Leben
03.05.2018

Faule Kinder zum Sport motivieren

Bewegungsmangel: Weg vom Handy - mit kreativen Ideen sollen Kinder aktiver werden.

Dass dieser Tage viele Kinder mit Trainingsanzug und Sportschuhen in die Schule gehen, hat nicht mit einem Modetrend zu tun, sondern mit einer Großveranstaltung, die Kinder zum Sport motivieren soll: „Bei Athletics Light kommen rund 20.000 Volksschüler mit ihren Klassen ins Praterstadion und probieren Sportarten wie Hindernislauf und Weitsprung aus“, erklärt Organisator Martin Szlama. Das Projekt begann vor 19 Jahren als kleine Initiative in der Leopoldstadt und ist heute wichtiger denn je: „Wir bemerken, dass die sportlichen Leistungen der Kinder insgesamt schwächer werden. Auch bei den Aufnahmeprüfungen für die Sportmittelschulen sehen wir, dass die sportmotorische Testungen weniger gut ausfallen“, weiß der Mathe- und Sportlehrer.

Die Beobachtungen lassen sich belegen: In der Gesundheitsstatistik der OECD liegen Österreichs Jugendliche an 27. Stelle von 30. Als „besorgniserregend“ bezeichnete Alexander Herzog von der SVA (Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft) kürzlich die Situation. Besonders Burschen zwischen elf und 15 Jahren werden immer häufiger fettleibig.

Förderungen für Ideen

Dieser beunruhigende Trend führte zu der Initiative „motion4kids“, erläutert Initiator Philip Newald einen neuen Zugang: „Wir wollen die Kinder dort erreichen, wo ihre Interessen liegen, und deshalb verteufeln wir das Handy nicht, sondern nutzen es. Wir haben einen Fördertopf für Projekte, bei denen Kinder aus der digitalen Welt in die reale Welt geholt werden.“ Ein Beispiel: „Wenn beliebte Vorbilder wie eSportler und YouTuber den Kindern im Internet zeigen, wie sie selbst Sport machen und wie das bei ihnen wirkt“, so der dreifache Vater. „Ich sehe zu Hause, was Kinder in dem Alter interessiert – und das hat oft mit dem Internet zu tun.“

Er schätzt die derzeitigen Initiativen, aber es braucht „neue kreative Ansätze. Es gibt viele Ideen aus der Gamer- und aus der Gründerszene, die etwas bewegen könnten. So etwas wollen wir unterstützen.“ Daher gefällt ihm etwa das Projekt einer Wiener Mittelschule, bei dem die Schüler gemeinsam mit einem Unternehmen eine App über gesunde Ernährung ( der KURIER berichtete) erstellten: „So etwas wäre ideal. Wenn sich Schulen dem Thema auf eine zeitgemäße Art widmen. Das wollen wir gerne fördern. Aber es braucht auch die kreative Kraft von außen.“

Szlama sieht den Bewegungsmangel als gesellschaftliches Problem: „Früher waren Kinder nach der Schule oft am Spielplatz oder im Sportverein. Jetzt sind viele in der schulischen Ganztagsbetreuung, und für Bewegung ist zu wenig Zeit. Das Thema Sport bleibt an der Schule hängen.“

Gleichzeitig geht die Schere zwischen Leistungs- und Breitensport schon bei zehnjährigen Kindern auf: „Die einen lernen gar keine Sportart mehr ordentlich und die anderen stehen in Sportvereinen schon früh unter enormem Druck. Und dazwischen gibt es zu wenig.“

100.000 Euro für Sportbegeisterung

Bis 31. Juli  können Organisationen ihre Projekte bei motion4kids.org einreichen, die Kindern Freude an Bewegung vermitteln sollen und dafür die Neuen Medien nutzen wollen. Zielgruppe sind Kinder zwischen drei und zehn Jahren. Ziel: Bis zum Jahr 2030 sollen mehr als 50 Prozent aller Kinder zumindest eine Stunde Bewegung pro Tag machen.