Szenenfotos aus ".I think we called it family"

© Caspar Thiel

Starkes körperliches Spiel um Familie
06/11/2016

Starkes körperliches Spiel um Familie

".I think we called it family": 16 junge Erwachsene - europäische Studierende und Schutzsuchende aus Kriegsgebieten - spielen im Schauspielhaus Szenen rund um Familie.

von Heinz Wagner

Update: 12. Juni, 13:46:25: Neue Fotos - Szenenbilder statt der Probenfotos Update: 30. Oktober 2016, 18.25 Uhr: Neue - gekürzte - Aufführung - mit teils geänderter Besetzung

Ungefähr in der Mitte teilt ein engmaschiger Art Schnürlvorhang – ein Zaun? - die Bühne der Breite nach. Es wird stockdunkel. Ein Pochen wird eingespielt – im Rhythmus von Herzschlägen. Ein Dialog beginnt – ein der Großteil des Stücks auf Englisch. Ein Satz bleibt aus dem Anfangsdialog hängen: Der beste Platz sich zu verstecken ist im Licht/im Hellen. Und der verhandelte Gedanke, dass die eigenen Lügen mit immer mehr Make-Up, mit immer mehr Parfum verdeckt, überlagert, übertüncht werden, es aber dennoch stärker und stärker zu stinken beginnt. Samt der insistierenden Frage: „Was meinst du wirklich?“

Dramatisch und unaufgeregt

16 jungen Darstellerinnen und Darsteller manchmal vor, manchmal hinter dem flexiblen Gitter, das sie – optisch getrennt -, aber leicht durchschreiten können, verhandeln auf der Bühne des Schauspielhauses in einigen Aufführungen – nein, nicht Grenzzäune, sondern Familie. Die einen sind aus verschiedenen europäischen Ländern und studieren in Wien (Erasmus Student Network), die anderen sind junge Leute, die aus Syrien, dem Irak, Afghanistan und anderen Ländern Zuflucht in Wien gefunden haben. Viel von eigenen Familienerfahrungen haben sie eingebracht – vom Ohnmachtsgefühl, als Frau Eigentum des Vaters oder Ehemanns zu sein oder zumindest weniger Wert zu sein als der Bruder, verschiedene Erlebnisse über Scheidungen in der eigenen Familie, über Auswirkungen lebensbedrohlicher Krankheiten eines Familienangehörigen. Oder wenn – wie bei Kurd_innen – die eigene Sprache verboten ist, womit die Freiheit des Wortes noch mal eine viel weitergehende Bedeutung erlangt. Oder wenn Kinder schon sehr früh in Kriegsgebieten ihre Eltern verlieren...

Gemeinsames

Und doch verbindet sie – trotz dramatischeren und ganz undramatischeren eigenen Erfahrungen – sehr viel ähnliches – der Wunsch nach Geborgenheit, Begegnung auf Augenhöhe, als einzelner Mensch wahrgenommen zu werden, nicht belogen und betrogen zu werden, sich nicht verstellen zu müssen...

In einer drastischen Szene bilden 15 eine Gemeinschaft, einen Kreis, in dem sie sich bewegen, verändern können. Die 16. Person bleibt ausgestoßen, versucht sich auf unterschiedlichste bewegte und schreiende Form bemerkbar zu machen. Nichts.

Sehr körperlich

Die 16 jungen Erwachsenen, von denen einige erstmals Theater spielen, agieren in sehr stark körperlichen Szenen – ob in Klein- oder in der großen Gruppe. Sehr nahegehende Szenen vermitteln so oft mehr noch als im Text nahegehende Gefühle und transportieren sie immer wieder auch so, dass sie im Publikum mehr noch sozusagen im Bauch und Herz als im Kopf ankommen.

Wenngleich vielleicht eine Kürzung nicht schlecht getan hätte, eine sehens-, nein viel eher erlebenswerte Produktion der .EVOLve Theatre Company in Zusammenarbeit mit Train of Hope, ERASMUS Student Network, Afghan Women Writing’s Project im Wiener Schauspielhaus.

Was? Wer? Wann? wo?

Performance - I think we called it family The performance „.I think we called it family“ investigates with eleven young people from different countries the theme „Family“. Based on the participants‘ dreams, fears, hopes and memories, stories are told that are shared by everyone. Stories about looking for something, about breaking out, about re-finding, being silent, doubting, loving, about leaving, moving, staying, about future. This performance will be held in English. Director: Barbara Wolfram Stage: Nathalie Lutz (Idea Barbara Wolfram) Director Assistant: Noémie Jacquemond Performance: Laura Alexandrino, Alaa Ghamian, Tarek Ghamian, Saad Al Ghefari, Elissaveta Grigorova, Amin Khawary, Elena Pichler, Negin Rezaie, Lara Rump, Susanne Siebel, Fabienne Swoboda Guest performance by .EVOLve Theatre Company. In cooperation with Train of Hope, ERASMUS Student Network, Lions Club Wien, Afghan Women Writing’s Project, Smart Academy.

Samstag, 5. November 2016, 20 bis 21 Uhr Brunnenpassage, 1160, Brunnengasse 71.

Ursprüngliche Version

.I think we called it family von Barbara Wolfram und .EVOLve Theatre Company Hauptsächlich in Englischer Sprache; ca. 1,5 Stunden

Konzept und Regie: Barbara Wolfram Mit: Nikola Adams, Bagher Ahmadi, Tandoruk Can, Alaa Ghamian, Tarek Ghamian, Elissaveta Grigorova, Amin Khawary, Vičko Marelić, Johnny Mhanna, Sallar Othman, Elena Pichler, Emmanuelle Poujaud, Lara Rump, Susanne Siebel, Fabienne Swoboda, Nasima

Künstlerische Assistenz Max Smirzitz Kaufmännische Leitung Nikola Adams In Zusammenarbeit mit Train of Hope, ERASMUS Student Network, Afghan Women Writing’s Project

Wann & wo? Bis 12. Juni, 20 Uhr Schauspielhaus Wien 1090, Porzellangasse 19 Telefon: (01) 317 01 01-18www.schauspielhaus.at

www.evolve-esntheatrecompany.net