Szenenfoto aus IMMERSION. Wir verschwinden vom Ationstheater Ensemble

© Gerhard Breitwieser

Aus der Realität verschwinden...
04/04/2017

Aus der Realität verschwinden...

Mit seinem jüngsten Stück „Immersion“ thematisiert das aktionstheater ensemble spürbar und erlebbar das Abdriften in virtuelle Räume.

Update 4. April 2017, 14.34 Uhr: Neue Aufführungstermine hinzugefügt.

Zu guter Letzt sind dann (fast) alle auf der Bühne auch wirklich im Theaternebel „verschwunden“. Davor praktiziert ein Schauspiel-Trio und ein Musik-/Gesangs-Duo perfekt und teils bis zum Exzess, zwar physisch total präsent zu sein, aber gleichzeitig und immer mehr das Gefühl des Verschwindens, des Abtauchens in virtuelle Welten zu „leben“. „ Immersion“ ist das jüngste Stück des kürzlich mit dem Nestroy-Theaterpreis für die beste Off-Produktion ausgezeichneten aktionstheater ensemble – was auch gegen Ende des Stücks, wie andere aktuelle Ereignisse (Ergebnis der Bundespräsidentenstichwahlwiederholungsverschiebung) thematisiert wird.

Die kann ja gar nix

Unglaublich fanden nicht nur derart viele Menschen die sexistische und obendrein offenbar plumpe „schoaf“-Werbung der steirischen Stadt Feldbach, pardon Földboch, dass das Video bald darauf vom Netz genommen werden musste, sondern auch Michaela. Sie alteriert sich gekonnt auf der Bühne vor allem über die schlechte schauspielerische Leistung der Darstellerin des Werbespots. Und doch wäre der Spot mehr als 46.000 Mal geteilt worden. Und mit so was! Was nütze da das schauspielerische Können auf einer realen Bühne, das Netzt schlägt sie allemal, zu allem Überdruss noch mit plumpem Sch...

Da hilft Michaela nur, dass sie mehr oder minder die Geschichten ihrer Kollegen immer wieder unterbricht, sich in den Vordergrund zu drängen versucht.

Wer war da?

Da ist Andreas – in aktionstheater-enemble-Stücken agieren die Protagonist_innen immer mit ihren echten Namen, weil auch viele der Geschichten echt von diesen erlebte sind. Er ist Dichter, hat bei einem Event des Finanzadels ein Gedicht vorgetragen, wurde aber von den Medien total ignoriert. Doch er zitiert hier nicht einmal sein Gedicht, sondern trachtet sich wichtig zu machen durch Name-Dropping, welche Firmenchef_innen und Wirtschaftsgrößen bei dieser Veranstaltung anwesend gewesen wären. Lässt sich also selbst bzw. seine künstlerische Arbeit verschwinden.

Echt schlägt Film

Martin komplettiert das Schauspiel-Trio. Er erzählt allerdings über weite Strecken die Geschichte eines anderen. Und der kam von allen am höchsten. Eingeladen zu Dreharbeiten im Himalaya. Wo er allerdings davon lebte, am Rande dabei gewesen zu sein. Denn nicht einmal einen Satz durfte er im Film sagen. Aber dafür habe er ein echtes Erlebnis gehabt, indem er einem anderen Beteiligten mit einem Eisbeutel für die Wunde am Knie helfen habe können. Und das berührt ihn sichtlich, erlebbar. Als Kontrapunkt zum Verschwinden in den virtuellen Welten – auch der doch virtuellen des realen Zuspruchs vom Publikum. Von dem die eine oder der andere von Michaela durch Fingerschnipsen wieder ins reale Zuschauer_innen-Dasein geholt wird, wenn er oder sie gedanklich verschwindet.

Live-Musik und Gesang

Der erste auf der Bühne, durch sein Tun – am Synthesizer – zwar ständig präsent, aber doch in einer Art, dass er ebenfalls von Anfang an „verschwindet“, ist der „Tanz Baby!“-Mastermind Kristian. Mit wunderbarer Stimme, manchmal mit Ukulele, stets aber mit verrenkenden Tanzbewegungen – und doch sehr, sehr im Hintergrund: Sängerin Sonja. Fallweisse singen alle fünf Uralt-Hits – verschwinden in der Vergangenheit?!

Zurück zur Gegenwart – nicht nur, die immer aktualisierten Bezüge, auch grundsätzlich verhandeln die Schauspielerin und ihre Kollegen kurz auch das Thema Rechtsruck – und was der (Bühnen-)Kunst dann bleibe: Komödien machen. Und mit viel Lachen zum Denken anregen, nicht unbedingt immer nur in die virtuellen Welten abzutauchen bzw. vor allem die nicht für das Leben selbst halten.

Follow@kikuheinz

Was? Wer? Wann? Wo?

Immersion. Wir verschwinden von Martin Gruber und aktionstheater ensemble in Koproduktionen mit ARGEkultur Salzburg und Kooperation mit Werk X

Buch, Regie: Martin Gruber Text: aktionstheater ensemble, Martin Gruber und Claudia Tondl

Darsteller_innen: Michaela Bilgeri, Martin Hemmer, Andreas Jähnert sowie die Musiker_innen Sonja Romei, Kristian Musser echte Geschichten von einem Dreh am Everest beigesteuert: Eugen Fulterer dabei ohne anwesend zu sein: Susanne Brandt

Dramaturgie: Martin Ojster Live-Musik: Sonja Romei, Kristian Musser Bühne: Sebastian Spielvogel Regieassistenz: Robin Sarah Ströhle

Wann & wo?

10. bis 12. April; jeweils 20:00 Uhr

Werk X-Eldorado 1010 Wien, Petersplatz 1 Telefon: (01) 535 32 00 11http://werk-x.at

22./ 23. Jänner 2017 Freies Theater Innsbruck 6020 Innsbruck, Wilhelm-Greil-Straße 23 Telefon: 0664/1129285http://freiestheater.at

http://aktionstheater.at

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