Kiku
07.03.2018

Jugendtheater: Felix ist jetzt Anders

„Das diesjährige Jugendstück, diesmal mit Live-Band, des Landestheaters NÖ – als Gastspiel in der Bühne im Hof St. Pölten – ist „Anders“ nach dem gleichnamigen Roman von Andreas Steinhöfel.

Das rund eineinhalbstündige Stück beginnt mit einem rasanten Live-Band-Auftritt. Die Musiker_innen werden zu Schauspieler_innen und schlüpfen dazwischen immer wieder in die Rollen als Band-Mitglieder – mit eigens für das Stück geschriebenen Songs – die zuvor angespielte Themen, meist recht kraftvoll, weiter treiben.

„Anders“ heißt die diesjährige Jugendproduktion des niederösterreichischen Landestheaters mit Gastspielen vor allem in der Bühne im Hof (beides St. Pölten). Der Name ist Programm. Das Stück basiert auf dem gleichnamigen Roman von Andreas Steinhöfel. Anders, so nennte sich Felix Winter ein paar Wochen nachdem er aus dem Koma erwacht ist. Nach zwei Unfällen knapp hintereinander – für die sein Vater und vor allem seine Mutter verantwortlich waren, ist er ins Koma gefallen – für genauso viele Tage wie seine Mutter mehr als elf Jahre davor schwanger mit ihrem Sohn war.

Neue Fähigkeiten

Anders nennt er sich, weil er sich ziemlich anders fühlt, nach dem körperlichen Aufwachen kann er sich an praktisch gar nichts mehr erinnern (retrograde Amnesie). Dafür hat er neue Fähigkeiten, er sieht Farben - bei tönen, Geräuschen und Musik (Synästhesie). Aber auch Gesundheits- und Gemütszustände anderer Menschen nimmt Anders, der seinen neuen Namen auch einmal als Anklang an den Märchendichter Hans Christian Andersen begründet, wahr.

Suche und Abwehr

Er selbst begreift sich als absoluten Außenseiter, allerdings auf der Suche nach sich selbst – in diesem Alter eher der Normalfall. Diese Suche verunsichert vor allem die Mutter. Seine neuen Fähigkeiten werden insbesondere von der Lehrerin mehr als skeptisch wahrgenommen – sie könnten Angst machen. Über die konkrete Geschichte des Buben, der sein Gedächtnis verloren hat und deswegen jedenfalls ganz anders ist, hinaus, finden sich vielleicht viele der jugendlichen Zuschauer_innen schlichtweg in der Rolle der Suchenden. Aber ebenso im Kampf gegen überstülpende „ Helikopter“-Eltern, die ihnen unter dem Deckmantel der Sorge rein gar nichts zutrauen.Zwei Freunde von früher hoffen darauf, dass Anders seine Erinnerungen nie wieder findet, weil da ein dunkles Geheimnis aufgedeckt werden könnte. Zu viel Details aus der Geschichte seien nicht verraten, so manches lebt von der Überraschung, wenngleich sich manches im Verlauf des Stücks ankündigt.

Wechselhaft

Spannend sind nicht nur die vielfachen Rollenwechsel – die fünf Akteur_innen switchen nicht nur zwischen Musik und Schauspiel, sondern in Letzterem auch mit Ausnahme von Felix/Anders, der ja dieselbe Person ist und bewusst von einer Frau gespielt wird, in verschiedene Rollen – aus denen sie als Erzähler_innen auch wieder gänzlich heraus treten. Alles spielt sich in, vor, hinter und rund um eine Art Holzhütte ab, die an einen Stall erinnert – mal drinnen, mal draußen.Ein wenig verhudelt wirkt am Ende der Aufforderung die Forderung nach „Zugabe“ von der Bühne aus knapp nachdem es vielleicht eine kleine Verschnaufpause nach der dramatischen Schluss-Szene bräuchte.

Was? Wer? Wann? Wo?

Anders
von Andreas Steinhöfel
Für die Bühne bearbeitet von Anne Bader
90 Minuten (keine Pause), ab 12 J.

Inszenierung: Volker Schmidt

Anders/Felix: Hanna Binder
Ben/Vater Andre/Erzähler 1: Tim Breyvogel
Romy/Lehrerin Sabine/Ärztin Wickert/Erzählerin 2: Cathrine Dumont
Nisse/Stack/Erzähler 3: Luka Vlatković
Mutter Melanie/Frau Heinsel/Erzählerin 4: Bettina Kerl

Komposition und musikalisches Arrangement: Luka Vlatković
Bühne und Kostüme: Johannes Weckl
Kostüme: Anna Hostek Video: Philipp Haupt

Dramaturgie: Kai Krösche
Regieassistenz: Olivér Illés

Mit Dank an Raphael Krenn für Mitarbeit an Komposition und musikalischem Arrangement

Wann & wo?
Bis 21. März 2018 als Gastspiel in der Bühne im Hof: 3100 St. Pölten, Linzer Straße 18
18. April 2018 im Landestheater NÖ, 3100 St. Pölten, Rathausplatz 11
16. Mai 2018 Gastspiel in Amstetten, Johann-Pöltz-Halle, 3300 Amstetten, Stadionstraße 12
Telefon: 02742/90 80 80 600
www.landestheater.net