Nach Schauspielerin Angelina Jolie wurde eine Spinne benannt.

© REUTERS/UMIT BEKTAS

Artenvielfalt
10/28/2014

Jolie-Spinne & Charles-Frosch

Warum Käfer und Spinnen Namen von Stars und Normalos bekommen.

von Martin Burger, Sandra Lumetsberger

John Lennon lebt. Er krabbelt durch das Amazonas-Gebiet in Brasilien – und ist eine Tarantel. Ein Forscherteam hat die neue entdeckte Art zu Ehren ihres Idols als Bumba lennoni bezeichneten, berichtet das Fachjournal ZooKeys. Die Benennung von neu entdeckten Tieren nach Society- und Popkultur-Größen boomt: Im August wurde eine Milbe nach Jennifer Lopez benannt. Neben ihr dienen auch Angelina Jolie und Neil Young als Namenspaten für Spinnen, Bill Gates für eine Mistbiene oder Prinz Charles für einen Frosch. Sogar Hitler kam zu Ehren: der blinde räuberische Laufkäfer Anophtalmus hitleri. Den Namen erhielt das daran schuldlose Tier, das in einer Höhle in Slowenien lebt, im Jahr 1937. Allerdings haben auch drei Staubpilzkäfer-Arten Prominenz erlangt: Agathidium bushi, A. cheneyi und A. rumsfeldi sind nach den drei US-amerikanische Politikern benannt.

Der Internationale Code für die Zoologische Nomenklatur lässt all das zu. Es gibt nur wenige strikte Regeln, aber viele Empfehlungen, die aber nicht bindend sind, sagt Manfred Jäch, Spezialist für Wasserkäfer am Naturhistorischen Museum Wien. Eine der Grundregeln: Der erste Name ist immer der Gattungsname – der "Nachname" eines Tieres. Der zweite Name, der "Vorname", ist der eigentliche Artname. Ansonsten ist der Kreativität der Taxonomen keine Grenzen gesetzt. Die Namen sollten aber passend, kompakt, wohlklingend, leicht zu merken und nicht anstößig sein. Wie der winzige Wasserkäfer Hydroscapha jaechi, eine von circa 100 Käferarten, die nach dem österreichischen Forscher benannt wurden. "Ich habe gelegentlich auch schon Arten nach verschiedenen Persönlichkeiten benannt, nach dem König von Nepal oder nach dem Everest-Erstbesteiger Edmund Hillary."

Was Menschen dazu sagen, wenn zum Beispiel eine Riesenkrabbenspinne nach ihnen benannt wird, weiß Peter Jäger. Der Leiter der Spinnenabteilung des Forschungsinstituts und Naturmuseums Senckenberg in Frankfurt bekam 2008 einen Anruf von David Bowies Managerin. "Ich habe sie vorher verständigt, dann wollte sie wissen, warum ich die Spinne nach Bowie benannt habe." Seine Begründung: Ihre markante Gesichtszeichnung hebt sich von ihrer leuchtend-gelben Grundfärbung ab. Sie erinnerte ihn an den kontrastreichen Musiker Bowie etwa als geschminkte Kunstfigur Ziggy Stardust. Zudem ist Jäger ein begeisterter Fan von Bowies Musik. Der Künstler selbst hatte letztlich keine Einwände und fand es cool, berichtet der Biologe.

Die Meldung der prominenten Spinne - Heteropoda davidbowie -ging um die Welt. Wer die Wort-Kombination "David Bowie Spinne" in Google sucht, bekommt 277.000 Ergebnisse. Jäger sieht darin auch die Chance, ein breites Publikum anzusprechen und es für den Natur- und Artenschutz zu begeistern: Wenn eine David-Bowie-Spinne, die in den Wäldern Südostasiens lebt, dort durch Rodung und Palmöl-Abbau bedroht ist, bekommt das mehr Aufmerksamkeit.

Weltweit gibt es 45.000 verschiedene Spinnen-Arten, zehn Prozent kennt man, rechnet Jäger vor. "Im Jahr werden etwa 500 Arten beschrieben." Dafür reist er auch nach Thailand und Myanmar. Sein größter Coup: Er beschrieb die Heteropoda maxima, eine Riesenkrabbenspinne aus Laos, deren Beinspannweite bis zu 30 Zentimeter beträgt – das ist Weltrekord.

Bestimmungs-Prozess

Die Benennung einer Art steht am Ende eines Prozesses, der mit der Entdeckung beginnt, zur wissenschaftlichen Beschreibung führt und mit der Wahl eines Namens abschließt. Bevor am Ende eine "David-Bowie-Spinne" herauskommt, müssen Untersuchungen beweisen, dass es sich um eine neue abgrenzbare Art handelt und nicht bloß um ein ungewöhnlich aussehendes Individuum einer bereits beschriebenen Spezies. Patenschaften für Tiere oder Pflanzen vermittelt der gemeinnützige Verein Biopat. Seit vielen Jahren vermittelt man hier gegen eine Spende von 2600 Euro Namen, unter anderem an Frösche oder Orchideen. Die Hälfte der Spenden geht an eine Forschungsinstiution, der Rest an Umweltschutzprojekte in dem Land, in dem die Art entdeckt wurde.

Wer sein Privat-Insekt möchte, wird auch im Naturhistorischen Museum fündig: Gegen eine Spende kann jeder einer neuen Käfer-Art einen Namen geben. Mit diesem Geld werden Forschungsreisen finanziert, die hoffentlich zu neuen Entdeckungen führen.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.