Kiku
24.02.2018

Andere Welten kennen lernen wollen

„Das kleine Meermädchen“ sehr frei nach Hans Christian Anders im Renaissancetheater (Wien, Theater der Jugend).

Der eine Mensch, die andere Meereswesen. Beide wollen dasselbe: Ihre Welt ist ihnen zu eng, sie wollen Neues und Neue entdecken, erkunden. Elida die jüngste der Meermädchen will an die Wasseroberfläche. Piet, der Hafenjunge möchte endlich aufs Meer hinaus schippern, um Abenteuer zu erleben. Die märchenhafte Grundgeschichte von Hans Christian Andersen spielt sich derzeit frei nach dem dänischen Dichter neu geschrieben, erweitert und interpretiert – samt aktueller Bezüge - auf der Bühne des großen Hauses des Wiener Theaters der Jugend ab.
Allen Widernissen zum Trotz – Grippewelle ließ erste Vorstellungen ausfallen, wenige Tage nach der Premiere musste die Hauptdarstellerin nach einer Abendvorstellung, bei der sie mittendrin hohes Fieber bekam, die Tage danach von einer ihrer „Schwestern“ ersetzt werden – breitet sich der Zauber der Unterwasserwelt ebenso wie des Grenzgangs zwischen trocken und nass in den zwei Stunden aus.

Unterwasserballett und Puppentheater im Aquarium

Zauberhaft sind vor allem jene Szenen, die vom herkömmlichen Schauspiel abweichen: Eine Art Unterwasserballett mit an unterschiedliche, durchaus auch fantasievoll, anmutende Fische als Kunststofffolien an Stangen mit denen Darsteller_innen in entsprechendes Licht getaucht tanzen. Oder jene, in denen Abenteuer auf hoher See mit kleinen Marionetten-Figuren in einem Aquarium inszeniert – und live gefilmt groß projiziert werden.

Frecher Mittler zwischen Land und Meer

Wunderbar auch die Erfindung des Klabautermannes, eines frechen Kobolds, der ein wenig an Pumuckl erinnert und im Normalfall von Menschen nicht gesehen wird – vom Publikum natürlich schon – die Schauspieler_innen mit Ausnahme der Meermädchen-Darstellerin müssen aber so agieren, als sähen sie ihn nicht. Er ist sozusagen ein Vermittler zwischen Land und Wasser. Und Opfer von Ungerechtigkeit, weil sie der Hafenwirt die Arbeit des unsichtbaren auf seine Fahnen heftet.
Solidarität oder nicht
Auch wenn Andersens Liebesgeschichte – Elida will ja an Land, weil sie sich in den Menschenjungen verliebt hat – präsent ist, liegt der Schwerpunkt eher auf Solidarität: Piet kümmert sich um die angeschwemmte junge Frau, auch wenn die sich mit ihm nicht verständigen kann. Während die eifersüchtig, tussihaft agierende Melusine meint, „Wir können uns nicht um jeden kümmern, der vom Meer angeschwemmt wird“.
Natürlich gibt’s ein Happy End – wenngleich das weniger wichtig ist, als der Prozess der Annäherung zwischen den Wesen aus den beiden Welten.

Was? Wer? Wann? Wo?

Das kleine Meermädchen
frei nach Hans Christian Andersen
von Gerald Maria Bauer
Mitarbeit Sebastian von Lagiewski
ab 6 J., zwei Stunden (eine Pause)

Elida, ein kleines Meermädchen: Shirina Granmayeh – beim Kiku-Besuch krank und von Julia Edtmeier ersetzt, deren Rolle als ältere Schwester an diesem Tag ausfiel.
Namina, Elidas ältere Schwester: Julia Edtmeier
Daria, ihre noch ältere Schwester: Claudia Waldherr
Meermann, deren Vater: Rafael Schuchter
Piet, ein Hafenjunge: Niklas Doddo
Melusine, genannt Sinchen: Claudia Waldherr
Plemperbier, ein Seebär: Christian Strasser
Klabautermann: Stefan Rosenthal
Die rüde Krake /Spelunkenjenny: Sara Livia Krierer
Boje, ein böser Kapitän: Hannes Pendl
Nautilus: Andrea Köhler
In weiteren Rollen & Figurenspiel: Ensemble

Regie und Bühne: Gerald Maria Bauer
Kostüme: Nicole von Graevenitz
Figurenbau und Coaching: Rebekah Wild
Videogestaltung: Atzgerei
Licht: Christian Holemy
Dramaturgie: Sebastian von Lagiewski
Assistenz und Inspizienz: Eva Maria Gsöllpointner
Bühnenbildassistenz: Diana Zimmermann
Hospitanz: Anton Kolmbauer
Aufführungsrechte: Theater der Jugend, Wien

Wann & wo?
Bis 17. März 2018
Theater der Jugend, Renaissancetheater, 1070, Neubaugasse 36
Telefon: (01) 521 10-0
www.tdj.at