Redebewerb, Preisverleihung
03/19/2013

Die "ältesten" Sieger_innen bei "SAG'S MULTI 2013"

Die fünf "ältesten" besten Redner_innen im Bewerb 2012/13

von Heinz Wagner

Ukrainisch, Polnisch, Koreanisch, Kroatisch und Armenisch - die Erstsprachen dieser Sieger_innen

BHAK Salzburg, Ukrainisch

Aufgewachsen im ukrainsichen Uzhgorod kam Myroslava Mashkarynets mit neun Jahren ins ungefähr gleich große/kleine Salzburg. Neben der Muttersprache „hab ich auch Russisch mitbekommen – von meiner Mutter, die Lehrerin ist und viel auch vom Fernsehen. Ich hab aber auch schon Deutsch als Fremsprache in der Volksschule gelernt.“ Dann heiratete die Mutter nach Österreich, die Familie zog nach Salzburg und „ich hab Glück gehabt und gleich auf Anhieb Freunde gefunden, alle haben mit offenen Armen aufgenommen und so hab ich – auch durch den Stiefvater – schnell Deutsch mit Salzburger Akzent gelernt.“

„Weil ich eher kreativ bin, gern schreibe und zeichne, wusste ich erst nicht, soll ich nicht lieber ins Gymnasium gehen, habe mich dann aber nach langem Überlegen für die HAK entschieden, weil ich damit auch gleich eine Ausbildung habe und ja trotzdem studieren kann. Ich bin froh, weil ich in eine gute Klasse kam, mir geht es in der Schule recht gut. Für die Abschluss-Team-Arbeit möchte ich dann am liebsten mit einem gemeinnützigen sozialen Projekt zusammen arbeiten.

Ukrainisch rede ich jetzt eigentlich nur mit meiner Mama, es käme mir befremdlich vor, mit ihr Deutsch zu sprechen. Ansonsten nutze ich meine Muttersprache nur noch wenn ich mit meiner Oma telefoniere oder mit anderen Verwandten skype, aber mit der Kultur bin ich nach wie vor sehr verbunden.

In der Zeit, die bleibt, geh ich gern spazieren, bin bei den Pfadfindern und gern und viel mit Freunden unterwegs.

Für die Zukunft? Ich glaube, man sollte immer dankbar sein für das, was man im Leben hat.

G 19, Gymnasiumstraße, Polnisch

Schon seine Schwester zählte im Vorjahr zu den SiegerInnen von „SAG’S MULTI!“ Und wie sie lernte er „überraschend schnell Deutsch. Nach der 1. Klasse Grundschule in Polen bin ich im Juli nach Wien gekommen, im November konnte ich mich hier in der zweiten Klasse schon gut verständigen.“ Gegen Ende der Volksschule fiel die Entscheidung, ins Gymnasium in der Wiener Gymnasiumstrasse zu gehen, „weil es eine gute Schule mit humanistischem Schwerpunkt ist und ich mich für Sprachen interessiert habe.“ Englisch, Latein und Altgriechisch (eine der wenigen Schulen, wo es dieses noch gibt) stehen auf dem Lehrplan. „Ich find das schön, man kommt auf sehr viel drauf, wenn man sich mit alten Sprachen beschäftigt, du liest einen Text, der vielleicht 2500 Jahre al ist und so allgemeingültig und aktuelle ist, dass er auch erst gestern veröffentlicht hätte werden können.“
So neben17-Jährige spielt bereits das 12. Jahr Trompete. Mit 5 wollt er das unbedingt – was gar nicht so leicht war, „denn eigentlich musst du in Polen zuerst mindestens zwei Jahre Blockflöte spielen, bevor du wechseln darfst. Mein Onkel war Posaunist, das war für mich doch ein zu großes Instrument“, aber auf die Trompete hatte er sich so versteift, dass ihm dieser Wunsch gewährt wurde. Heute „spiele ich alles, Solo, in Orchestern, Ensembles und quer durch alle musikalischen Genres.“ Das will er nun auch im kommenden Jahr nach der Matura an der Musikuni Wien studieren.

Und in der Freizeit, die dann noch bleibt „lese ich ziemlich viel, das hat mir sicher auch damals geholfen, Deutsch zu lernen.“

2sprachiges BG Oberwart, Koreanisch

„Ich bin mit 7 Jahren nach Österreich gekommen, hatte in Korea schon die erste Klasse gemacht, die musste ich da aber noch einmal machen. Wir wohnen in Pinkafeld und nach der Volksschule wollte ich unbedingt ins Gymnasium und da hat sich das zweisprachige in Oberwart angeboten. Es hatte gute Kritiken, gute Lehrerinnen und Lehrer und es war zu erwarten, dass es da keinen Rassismus gibt. Und den hab ich oft genug schon erlebt. Außerdem hab ich schon zwei Jahre vor dem Gymnasium einen Burgenland-Kroatisch-Kurs besucht.“

Dies ist einer der beiden zweisprachigen Zweige – dem Burgenland-Kroatisch in der Unter- folgt Kroatisch in der Oberstufe. Der andere Zweig ist Ungarisch, der wird von viel mehr SchülerInnen besucht, vielen davon aus Ungarn. „Wir sind in unserer Klasse nur zehn Jugendliche, haben mit 14 begonnen, das ist ein sehr angenehmes arbeiten in einer so kleinen Klasse.“

Die Erstsprache „Koreanisch hab ich eigentlich nicht mehr weiter gelernt, mit meinen Eltern sprech ich’s natürlich schon noch.“

In der Freizeit steht „fast nur ausruhen auf dem Programm und Bücher lesen, hauptsächlich Deutsch und Englisch, ansonsten noch spazieren gehen, schwimmen und Internet surfen.“

[I Zhong Hi] wie der Name, beginnend mit dem Nachnamen, ausgesprochen wird, möchte Medizin studieren, ich hab auch überlegt vielleicht etwas mit Sprachen zu machen, aber als Lehrerin bin ich nicht geeignet, dazu hab ich keine Geduld, am ehesten will ich Ärztin werden, drum werde ich schon heuer probieren, den Aufnahmetest EMS zur Probe zu machen, damit ich weiß, was mich nach der Matura dabei erwartet und wo ich vielleicht noch mehr lernen muss.“

BHAK Liezen, Kroatisch

In breitem steirischen Dialekt sprudelt die gebürtige Schladmingerin aus Haus im Ennstal, die in Liezen die vierte Klasse der Handelsakademie besucht, dass sie bei ihrer Rede „ned rein Kroatisch gredt hob, sondern wie daham und weu mia Kroatn aus Bosnien san, hob i a a poar solche Wörter drin g’hobt.“
Das war auch ihre Erstsprache in der Familie, ab dem Kindergarten lernte sie sehr schnell Deutsch, auch durchs Fernsehen, wie Marijana Škoro gesteht. Die Lust am entdeckenden Lesen lernte sie durch eine von der Oma geschenkte kleine Bibel, und einen von der Kirche, wo es sonntags in Radstadt immer eine kroatische Messe gab, angebotenen Kurs – „zwei Stunden, eine Religion, eine Kroatisch. Des woa vui cool“, weil da auch Gegrafie des Landes und seiner Nachbarländer durchgenommen wurden, neben Grammatik und Rechtschreibung. Das meiste habe sie schnell ge-checkt, „nur das mit dem c mit an Hakerl oder zwoa, des vasteh i no imma ned.“

Vor anderen zu reden, das macht ihr hörbar Spaß und die 18-Jährige erzählt, dass sie auch in der Schule schon an Redebewerben teilgenommen hat. Gewinnen sei für sie nicht das Wichtigste, „sondern dass i wos zum Sog’n hab, was mir wichtig is und dass i die andern zum Nachdenken bringen kann.“ Zu ihrer „SAG’S MULTI!“-Rede sei sie von einer TV-Dokumentation im kroatischen Fernsehen inspiriert worden. Die berichtete über die Initiative „Mary’s Meal“ zweier schottischer Fischer, die Rucksäcke mit wichtigen Dingen für Kinder in armen Gegenden, Anfang der 90er Jahre in Bosnien, gesammelt haben. „Das war der Funke!“ Dann habe sie geschrieben, geschrieben, und geschrieben. Für die Finalrede habe sie dann viele ihrer Gedanken in „Selbstgesprächen mit’m Handy aufgenommen“, angehört, gekürzt, gestrichen, verdichtet…

Mathematik oder Sprachen oder noch ganz was anderes wolle sie später in Graz studieren.

Tennis, Laufen, mit der Familie in die Kirche gehen, mit Freunden treffen, Volleyball spielen und Musik hören sind ihre liebsten Freizeitbeschäftigungen.

PG St. Ursula, Armenisch

Aufgewachsen mit Armenisch und Russisch kam Arkadi ….. gegen Ende der fünften Schulstufe nach Österreich. „ich war nur zwei Monate in der Informatik-Hauptschule Maria Enzersdorf (NÖ), aber konnte trotzdem in die zweite Klasse aufsteigen. Deutsch war schon leicht, es war ja auch erst meine dritte Sprache und dadurch, dass ich den ganzen Tag mit meinen neuen Freunden geredete hab, konnte ich es auch viel besser und schneller lernen als jetzt Französisch, das ich nur in der Schule habe.“ Parallel zu Deutsch lernte er auch noch schnell Englisch.

Mit der neuen Sprache lernte der Bub, der mit den Eltern aus Armenien flüchten musste, auch noch seine dritte Schrift – neben Cyrillisch und Armenisch – „das ist eine alte, ganz eigen Schrift aus dem 4. Jahrhundert“.
In der dritten Klasse wechselte Arkadi in die Europamittelschule in Mödling mit viel Sport und danach ins Oberstufen-Realgymnasium St. Ursula in Wien-Liesing, wo er nun in die 7. Klasse besucht.

So „nebenbei“ spielt er Klarinette und Duduk, ein armenisches Volksinstrument (eine Art Flöte aus speziellem lange getrockneten Aprikosenholz), „das hört sich ganz tief und harmonisch an“.

Abschiebe-Drohung

Weniger harmonisch verlief bis vor Kurzem sein und seiner Eltern Alltag. Wir hatten keinen Aufenthaltstitel und wussten von einem Tag auf den anderen nicht, ob wir da bleiben können oder abgeschoben werden. Da ist es schon recht schwer, sich immer in der Schule gut konzentrieren zu können, überhaupt wenn wieder einmal ein negativer Bescheid gekommen ist. Da weißt du dann auch nicht, kannst du morgen in die Schule, oder ist es nicht wichtiger zum Anwalt zu gehen.“

Kommt da nicht manchmal auch der Gedanke, wozu soll ich für die nächste Schularbeit lernen, wenn ich dann vielleicht gar nicht mehr da bin?
„Erstens musst du immer aus deiner Situation das beste machen. Außerdem, wenn ich nicht gut gelernt hätte, dann wäre die Chance, da bleiben zu können sicher noch geringer geworden. Aber natürlich war es oft nicht einfach, wenn du oft zum Anwalt oder zu Behörden musst, versäumst du ja immer wieder auch Unterricht. Und bei Klassenreisen ins Ausland konnte ich ja auch nie mit.“

Sogar nach seiner zweiten Rede (Regionalausscheidung) jetzt bei „SAG’S MULTI!“ war das noch so. „Aber die ganzen Briefe von Freunden, Lehrer, dem Direktor und dem Verein Wirtschaft für Integration haben dann geholfen, jetzt dürfen wir da bleiben und jetzt können damit auch meine Eltern arbeiten.“

Jetzt ist er seine Familie große Mühlsteine los. Wenn, wie so oft, die Familie gemeinsam musiziert, dann ist die Stimmung viel fröhlicher, lockerer. Musik wird auch seine Zukunft bestimmen. „Ich möchte auf der Wiener Musikuni studieren, nebenbei auch noch Psychologie.“ Nach dem Studium „möchte ich eine Musikschule gründen, wo Schüler traditionelle Instrumente lernen können, weil ich muss mir bei Duduk alles selber beibringen, weil es in Wien keinen Lehrer dafür gibt. Und ich möchte damit auch Flüchtlingskindern helfen, dass sie aus oft tristen Heimen oder anderen Anstalten eine Abwechslung haben und Musik lernen können.“

Wobei Arkadi auch musikalische Grenzen sprengt, mit einem Freund, der Schlagzeug spielt, will er mit seiner traditionellen armenischen Volksmusik gemeinsam „neue, moderne Musik mischen will“.

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