„Ohne das Jugendcoaching wär ich schon mit 15 auf der Straß‘n g‘sessen“, sagt die ansonsten ständig auf mega-cool spielende, Selfie-süchtige Film-Isa mit hohem Tussie-Faktor in einem ihrer spärlichen ehrlichen Momente. Kürzlich wurde im Wiener Filmcasino der knapp mehr als halbstündige Film „Die Reise“ vorgestellt.

Die Story: Ein halbes Dutzend junger Leute reist mit einem Bus durch Österreich. Im Laufe der Tour wird dieser gemeinsam kunterbunt besprayt, laufend werden Selfies gemacht und auf Facebook gepostet. Auf der „Reise“ besuchen sie ein paar Jugendliche, die sie bei der Messe „Beruf, Studium, Weiterbildung“ (best) kennengelernt hatten - samt Party beim Vorarlberger Arif. Nicht zuletzt organisieren sie via Facebook ein reales Treffen mit Fans, die den Reisenden virtuell folgen – grantige alte Frau am Marktplatz und leiwander Polizisten, der zum Selfie bittet inklusive. Soweit kurz gefasst der kurze Spielfilm.

Zukunft ist heute

Szenenfoto aus dem Film © Bild: Sozialministeriumservice/CM Creative

Die Rahmenhandlung: Ein angehender Sozialarbeiter will sich vor seinem Fachhochschul-Studium in einem praktischen Projekt ausprobieren, um seine eigenen Zweifel daran, ein guter Sozialarbeiter werden zu können, im Optimalfall zu zerstreuen. Die jungen Darsteller_innen spielen fiktive Geschichten Jugendlicher, die an den Rand der Gesellschaft gedrängt wurden/werden – und die mit Unterstützung von Jugend-Coaching (wieder) eine Perspektive in ihr Leben bringen.

„Es ist verdammt leicht, auf die Zukunft zu pfeifen, wenn einem alle Möglichkeiten offen stehen. Aber wenn dir das Leben so richtig reinscheißt, denkst anders drüber“, kontert Rizi, Video- und Musik-Experte im Rollstuhl der No-Future-Tramperin Irene. Auf diese treffen sie bei einem unfreiwilligen Halt - der Bus hat eine Panne. Letzteres passierte während der Dreharbeiten übrigens in echt und nicht nur für den Film.

© Bild: Heinz Wagner

„Ich hab auch Probleme g’habt, Scheiße gebaut, weil ich Geld brauchte“, erzählt Ali. Diesen spielt Bagher Ahmadi, der im echten Leben ganz andere Probleme bewältigte: Allein auf sich gestellt flüchtete er als unbegleiteter Minderjähriger aus Afghanistan, hat in den vergangenen Jahren in Österreich in mehreren Theaterproduktionen und Filmen mitgespielt und studiert mittlerweile am Wiener Konservatorium Schauspiel.

Zurück zum Film „Die Reise“, der anhand von fiktiven aus der täglichen Praxis inspirierten Beispielen Sinn und Zweck des Jugend-Coachings plastisch darstellt. Wobei es nicht nur um „Problem“-Jugendliche geht. Demnächst werden insgesamt rund 160.000 Jugendliche diese individualisierte Schnittstelle – die Coaches beschäftigen sich mit jeder/jedem Einzelnen - zwischen Schule und Beruf durchlaufen haben. Rund 500 Coaches bei 35 Trägerorganisationen bewerkstelligen diese herausfordernde Aufgabe.

Computerspiel-Design

KiKu-Interviewpartnerin Diana Volyuvach, Darstellerin der Film-Xana © Bild: Heinz Wagner

Im Film meint Xana: „Wir hatten alle ein Jahr so einen Coach, der chillig war.“ Ihre Darstellerin, Diana Volyuvach (16), Halb-Italienerin und Halbrussin, die seit dreieinhalb Jahren mit ihrer Mutter in Wien lebt, erzählt dem Kinder-KURIER: „Ich hab im Poly einfach nicht genau gewusst, was ich danach machen will. Meine Coachin hat mir geholfen, in eine Produktionsschule zu kommen, wo ich in verschiedene Berufe reinschnuppern konnte – von klassischen wie Konditorei bis Büro. Ich aber interessierte mich am meisten für Multimedia, Grafik und Kommunikationsdesign oder Gamedesign. Letzteres mehr als Spieleentwicklung, weil ich in Mathe nicht so gut bin.“

Die Mitarbeit beim Film entsprach obendrein einer weiteren Leidenschaft Dianas: Singen und Schauspiel. Fallweise steht sie auf der Bühne des russischen Theaters in Wien. „Die Dreharbeiten waren zwar anstrengend, haben aber viel Spaß gemacht“, sagt sie zum KiKu. Etwas, das übrigens die meisten Mitwirkenden so empfunden haben – was auch im Film immer wieder aufblitzt bzw. ihn sogar durchzieht.

Die Erzählstränge der einzelnen Figuren und ihre Geschichten sind überzeugend gezeichnet, da hätte es das „Draufdrücken“ mit erhobenem Zeigefinger gegen Ende des Films nicht wirklich gebraucht, um Sinn und Erfolg von Jugend-Coaching zu zeigen.

Jugendliche gaben Inputs

Szenenfoto aus dem Film © Bild: Sozialministeriumservice/CM Creative
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