Kiku
25.02.2018

Ein Stück über DAS Theaterstück zum Thema Toleranz

"Remake.Ringparabel" im Theater Odeon: Eine junge Theatergruppe spielt den Kern von Lessings Stück - und auch wie sie um diesen gerungen hat.

Der Beginn: Einsam steht ein Jugendlicher auf der Bühne und deklamiert einen Text, der ihm spürbar nicht sonderlich behagt. Wieder und wieder. Ein anderer will seinen Text übernehmen. Eine andere schickt ersteren weg. Der meint, der Text müsste geändert werden, das sei keine zeitgemäße Sprache mehr. Die jungen Schauspielerinnen und Schauspieler geraten sich fast in die Haare angesichts DES Theatertextes zum Thema Toleranz. Gotthold Ephraim Lessings „Nathan der Weise“ wird von der Gruppe junger Theaterbegeisterter „Ein Stück Theater“ aufgegriffen und als „Remake.Ringparabel“ derzeit im wunderschönen Odeon-Theater in Wien-Leopoldstadt nahe dem Schwedenplatz aufgeführt.

Prozess sichtbar gemacht

Im ersten Teil, spielen sich die Diskussionen und Debatten darüber ab, wie das Stück anzulegen, wer, wen spielen sollte. Spannend, aber vielleicht ein wenig zu lang geraten. Die Rahmenhandlung Lessings wird ebenso gestrichen wie viele seiner Blankverse. In manchen Passagen werden sehr wohl seine gereimten Original-Zeilen zu Gehör gebracht. Und die Ringparabel – als Sinnbild für den Streit der drei großen Ein-Gott-Religionen (Judentum, Christentum, Islam) hat ein sehr alter König drei Söhne, aber nur einen Original-Erb-Ring und lässt zwei perfekte Duplikate anfertigen – ist Zentrum des fast zweistündigen (eine Pause) Stücks.

Aber sie wird wesentlich verändert. Der Alte hat zwar drei Kinder, zwei aber sind Töchter, noch dazu die älteren. Und alle drei diskutieren untereinander und mit dem Vater, ob Lessings Stück nun wirklich für Toleranz stehe. Ob dem König nicht der Ring viel mehr Wert wäre als seine Kinder. Und wie tolerant es wäre, auf Kosten anderer in der Welt ach so „tolerant“ zu sein, Unterdrückung, Ausbeutung für den eigenen Reichtum zu billigen?...

Im folgenden Abschnitt der Text einer Jugendlichen nach der Premiere des Stücks!

Und hier der Link zur Reportage über einen Probenbesuch des Stücks - samt Infos wann & wo?:https://kurier.at/leben/kiku/wie-tolerant-ist-diese-toleranz/310.038.369

Text der 17-jährigen Anđela Čegar

Toleranz ist die Duldung von abweichenden Meinungen oder Aktivitäten anderer Menschen. Die religiöse Toleranz bzw. der Toleranzgedanke ganz im Sinne der Aufklärung spielt eine zentrale Rolle in Gotthold Ephraim Lessings Drama „Nathan der Weise“ mit dem Kernstück, der Ringparabel.

Über das Original

Nathan der Weise spielt zur Zeit des dritten Kreuzzuges in Jerusalem und beschäftigt sich mit der Thematik der „wahren Religion“. Diese Frage wurde dem Kaufmann Nathan, einem Juden, seitens des Sultans Saladins, einem Moslem, gestellt. Für die Beantwortung dieser doch sehr komplexen und umstrittenen Frage bediente sich Nathan der berühmten Ringparabel: Ein seit Generationen vererbter Ring, der seinen Träger bei Menschen und Gott beliebt machen soll, liegt nun in der Hand eines sterbenden Königs, der drei Söhne hat. In seiner Verzweiflung holte er sich Rat bei einem weisen Richter, der ihm empfohlen hatte, zwei perfekte Kopien des Ringes anfertigen zu lassen, damit wäre keiner in der Lage das Original zu finden. Außerdem würde es allen drei Trägern das Gefühl geben, den echten Ring zu tragen. Diese drei Ringe wiederum stehen für die drei großen monotheistischen Weltreligionen Judentum, Christentum und Islam.

Neu-Inszenierung

Der Toleranzgedanke ist in unserer heutigen Zeit aktueller denn je und die Wichtigkeit dieses Themas war sich die junge Gruppe „Ein Stück Theater“ bewusst, die aus dem bekannten Stück eine eigene Version gemacht haben. „Remake.Ringparabel“ von der jungen Gruppe „Ein Stück Theater“ wurde das erste und zweite Mal diese Woche (19./20. Februar 2018) aufgeführt und wird noch ein Mal im Odeon-Theater (27. Februar 2018) zu sehen sein.

Für die erste Produktion der theaterbegeisterten SchülerInnen und Studierenden wurde Lessings Stück „Nathan der Weise“ gewählt und auch in diesem Remake sind die drei Religionen ein Kernstück, jedoch ist die klassische Version zum Teil schwer zu verstehen für die jüngeren Generationen und findet auch bei vielen Jugendlichen keinen Anklang, obwohl die Kernaussage der Toleranz jeden einzelnen betrifft. Deswegen wurde in dem neuen StückRemake.Ringparabel“ die Geschichte mit einer zeitgemäß verwendeten Sprache vereinfacht. Ein großer Unterschied ist in der Besetzung der drei „Söhne“ zu finden, da es sich um zwei Töchter und einen Sohn handelt. Zusätzlich wird der Toleranz mehr Bedeutung zugeschrieben, da sich in Lessings Stück die drei Söhne bzw. die drei Religionen streiten und im Sinne der Toleranz sollte man sich gegenseitig akzeptieren.