Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek und Laura Schoch vom Bundesjugendverband wollen, dass mehr über Sex geredet wird

© /Daniela Davidovits

Aufklärung
10/21/2014

Sex überfordert Eltern und Lehrer

Junge Menschen wollen über Sex reden. Wie die Bundesjugendvertretung informieren will.

von Daniela Davidovits

Kindergartenpädagoginnen reden über Bienen und Blumen. Lehrer halten biologische Abhandlungen. Eltern genieren sich. Die Folge: Jugendliche stehen mit ihren Fragen über Sexualität alleine da. Mit einem provokanten Werbespot im Kino will die Bundesjugendvertretung (BJV) das Schweigen brechen und das Thema Sex und Verhütung ins Gespräch bringen.

„In der Schule wird das Thema nach einem 20 Jahre alten Erlass unterrichtet. Meist im Zusammenhang mit Religion und Biologie. Das ist nicht mehr zeitgemäß“, kritisiert BJV-Sprecherin Laura Schoch.

Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek gibt ebenfalls Reformbedarf zu: „Der Erlass gehört dringend überarbeitet. 1990 hatten die Jugendlichen noch kein Handy mit Zugang zu Pornos im Internet. Jetzt schon.“ Sie habe auch eine breite Studie in Auftrag gegeben, um das Thema Aufklärung zu überarbeiten. Darin werden auch Jugendliche, Pädagogen und Eltern eingebunden sowie Sexualpädagogen aus Beratungsstellen außerhalb der Schule. „Ab sofort stelle ich den Lehrern 100 neue Verhütungskoffer für den Unterricht gratis zu Verfügung. Da sehen die Jugendlichen die Vielfalt an Möglichkeiten.“

Reden über Verhütung statt über Sex

Wolfgang Kostenwein vom Institut für Sexualpädagogik kennt die Sprachlosigkeit der Erwachsenen: „Oft wird über Stellvertreter-Themen geredet. Über Verhütung statt über Sex, über Krankheiten statt über Beziehung. Aber niemand macht Sex wegen der Verhütung.“

Eltern müssten mit ihren Kindern in den ersten zehn Lebensjahren über Sexualität und den Körper sprechen: „Wenn Eltern glauben, jetzt steht das große Aufklärungsgespräch an, dann ist es ohnehin schon zu spät. Beim Thema Sex fangen Teenager an, sich von den Eltern abzugrenzen.

Die Eltern brauchen Hilfe, um mit ihren Kindern über Sex zu reden, bestätigt er: „Ihnen ist das selbst oft sehr unangenehm. Aber wenn die Kinder von den Erwachsenen keine guten Antworten bekommen, holen sie sich Informationen im Internet.“ Und dort finden sie heute Vorgaben, die ihre Eltern rot werden lassen würden.

Die Forderungen der BJV gehen daher weiter. Schoch: „Wir wollen Elternabende in den Schulen zum Thema Sexualität.“

Außerdem ist ihr Beratung der Jugendlichen ein wichtiges Anliegen: „In Wien ist das Beratungsangebot gut ausgebaut, aber die anderen Bundesländer sollen sich daran ein Beispiel nehmen. Wichtig ist, dass Jugendliche anonym und kostenlos Beratung und auch medizinische Unterstützung bekommen können.

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