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Leben Gesellschaft

Sie hat ukrainische Märchen ins Deutsche übersetzt

Eine 20-jährige Medizinstudentin möchte mit ihrem Buch-Projekt Geflüchteten aus der Ukraine helfen.

von Uwe Mauch

10/30/2022, 05:48 PM

Sie interessiert sich schon seit Längerem für die ukrainische und die russische Kultur, und sie hat auch Russisch gelernt. Als dann am 24. Februar 2022 Wladimir Putin die Ukraine angegriffen hat, hat sich Magdalena Auracher-Volopich unter dem Eindruck der aktuellen Ereignisse auch für Geflüchtete ehrenamtlich engagiert, unter anderem auch als Dolmetscherin auf dem Wiener Hauptbahnhof sowie in einem Aufnahmezentrum.

Die Ukraine näherbringen

Zuletzt hat die 20-jährige Niederösterreicherin, die in Graz Medizin studiert, das Manuskript für ein kleines Buch erstellt. Es enthält von ihr gesammelte und ins Deutsche übersetzte ukrainische Märchen.

„Zum einen möchte ich damit unseren Kindern die Kultur der Ukraine näherbringen" erklärt Magdalena Auracher-Volopich ihre Initiative. "Aber auch für Erwachsene, die sich für Märchen und Legenden aus verschiedenen Ländern interessieren, könnte mein Buch lesenswert sein.“

Der Reinerlös des Buchverkaufs sollte ausschließlich für karitative Zwecke an Geflüchtete aus der Ukraine gespendet werden. Auracher-Volopich: "Gerade jetzt, wo sich der Krieg immer mehr zuspitzt und der Winter vor der Türe steht, ist jede Hilfe wichtig.“ Derzeit sucht die Studentin allerdings noch nach Sponsoren, die den Druck und die Herausgabe des Buchs finanziell unterstützen wollen.

Dem KURIER und seiner Leserschaft stellt die Studentin vorab die Übersetzung des Märchens „Wie der Großvater zur Schule ging“ zur Verfügung.

 

Wie der Großvater zur Schule ging

Ein ukrainisches Märchen, von Magdalena Auracher-Volopich ins Deutsche übersetzt.

Es war einmal ein armer Großvater. Eines Tages machte er sich auf zur Ortsverwaltung. Er traf dort auf einen Lehrer, der eine Zigarre zwischen den Zähnen hielt. Der Großvater sagte zu dem Lehrer: „Raucht nur! Raucht alles!“

„Wollt Ihr vielleicht auch rauchen, Großväterchen?“ fragte ihn da der Lehrer und hielt ihm eine Zigarre hin. Nachdem er fertig geraucht hatte, erkundigte sich der Großvater beim Lehrer: „Sagt doch mal, Herr Lehrer, wie kommt es, dass Ihr so teure Zigarren rauchen könnt, während ich mir nicht einmal einfachen Tabak leisten kann?“ „Das kommt daher, dass ich in einer Schule gelernt habe“ erklärte da der Lehrer.

Da ging der Großvater weiter und dachte bei sich: „Ab dem morgigen Tag werde auch ich zur Schule gehen.“ Und tatsächlich machte er sich am nächsten Morgen auf zur Schule. Der Lehrer fragte ihn: „Was habt Ihr hier zu suchen, Großväterchen?“ „Nun, ich habe beschlossen, ebenfalls in der Schule zu lernen.“ Da seufzte der Lehrer: „Ach Großväterchen, da seid Ihr aber ein bisschen zu spät dran.“ „Nun, dann habt noch einen schönen Tag…“

Am folgenden Tag stand der Großvater früher auf und ging erneut zur Schule. Wiederum fragte ihn der Lehrer: „Was habt Ihr hier zu suchen, Großväterchen?“ Der Großvater antwortete: „Nun, heute bin ich früher zur Schule gekommen, da Ihr mir ja gestern gesagt habt, dass ich ein bisschen zu spät dran sei.“ Da lachte der Lehrer und sagte: „Das habe ich so aber nicht gemeint, Großväterchen! Ich sprach, dass Ihr ein wenig zu spät dran wäret, da Ihr bereits sehr alt seid!“ „Nun, das ist wohl wahr“ gab der Großvater zu.

Der Großvater kehrte also wohl oder übel nach Hause zurück. Am Heimweg fand er eine Tasche. Er öffnete sie und erkannte, dass diese voll mit Geld gefüllt war. Nun konnten er und die Großmutter in Saus und Braus leben. Eines Tages aber brach unter den beiden ein Streit aus. Der Großvater hatte die Großmutter versehentlich am Hinterkopf gestoßen, und diese beschuldigte daraufhin ihren Mann, dass dieser eine Tasche mit fremdem Geld gestohlen hatte.

Der Großvater wurde von der Polizei abgeführt, verhört und geschlagen. Es wurde auch ein Gutsherr ausfindig gemacht, der der Besitzer des Geldes war. So wurde der Großvater also vor Gericht gestellt. Der Richter fragte ihn: „Hast du das Geld gefunden, Großväterchen?“ „Ja, ich habe es gefunden“ gab dieser zu. „Und wann hast du es gefunden?“ „Als ich zur Schule gegangen bin“ antwortete der Großvater.

Da schaute sich der Richter den Angeklagten genau an, er war bereits ein Greis, vielleicht siebzig Jahre alt. Der Gutsbesitzer aber war noch sehr jung. Da sprach der Richter: „Nein, das Geld kann unmöglich diesem Gutsbesitzer gehören.“ Und so ließ man dem Großvater das Geld.

 

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