Kiku
05.12.2011

Fliegende Fische, schwimmende Vögel

Bunte Augenschmäuse beim Gehörlosentheaterfestival ARBOS

Auf der Bühne ein dreieckiges Gestänge. Mittendrin ein großes Stoff-3-Eck. So eins, das an Spielwürfel von Kleinkindern erinnert - weiches Material, verschiedene Farben und auf allen Ecken und Enden etwas, das zum Tun, zum Spielen einlädt, irgendwo was rausziehen, irgendwo Reingreifen, Ausklapp-Teile….
Da tauchen auf einmal Hände aus der Mitte der obersten Fläche auf, flattern wie Vögel, weiter und weiter, bewegen sich zu einem der Ränder vor und tauchen hinab. Werden Fische. Es braucht dazu kein Wort. Jedes Kind im Publikum erkennt die Tiere. Das Fehlen gesprochener Text ist auch Programm - nicht nur - dieses Stücks. "Fische in der Luft - Vögel im Wasser" von Zoja Mikotováder tschechischen Gruppe Divadlo NESILYM ist eine der Kinderproduktionen beim diesjährigen - zwölften - Internationalen Gehörlosentheaterfestival ARBOS.

Auftauchen

Die eingangs aus dem Untergrund aufgetauchte Schauspielerin erhält zwei Kolleginnen - zu dritt spielen sie sich in er ersten Szene viel mit Vögeln und Fischen, Luft und Wasser. Und spielend leicht vermitteln sie die dazugehörigen Gebärden - wie vieles in dieser Zeichensprache scheint jedes dargestellte Wort so ziemlich logisch - ergibt wunderschöne "gesprochen" Bilder - die beiden Handflächen mit den kleinen Fingern an die Wangen und nach vor und zurück bewegt - klar, das muss Fisch heißen!
Tierisch geht's weiter, Mäuse tauchen auf, das Dreieck wird in ein Mäuseloch verwandelt. Ein andermal zieht eine der Schauspielerinnen aus einer Kante einen grauen Stoffschlauch heraus, seitlich klappen die Kolleginnen große, ebenfalls graue halbkreisförmige Teile aus - richtig, ein Elefant. Der lädt die jungen Zuschauer_innen ein, sich ihm bei seiner Runde um das große Gestell anzuschließen - linke Hand an die Nase, rechte durch die entstehende Öffnung des linken Arms durch - welches Kind kennt nicht diese Gestik für die großen Dickhäuter?!

Formen

Zu guter Letzt spielen die Zuschauerinnen mit ihrem Publikum, wer will darf die bunten kurzen "Schlangen" haben und daraus formen, was sie/er beliebt - die anderen sind eingeladen, zu erraten, worum's sich bei dem jeweiligen ding handeln soll…
Weitere Aufführungen - für Kinder und (etwas) ältere Zuschauer_innen, gehörlos oder sich auf diese natürlich stark aufs visuelle konzentrierenden Aufführung einlassend, bis 17. April quer durch Österreich.