord-floral/