Genesis Park

© Felix Robert Huber 2016

Genesis Park
10/03/2016

Vom Urknall bis zur Bar am Ende des Universums

"Genesis Park" von makemake: Naturwissenschaftliche, philosophische und künstlerisch-fantasievolle Auseinandersetzung mit der Evolution.

von Heinz Wagner

Vom Urknall bis zur Bar am Ende des Universums sind's rund zwei Stunden. Die beginnen mit einer Busfahrt mit Fragen bzw. Geschichtchen rund um Evolution – aus naturwissenschaftlicher, philosophischer und durchaus auch mal fantasievoller, schräger Sicht. Die Fahrt führt zum relativ neuen Kulturzentrum F23 – einer ehemaligen Sargfabrik in Wien-Liesing. Dort führt die Wanderung zunächst über eine Teil des freien Geländes – 4,5 Milliarden Erdgeschichte in rund 20 Minuten Schnelldurchlauf, hin und wieder werden dabei zwar Millionen und Milliarden durcheinadergewürfelt, aber deutlich vor Augen geführt, dass die Menschen erst seit verhältnismäßig sehr, sehr kurzer Zeit die Erde bevölkern.

Und wie ist das mit den Menschen? Neben der drohenden Katastrophe für den Planeten, werden Fragen aufgeworfen, ob nicht jeder einzelne Mensch schon eine riesige Vielzahl von Lebewesen ist – nicht zuletzt von Bakterien. Und doch sind wir oft mit uns völlig unbekannten Menschen am anderen Ende der Welt via „sozialer Netzwerke“ mehr verbunden als mit dem Leben im eigenen Körper.

Installation durchwandern

Die Formate wechseln: „Wandernde“ von zunächst unsichtbaren Mitwirkenden verschobene Wände in einer Art Amöben-Design. Die Wände schließen das Publikum ein. Die Darsteller_innen – im selben Design gekleidet wie die Wände – treten in verschiedensten Funktionen auf. Von der Talkshow mit Tieren wie der Tüpfelhyäne oder dem Anemonen- besser bekannt als Clownfisch bis zur Seegurke. Die Auswahl dieser Tiere ist nicht zufällig, immerhin strafen sowohl die genannte Hyänen- als auch die Fischart die mehr als häufig transportiere These, von der naturgegebenen Überlegenheit der Männchen Lügen. In diesen Raubtierrudeln dominieren die Weibchen. Und bei den „Nemos“ ist ein einziges Weibchen das größte und stärkste im Schwarm, stirbt es verwandelt sch das stärkste der Männchen in ein Weibchen.

Tierisch

Jede Teilnehmerin/jeder Teilnehmer bekommt schon anfangs eine Tier-Karte ausgehändigt. Ob unter der Erde, im Wasser, in der Luft lebend, geht’s nach der Talk-Show durch schräge Installationsräume von geheimnisvoll sich bewegenden Kugeln, Wasserspritzen usw. Und immer wieder zum Nachdenken anregende, hin und wieder zu dicht einprasselnde Sätze und Gedanken wie „Wir alle sind Cyborgs. Wir sind Hybride aus Maschinen und Organismus, Mensch- und Tier-Geschöpfe der gesellschaftlichen Wirklichkeit und der Fiktion“ oder „Wir sind Tochter des Sohnes Mikrochip, des Großvaters Fels, der Tante Fisch. Sind Urenkel der Cousine des Vaters Dampfmaschine, der Großmutter des Apfelbaumes...“

Knoten im Hirn, die vielleicht bei der Heimreise mit dem öffentlichen Bus oder noch später entwirrt werden wollen. Oder auch nicht... ;)

Genesis Park makemake poduktionen Begehbare Installation mit Performance 2 Stunden (inkl. Busfahrt) Ab 10 Jahren

Autorin: Natascha Gangl Team: Sarah Bahmou, Albert Farkas, Natascha Gangl, Moritz Hartmann, Helena May Heber, Simon Hajoš, Lena Lom, Nanna Neudeck, Peter Pertusini, Leni Plöchl, Michèle Rohrbach, Martina Rösler TeilnehmerInnen des Researchclubs on Stage: David Hafner, Nicole Haselbacher, Klaus Hintersonnleitner, Helga Jessenig, Nadja Gärner, David Gamel, Christina Maria Murer, Isabella Kaisnmeier, Rosanna Ruo, Marlene Schenk-Mair, Yana-Fiona Thaler Musik: Rdeča Raketa (Maja Osojnik, Matja Schellander) Ausstattung: Birgit Kellner, Nanna Neudeck, Christian Schlechter Mentoring, Dramaturgie: Jan Deck Theaterpädagogik, Vermittlung: Brigitte Moscon Philosophie: Ivan Fauri Produktion: Felix Huber, Julia Haas Assistenz: Daniela-Katrin Strobl Soundtechnik: Adele Knall

Wann & wo? Bis 4. Oktober F23 - Zentrum für soziale, kommunikative und kulturelle Impulse 1230 Wien, Breitenfurterstraße 176. Entscheide dich, ob du das Theaterstück direkt vor Ort oder mit einer gemeinsamen Busfahrt (Treffpunkt DSCHUNGEL Wien im MQ) beginnen lassen willst (Achtung begrenzte Plätze im Bus - Anmeldung erforderlich) Kartenreservierung ausschließlich unter:karten@makemake.at oder Telefon: 0688 607 47 940dschungelwien.at