Kiku
05.12.2011

Friedens- und andere Versöhnungszeichen im Gericht

Vielschichtiges Menschenrechtsprojekt einer Wiener Handelsakademie

Friedenszeichen, Begriffe wie gleich, Liebe, Hass, Zeichen in verschiedenen Schriften - vom arabischen für Allah oder dem indischen für Om (Stärke) und die alle künstlerisch gestaltet, zieren seit wenigen Tagen die Wände vor den Verhandlungssälen im Bezirksgericht Wien-Meidling. Sie sind das Ergebnis eines umfangreichen Menschenrechts-Projekts des IBC Hetzendorf (International Business College wie sich diese Handelsakademie angesichts ihrer Bilingualität nennt) im Gegenstand Politische Bildung (mit Laura García Marqués ) vierter Klassen in diesem Schuljahr.

Raus aus der Schule

Im Rahmen des Projekts gingen die Schüler_innen immer wieder aus den Klassenzimmern hinaus auf andere Einrichtungen zu, eine davon war das Bezirksgericht. Einblicke ins echte Geschehen, das sich doch deutlich vom Bild aus TV-Serien unterscheidet, wie Stefan Bruckner, einer der Schüler_innen bei der Eröffnung schilderte. Hier galt der Dank dem Leiter des BG, Oliver Scheiber, der den Jugendlichen viele Einblicke ermöglichte. Der wiederum bedankte sich für den Anstoß zur Öffnung des Gerichts hinaus in die Gesellschaft.
Ajschat Jassakova beschrieb die Auseinandersetzung mit verschiedensten Formen von Diskriminierung in verschiedensten Lebensbereichen mit denen sich die Jugendlichen - unterstützt von ZARA auseinandergesetzt hatten. "Und manche überlegen nun sogar, nach der Matura Jus zu studieren."

Zivilcourage

Markus Dokulil berichtete über Zivilcourage-Workshops mit dem Mauthausen-Komitee. "Wir haben in Rollenspielen verschiedene Situationen erlebt. In der einen kommen drei Jugendliche zu einer Disco, einer davon ein Afroamerikaner. Der wird nicht reingelassen. Einer der beiden anderen geht rein, der zweite solidarisiert sich mit dem Ausgeschlossenen und sie gehen zu zweit weg. In einem anderen Beispiel geht's um eine Frau mit Kopftuch, die in der Straßenbahn angepöbelt wird..."
Ob sich diese Workshops und Rollenspiele aber aufs wirkliche Leben ausgewirkt haben, wollte der Online-KiKu wissen. "Ja schon", meint Topkan Elvan und erinnert sich "einmal in der U-Bahn bin ich bei einem Streit dazwischen gegangen. Und das hab ich mich sicher nur getraut, weil wir in den Workshops solche Situationen durchgespielt haben".

Im Atelier

Anja Krejcerik ging auch auf den künstlerisch-kreativen Teil des Projekts ein, indem sie die Exkursion ins Atelier Renate Payer und die Arbeit vor Ort überschwänglich beschrieb, deren Ergebnisse nun - aller Voraussicht nach ein Jahr lang - im Bezirksgericht nahe der U-Bahn-Station Meidlinger Hauptstraße zu sehen sind - als Mahnung daran, wie wichtig Menschenrechte sind. "Außerdem wurde den Schülern bewusst, dass
der Richter eine maßgebliche Rolle bei der Wahrung der Menschenrechte hat und
die Abwicklung eines fairen Verfahrens verantwortet", wie Anna Deng in einem Beitrag für die Erklärung zur Ausstellung schrieb.