Kiku
15.01.2018

Geisterhaus: Lesung im Dunkeln

Lesung mit Gruselfaktor: „House of Ghosts“ in der Wiener Hauptbücherei – im Wechsel von hell und dunkel mit einem blinden Vorleser.

Was könnte besser zu einer Lesung über ein Gespensterhaus passen als ein finsterer Raum? Damit’s nicht zu gruselig wird, bekamen alle Besucher_innen leuchtende Armbänder. Nach den ersten Seiten im Hellen, wurde es dann wirklich ganz dunkel im vollbesetzten Veranstaltungssaal der Hauptbücherei am Wiener Urban-Loritz-Platz. Die Lesung aus „House of Ghosts – Das verflixte Vermächtnis“ ging weiter, nur der Vorleser wechselte.

Autor Frank Maria Reifenberg hatte bei Licht den Beginn des Buches vorgetragen, in dem Melli Bower und ihre Familie aus den USA kommend, in das von der Urgroßschwiegercousine Emilie Bauerfeind geerbte Haus im deutschen Kholfincken ziehen. Dann Licht aus. Nun las Heiko Kunert die ersten mysteriösen Begegnungen Mellis im Haus der Geister. Kunert braucht kein Licht, er liest mit den Fingern.

Braille-Schrift

Wie schauen jene Seiten aus, die er – wie andere blinde Menschen - lesen? Das wollten einige Kinder nach der Veranstaltung wissen und ertasteten die erhabenen Punkte mit denen die Buchstaben der Brailleschrift arbeiten. Heiko Kunert, diplomierter Politologe, ist Geschäftsführer des Blinden- und Sehbehindertenvereins Hamburg und hat, wie er dem Kinder-KURIER am Rande der Lesung in der Hauptbücherei erzählt, „schon öfter Theater gespielt“. Als Reifenberg die Idee einer Lesung im Dunklen hatte und via Facebook nach blinden Vorlesenden suchte, „hab ich mich gemeldet und so hat das begonnen. Wir haben nun schon einige gemeinsame Lesungen gemacht“.

500 zu 90.000

„House of Ghosts“ ist eines der wenigen Bücher, das auch in der Blindenschrift gedruckt wurde. Pro Jahr erscheinen im deutschsprachigen Raum rund 90.000 verschiedene Bücher in Schwarz-, aber nur ca. 500 in Blindenschrift, berichten Kunert und Reifenberg. Die Bücher in Brailleschrift sind dicke Ordner und können über ein Netzwerk in Deutschland – medibus, siehe Link unten – ausgeliehen werden.

Wo?

Geht das auch über die städtischen Büchereien?, wollte der Kinder-KURIER wissen. Leider (noch) nicht, so die Auskunft, allerdings überlegt die Zentrale der Büchereien noch in diesem Jahr einige Bücher in Blindenschrift anzukaufen – oder sich vielleicht Mitglied des Netzwerks zu werden. Derzeit können solche Bücher über die Bibliothek im Wiener Braille-Zentrum BundesBlinden-Institut ausgeborgt werden. Gibt es dort ein Buch nicht, kann es eben über das Netzwerk bestellt werden – und wird der Leserin/dem Leser dann direkt nach Hause geschickt.

Die Links zu den Infos findest du weiter unten in einem eigenen Abschnitt, in einem weiteren gibt's Fotos und in noch einem ein finsteres Video im Dunkeln, in dem du einen Ausschnitt aus der Lesung hörst.

... von der Lesung

Fotos von der Lesung im Dunkeln

1/19

Abwechselnd dunkel ...

... und hell war's bei der lesung aus "House of Ghosts" in der Hauptbücherei (Wien)

Lesng im Dunklen

Lesng im Dunklen

Lesng im Dunklen

Lesng im Dunklen

Lesng im Dunklen

Lesng im Dunklen

Lesng im Dunklen

Lesng im Dunklen

Wie fühlt sich die Braille-Schrift an?

Lesng im Dunklen

Lesng im Dunklen

Lesng im Dunklen

Lesng im Dunklen

Lesng im Dunklen

Lesng im Dunklen

Lesng im Dunklen

Lesng im Dunklen

... von einem Teil der Lesung im Dunkeln

Frank Maria Reifenberg
Mit Vignetten von Fréderic Bertrand
House of Ghosts – Das verflixte Vermächtnis
ab 10 J.
ca. 160 Seiten
arsEdition
gebundene Ausgabe: 13,40 €
eBook: 10,99 €

Links zu Medibus, zur Bibliothek im Braille-Zentrum und zu einem Übersetzungstool