Leben
26.11.2018

"Giving Tuesday": Spenden sammeln statt Schnäppchen jagen

Als Antwort auf den Shopping-Marathon der vergangenen Tage steht der heutige Dienstag im Zeichen des Gebens – auch in den sozialen Medien.

Prügeleien um Schnäppchenwaren, Massenpanik vor den Geschäften, Umsätze in Rekordhöhe: Der „Black Friday“ sorgte auch dieses Jahr wieder für kollektiven Konsumwahnsinn. Günstige Angebote sollen am Tag nach Thanksgiving zum Einkaufen verführen und das Vorweihnachtsgeschäft in Schwung bringen; am darauffolgenden „Cyber Monday“ (der gestern stattgefunden hat) sind dann die Online-Shops an der Reihe.

Der Handel jubelt, doch je weiter sich die beiden ursprünglich amerikanischen Aktionstage verbreiten, desto lauter wird die Kritik: Die ständigen Aufforderungen zur Schnäppchenjagd stünden im krassen Gegensatz zum vorweihnachtlichen Gedanken der Besinnung und Nächstenliebe. Genau dazu möchte der heutige „Giving Tuesday“ animieren: 2012 als Gegenbewegung zum „Black Friday“ von einer amerikanischen Organisation ins Leben gerufen, findet er nun auch in Europa immer mehr Beachtung. Motto: „give back“, also zurückgeben, wovon man selber genug hat und Solidarität mit jenen zeigen, die Unterstützung brauchen.

Das Gute im Internet

Seit sechs Jahren findet der Aktionstag am Dienstag nach Thanksgiving statt. „Im Gegensatz zu Black Friday und Cyber Monday, die den Start des Weihnachtsgeschäfts einläuten, steht beim Giving Tuesday das Geben im Vordergrund. An diesem Tag dreht sich alles darum, zu geben, Gutes zu tun und anderen eine Freude zu bereiten“, erklärt Peter Steinmayer vom Fundraising Verband Austria. Bis dato beteiligten sich in Österreich wenige Organisationen an der globalen Bewegung – das ist heuer anders (siehe unten).

Die Spendenbereitschaft der Österreicher wächst vor allem in den sozialen Medien: Auf Facebook kann man seit einem Jahr eigene Spendenaktionen starten und seine Freunde einladen, mitzumachen. "Wenn etablierte bekannte Organisationen über Facebook Spenden sammeln, spricht nichts dagegen, diese über diesen Weg zu unterstützen. Ebenso gilt das, wenn kleinere Initiativen aus dem persönlichen Bekanntenkreis Spenden sammeln", sagt Steinmayer. Ein Garant für korrekte Verwendung von Spenden ist das Spendengütesiegel. Zwar sei das über Online-Kanäle gespendete Volumen noch auf einem niedrigen Niveau, aber: „Dies wird sich in den nächsten Jahren ändern, wenn Online-affine Menschen in das Spendenalter kommen.“

Auf die Millennials setzt man auch bei der digitalen Plattform „GoFundMe“, die seit September in Österreich verfügbar ist. Mit wenigen Klicks kann hier jeder eine Spendenaktion – einen Fundraiser – starten und über die sozialen Medien verbreiten. „Wir sehen, dass es immer mehr Leute nutzen. Es ist ein guter Einstieg in das Spenden“, sagt Jeannette Gusko, Managerin für den deutschsprachigen Raum. „Vor zehn Jahren hatten wir die Revolution der sozialen Medien, dass dort Informationen getauscht werden. Jetzt kommt der nächste Schritt: Man drückt mit Spenden seine Identität aus, ist Teil einer Gruppe und motiviert andere, mitzumachen.“

Es ist nicht nur die Niederschwelligkeit der sozialen Netzwerke, die den Jungen entgegenkommt. Auch Persönliche  Geschichten, die viral gehen und stellvertretend für gesellschaftliche Entwicklungen stehen, würden die Generation Smartphone zum Geben animieren. Für Jeannette Gusko ist das ein „Empathiebeweis“: „Das lässt uns wieder an das Gute im Internet glauben.“

Tag des Gebens: Heimische Firmen bitten um Spenden

50 Länder beteiligen sich bereits am „Giving Tuesday“ – auch in Österreich machen immer mehr  Organisationen mit und bitten anlässlich des US-Aktionstages um Spendengelder.

Das SOS-Kinderdorf greift die Idee auf und bittet alle Österreicher, die Arbeit für benachteiligte Kinder mit einer Spende zu unterstützen. Die ersten 5000 Euro werden von Paysafe:cash verdoppelt, der gesamte Erlös aller Spenden am „Giving Tuesday“ wird für den Bau eines neuen Zuhauses für Kinder im SOS-Kinderdorf Seekirchen (Salzburg) verwendet. www.sos-kinderdorf.at/giving-tuesday

Die Tierschutzorganisation Vier Pfoten hat anlässlich des Tag des Gebens ebenfalls einen Spendenaufruf gestartet: www.vier-pfoten.at

Die Drogeriemarktkette dm hat bereits vergangene Woche ein Zeichen gesetzt und den Black Friday zum „Giving Friday“ umfunktioniert: Statt mit Rabatten zu locken, werden 5 Prozent des Tagesumsatzes an  20 gemeinnützige Einrichtungen für Kinder und Jugendliche in Österreich gespendet – zusammengekommen ist eine Summe von 135.000 Euro.