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Leben Gesellschaft
11/17/2021

Rezepte gegen die Angst in der Coronazeit

Traditionelle Chinesische Medizin und westliche Methoden ergänzen einander bei der Bewältigung des lähmenden Gefühls.

von Ingrid Teufl

Mit den steigenden Infektionszahlen wächst die Sorge um eine Ansteckung. Das zeigte die regelmäßig durchgeführte Erhebung des deutschen Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR). „Derzeit stufen zwei Drittel der Befragten diese Wahrscheinlichkeit als hoch oder sehr hoch ein“, heißt es im Corona-Monitor aus der Vorwoche (1.000 Befragte).

„Am schlimmsten ist es, sich der Angst ausgeliefert zu fühlen“, weiß der Mediziner, Notarzt und Psychologe Georg Weidinger. Die Corona-Pandemie verstärkte bei vielen Menschen dieses Gefühl. „Wichtig wäre jetzt, dass man sich nicht auf die Angst vor einer Erkrankung konzentriert, sondern auch lernt, sich selbst zu vertrauen.“

Anders ausgedrückt: Zu wissen, dass man selbst etwas tun kann, ist ein wichtiger Faktor in der Bewältigung einer Krise. Das sei wie ein Perspektivenwechsel, der einen Ausweg bietet.

Sprache des Körpers

Dabei helfen könne ein Blick auf die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM). Weidinger hat sich auf diese Jahrtausende alte Methode spezialisiert. Symptome sieht er „fast immer“ als eine Rechnung, die aus dem bisherigen Leben resultiert. Er wolle diese Sprache des Körpers dem Patienten übersetzen. Das heißt aber auch: „Dann müssen wir das ändern, zum Beispiel unsere Einstellung zu einem Thema.“

Weidinger beschreibt das mit einer Pyramide, an deren Basis sich die Lebensführung befindet. In der TCM hat sie wesentliche Bedeutung. Erst weiter oben in der Pyramide finden sich westliche Methoden wie Psychotherapie und Medikamente. „Man sollte sich nicht nur auf ein Medikament verlassen. Man muss auch beginnen, selbst etwas zu tun“, erklärt er. Östliche und westliche Medizin ergänzen sich dabei gegenseitig. Vor allem der Art, wie wir täglich leben, wird viel Raum eingeräumt.

„Es ist zum Beispiel ganz wichtig, den Alltag gut zu strukturieren. Durch die Hintertür einfacher Aufgaben, die aber konsequent ausgeführt werden sollen, versuche ich, die Menschen wieder zu einem normalen Leben zu bringen.“

Einfache Dinge

Es sind auch bei Weidinger einfache, zum Teil banale Dinge, die dabei helfen, wieder ins Lot zu kommen: Dreimal am Tag essen, bewusst atmen, sanfte Bewegung. Mit einem Wort: Sich um seinen Körper kümmern. „Wenn jemand dann nach einiger Zeit merkt, dass es ihm besser geht, wenn man sich gut ernährt, dadurch besser schläft und insgesamt ausgeglichener wird, ist das oft ein Aha-Erlebnis für meine Patienten.“

Erst wenn sich tatsächlich kein Erfolg einstellen sollte, geht er einen Schritt weiter in seiner Behandlungspyramide. Psychotherapie sei nicht immer ideal für einen Behandlungsstart. „Manche Patienten sind so erschöpft, wenn sie in meine Praxis kommen, dass sie sich noch nicht ihren Ängsten widmen können. Da beginnen wir zuerst mit Kräftigung.“

Angst-Patienten klagen oft über zermürbende Schlafstörungen – auch hier müsse man ansetzen, betont Weidinger. Speziell ausgewählte, chinesische oder auch westliche Kräuter liefern Unterstützung. „Aber das Wichtigste ist Schlafhygiene.“ Das Smartphone sollte sowieso beiseitegelegt werden. „Besser ein Puzzle legen.“

Als wichtigen Baustein für die Angstbewältigung nennt Weidinger Yoga. Um die Bewegungs- und Atemtechniken effizient zu nutzen, brauche man keine komplizierten Figuren oder schweißtreibenden Abläufe zu erlernen. „Sie brauchen nur ein paar einfache Übungen, die Ihnen guttun.“ Allerdings: Sie täglich auszuführen, ist wesentlich. Der Grund dafür ist, dass Yoga eine zusätzliche Struktur in den Tag bringt.

Und: Dass man sich auf den Moment fokussiert. Dafür reicht es mitunter, einfach bewusst zu atmen. „Auch Ausatmen ist bereits Yoga.“

1. Warm frühstücken und warm trinken.

2. Gut kauen und das Essen genießen.

3. Täglich heimisches Obst.

4. „Gute“ Kohlenhydrate wie Hirse, Hafer, Dinkel, Wildreis verwenden.

5. Vor allem pflanzliches Eiweiß konsumieren.

6. Omega-3-Fettsäuren (z. B. Leinöl) in den Speiseplan einbauen.

7. Fertigprodukte meiden.

8 . Nie überessen.

Atemübung: Eine Hand auf den Brustkorb, die andere auf den Bauch legen. In Ruhe ein- und ausatmen und den Atem beobachten: Darauf achten, dass sich beim Einatmen nur die Hand am Bauch hebt und beim Ausatmen nur die Hand am Bauch senkt.

Zum Nachlesen: „Frei von Angst durch die Heilung der Mitte“ von Georg Weidinger, Kneipp Verlag Wien, 23 Euro.

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