Heilpflanzen
06/17/2014

Im blühenden Garten der Apotheker

Im "Chelsea Physic Garden" wird man in ihre Bedeutung schon seit langer Zeit eingeführt.

Bei der "Chelsea Flower Show" Ende Mai findet jährlich der Wettstreit um Medaillen statt – im Rahmen einer Haute-Couture-Schau der Gartenzene. Schauplatz des Großspektakels ist das Gelände des "Royal Hospital", ein Alterssitz für Soldaten der "Royal Army". Nur wenige Gehminuten davon entfernt, im Swan Walk, erreicht man den "Chelsea Physic Garden" - eine grüne Idylle, eine Oase der Stille und einen Ort, an dem man allein schon beim Flanieren etwas lernen kann. Seit 341 Jahren ist man hier der Aufgabe, Heil-und Nutzpflanzen zu kultivieren, zu erforschen und zu präsentieren, kontinuierlich treu geblieben.

1673 legte die Gesellschaft der Londoner Apotheker am Ufer der Themse, wo damals schon Obst und Gemüse angebaut wurden, einen Arzneigarten an, in dem ihre Lehrlinge die Aufzucht und den Gebrauch von Arzneipflanzen kennenlernen konnten. Einen Übungsgarten sozusagen. Während man zur Zeit der Gründung unter dem Begriff "physic" die Natur im Allgemeinen verstand, erklärt der "New Oxford English Dictionary" diesen Begriff heute mit "Arzneimittel" oder "der Art des Heilens". In dem durch die Südausrichtung milden Mikroklima können viele empfindliche Arten kultiviert werden, darunter auch der größte im Freien stehende Olivenbaum Großbritanniens.

Ein Mann mit Weitblick

Der Arzt Hans Sloane, an den ein Denkmal im Zentrum des Gartens erinnert, hat die Geschicke des "Physic Garden" entscheidend gelenkt. Sein Name lebt auch in Straßennamen, wie dem berühmten "Sloane Square", im Stadtteil Chelsea weiter. Sloane, der in seiner Jugend selbst in diesem Garten gelernt hatte und das Grundstück, auf dem sich der "Physic Garden" befand, später kaufte, unterschrieb 1722 einen legendären Vertrag. Unter der Bedingung, dass das Gelände für alle Zeiten als Arzneigarten erhalten bleibe, verpachtete er es der Apothekergesellschaft zum Symbolwert von jährlich 5 Pfund. Diese Summe wird heute noch an seine Erben gezahlt.

Medizin, die wächst

Heute wird der "Chelsea Physic Garden", der älteste Botanische Garen Londons, unter der Schirmherrschaft des Prinzen of Wales als gemeinnütziger Verein geführt. Erst seit 1983 ist er für die Öffentlichkeit zugänglich. In diesem Frühjahr hat man – unter Einbindung der alten Heilpflanzensammlung – auf einem 3000 m² großen Areal das Thema "Medicinal Plants" völlig neu inszeniert. In verschiedenen "Gartenzimmern" werden die Besucher in die Welt der Pflanzenmedizin eingeführt. Etliche sind der Ethnobotanik gewidmet – mit Heilpflanzen aus allen Teilen des Globus, eines zeigt die traditionellen britischen, ein anderes die Pflanzen des Griechen Dioskurides und demgegenüber den Einsatz von Pflanzenmaterial in den Labors der modernen Pharmaindustrie.

Darüber hinaus entsteht in Zusammenarbeit mit Spezialisten der Kräuterkunde und anderer botanischen Gärten eine Datensammlung zu allen Naturheilmitteln, die jemals in Großbritannien genutzt wurden. Im "Garden of Medicinal Plants" ist die rote Box nicht zu übersehen, die Besucher zur Mitarbeit auffordert: "Wenn Sie ein längst vergessenes Mittel kennen", erläutert eine Aufschrift, "so werfen Sie einen Zettel ein." Denn die Sammlung soll lebendig bleiben, zurückblickend in die Vergangenheit und vorausschauend in die Zukunft. Abschließend sollte man unter all den botanischen Angeboten keinesfalls einen Besuch im "Tangerine Dream Café" versäumen. Es offeriert hausgemachte Speisen am Buffet, von dem man sich unter den Fotos der Royals bedient.

www.chelseaphysicgarden.co.uk

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