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Kurios
02/09/2016

Fasching: Sieben Dinge, die Sie noch nicht wussten

Redoute, Flurläufe und die Zahl elf: Überraschende Faschings-Fakten.

von Ingrid Teufl

Ab dem Aschermittwoch ist wieder Ernsthaftigkeit angesagt – und am heutigen Faschingsdienstag die letzte Gelegenheit, in eine andere Haut zu schlüpfen. Auf Umzügen und Bällen dürften sich in dieser Saison viele Star-Wars-Krieger und Leonardo-DiCaprio-Lookalikes aus „The Revenant“ getroffen haben. „Erfolgreiche Kinofilme geben immer ein bisschen den Trend vor“, sagt Peter Lambert vom Wiener Traditions-Kostümverleih „Lambert Hofer“.

Egal, ob Märchenfigur oder Superhelden: Verkleidungen sagen immer etwas über den Menschen dahinter aus. „Man verkleidet sich als eine Figur, die man gerne wäre“, sagt Brauchtumsforscher Günther Jontes, emeritierter Ethnologie-Professor an der Uni Graz. „Wer sein Gesicht verhüllt, schlüpft damit in eine andere Identität.“ Das war schon bei den Römern so, wenn die Sklaven einen Tag lang Herr spielen durften. Warum das so ist, beschäftigt neben Ethnologen auch Historiker, Soziologen und sogar Psychologen. Einfach zu beantworten ist die Frage allerdings nicht. Jantes: „Es steckt offenbar im Menschen, die Welt zu gewissen Zeiten auf den Kopf zu stellen.“

1. Der Name "Fasching" weist auf die Fastenzeit hin

Das Wort „Fasching“ dürfte auf das mittelalterliche Wort Vaschtang (oder Vaschanc) zurückgehen. „Es bezeichnet die damals übliche Fastenschank, bei der das letzte Mal vor der Fastenzeit Alkohol ausgeschenkt wurde“, erklärt Günther Jontes. Anders Karneval: „Es kommt vom lateinischen carnis levanem, der Aufhebung des Fleischkonsums.“ Auf das ausgiebige Feiern am Faschingsdienstag weist sein Name als „fetter Dienstag“ hin, etwa mardi gras (frz.) oder martedi grasso (ital.). Dessen Datum wird allerdings vom Ostertermin bestimmt, dem 40 Fastentage vorausgehen.

2. Die Narren haben eine eigene Zahl

Sie steht zwischen den wichtigen christlichen Zahlen zehn (zehn Gebote) und zwölf (zwölf Apostel) – und kennzeichnete im Mittelalter jene, die außerhalb der (Sitten-)Gesetze standen. Kein Wunder, dass die Zahl elf auch zur „Narrenzahl“ wurde. In der Symbolik von Faschingsgilden spielt daher diese Primzahl (nur durch eins und sich selbst teilbar) eine große Rolle. Der 11. 11., 11.11 Uhr ist übrigens gar nicht der Beginn des Faschings, klärt das oberösterreichische Forum Volkskultur auf. Zum Martinsfest werden die Narren lediglich „geweckt“ und bereiten sich ab nun auf die Faschingszeit vor.

3. Straßenfest oder Faschingssitzung?

Gefeiert wird regional recht unterschiedlich, schreibt Helga Maria Wolf in „Österreichische Feste & Bräuche im Jahreskreis“: „Seit dem Mittelalter gingen die Bewohner französischer, italienischer, deutscher und österreichischer Städte an den ‚fetten‘ Tagen auf die Straße feiern.“ Das Rheinland ist dagegen für Karnevalssitzungen bekannt. Sie entstanden in der Zeit der Franzosenkriege, „als Verspottung der Besatzungsmacht“, erklärt Günther Jontes. Dieser Sitzungskarneval mit Büttenreden usw. hielt seit Ende der 1950er-Jahre auch bei uns Einzug – siehe etwa den Villacher Fasching.

4. Verkleidungsvorschriften per Gesetz

Im Fasching war einst alles erlaubt, was sonst verboten war – so lange, bis den Behörden derbe Späße und freizügiges Narrentreiben zu bunt wurden. Schon aus dem 13. Jahrhundert sind Reglementierungen bekannt, in Kriegszeiten wurden Umzüge überhaupt verboten. Besonders streng reglementierte die barocke Monarchin Maria Theresia ihre Untertanen. Vorschriften untersagten etwa das Tragen von „Larven“ im Freien und um Mitternacht war die Demaskierung vorgeschrieben. Davon blieb laut Günther Jontes übrigens das geflügelte Wort „sein wahres Gesicht zeigen“.

5. So entstand der "Saalfasching"

Nachdem das Feiern auf der Straße zunehmend mit behördlichen Auflagen und Verboten belegt wurde, zog sich die städtische Gesellschaft mehr und mehr in geschlossene Räume zurück. Gefeiert wurde im 18. Jahrhundert in Sälen, noblen Palais, aber auch in Wirtshäusern der Vorstadt. Daraus entstand der typische österreichische „Saalfasching“ mit seinen Tanzveranstaltungen und Maskenbällen – oft in Form von Redouten. Als nobelste galt die „Redoute in der Hofburg“. Heute erinnern die Redoutensäle in der Hofburg daran. Jontes: „Die Hofburg war früher das Quartier für diese Bälle.“

6. In ländlichen Regionen haben sich ursprüngliche Traditionen erhalten

„In ländlichen Regionen haben Umzüge einen anderen Charakter als in Städten“, sagt Faschingsexperte Jontes. Viele Faschingsumzüge gehen auf uralte Flurläufe zurück. Ein Beispiel, das sich bis heute erhalten hat, ist das Faschingsrennen in Ortschaften des Bezirks Murau. Dort verkleiden sich Bauernburschen mit Kopftüchern und besuchen laufend alle Bauernhöfe. „Das bringt Glück und ist bis heute urtümlich geblieben.“ In vielen Orten wird der Fasching in Form einer Strohpuppe verbrannt. Andernorts wird er begraben oder ins Wasser geworfen.

7. Wie in anderen Ländern gefeiert wird

Der Karneval von Venedig mit seinen ausgefallenen Masken oder jener in Rio de Janeiro mit heißen Samba-Rhythmen sind rund um den Globus bekannt. Mancherorts gibt es überraschende Bräuche. In Guadeloupe in der Karibik gilt etwa der Aschermittwoch als letzter Feier-Tag. Weiße und schwarze Teufel bevölkern dann die Straßen. In Kanada lässt man sich die Stimmung von Minusgraden nicht verderben, man baut Eisskulpturen. Und in Dänemark werden schwarze Katzen aus der Stadt gejagt – der traditionelle Karnevalsumzug findet in Kopenhagen erst zu Pfingsten statt.
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