© Screenshot: Twitter

Erneut Kritik
09/26/2016

Italien: Rassismusvorwurf gegen Fruchtbarkeitskampagne

Die Opposition fordert den Rücktritt der Gesundheitsministerin.

Eine Initiative des römischen Gesundheitsministeriums zur Vorbeugung und Bekämpfung von Fruchtbarkeitsproblemen in Italien steht unter einem schlechten Stern. Auch die zweite Kampagne innerhalb von drei Wochen, die vom Gesundheitsministerium gestartet wurde, sorgte für heftige Kritik. Gesundheitsministerin Beatrice Lorenzin sieht sich mit Rücktrittsforderungen konfrontiert.

Wegen Werbefotos, mit denen künftige Eltern zu einem gesundem Lebensstil aufgerufen werden, wird dem Ministerium Rassismus vorgeworfen. Auf dem Bild sind bei den Personen, die einen korrekten Lebensstil befolgen, nur solche mit heller Haut zu sehen. Unter den Menschen, die rauchen und Drogen einnehmen, seien dagegen unter anderem Menschen mit farbige Haut abgebildet, so die Kritik.

Kritik zurückgewiesen

Lorenzin wies den Rassismusvorwurf zurück: "Es ist lächerlich, einem Ministerium, das sich für die öffentliche Gesundheit engagiert, Rassismus vorzuwerfen", sagte die Ministerin, die der konservativen Regierungspartei NCD angehört. Sie habe die Fotos für die Kampagne nicht persönlich gewählt, so Lorenzin. Die Kommunikationsexpertin des Ministeriums, die für die Medienkampagne verantwortlich sei, wurde ihres Amts enthoben.

Schon zum Auftakt vor drei Wochen hatte Lorenzins Kampagne heftige Diskussionen ausgelöst (der KURIER berichtete). Werbungen wurde geschaltet, mit denen junge Italiener animiert werden sollen, Kinder zur Welt zu bringen. "Junge Eltern, der beste Weg, kreativ zu sein!" oder "Beeile dich, warte nicht auf den Klapperstorch!" war auf einem Plakat zu lesen, mit dem junge Frauen aufgerufen werden, mit einer Schwangerschaft nicht zu lange zu warten. "Schönheit bleibt, Fruchtbarkeit nicht" wird im Rahmen der Kampagne auf die "biologische Uhr" der Frauen hingewiesen.

Premier kritisiert Kampagne als "schrecklich"

Lorenzin wittert eine politische Kampagne hinter den Attacken gegen sie. Ihr Ministerposten sei heiß begehrt, sagte sie. Sie lasse sich jedoch nicht von ihrem Ziel abbringen. "Wir wollen die Öffentlichkeit für das Problem der Unfruchtbarkeit sensibilisieren, das immer mehr Paare betrifft", sagte die Ministerin. 700.000 Menschen in Italien würden darunter leiden.

Lorenzins Kampagne stieß auf weiteren Protest. Frauen demonstrierten am Donnerstag mit Plakaten vor dem Gesundheitsministerium gegen die Ministerin und forderten ihren Rücktritt. "Wenn man uns unserer Zukunft beraubt, können wir keine Kinder zur Welt bringen", lautete ein Slogan. Die Demonstrantinnen beschuldigten die Regierung, keine effiziente Familienpolitik zu fördern. Auch die Oppositionsparteien forderten den Rücktritt der Ministerin.

Premier Matteo Renzi meinte, Lorenzins Posten sei nicht auf der Kippe. Er kritisierte jedoch die Werbekampagne als "schrecklich".

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