Schlemmen oder fasten: Was bei Päpsten auf den Tisch kam
Ein neues Buck deckt auf, was Päpste speisten. "Der Duft von Weihrauch, der Duft von Braten" erzählt, wer völlerte oder fastete.
Papst Leo XIII. ging aufgrund seines Engagement für die unter miserablen Bedingungen lebende Arbeiterschaft als "Sozialpapst" in die Geschichte ein. Doch auch Päpste sind Menschen - und müssen wie alle essen und trinken. Was der Pontifex, zwischen 1878 und 1903 im Amt, gern speiste, war bisher nicht im allgemeinen Interesse. Dass seine Mahlzeiten größtenteils recht bescheiden ausfielen, ist allerdings in den Vatikanarchiven für die Ewigkeit festgehalten. Ebenso, dass er Ziegenmilch und Schokoladenkringel zum Frühstück speiste. Das könnte man ebenso als seinen kleinen Luxus interpretieren, wie dass sein Lieblingswein Bordeaux bei Tisch nicht fehlen durfte.
Es sind kulinarische Geschichten wie diese, die die italienischen Autoren Mariangela Cianti Rinaldi und Lavinia Rinaldi in ihrem neuen Buch "Der Duft von Weihrauch, der Duft von Braten" ausgegraben haben, berichtet kathpress. Sie porträtieren zwölf mehr oder weniger genussfreudige Päpste, wie die Tageszeitung "La Repubblica" am Dienstag schrieb.
Nicht alle waren demzufolge bei Tisch so zurückhaltend. Papst Bonifatius VIII. (1294-1303), den Papst des ersten Heiligen Jahres 1300, der Pastete, Fasan in Traubensaft und Lamm, dazu frisches Gemüse und Obst vom Lande schätzte. Gespeist wurde mit Besteck aus Gold, Tischdecken aus Seide aus Lucca oder Pariser Leinen.
Leo XIII. bevorzugte leichte Kost
Leo XIII. dagegen, in dessen Tradition sich der heutige Papst Leo XIV. durch seine Namenswahl ausdrücklich stellt, liebte bei Tisch keine Ausschweifungen, sondern bevorzugte vielmehr "eine strenge Diät": mittags ein wenig Fleisch, ein Schnitzel oder einen Hühnerflügel und Gemüse, abends Reste, vielleicht kalt. Zu großen Anlässen kamen bei ihm aber auch anspruchsvollere Menüs mit gebratenen Vögelchen am Spieß oder Seezungen mit Mandeln sowie Schoko-Desserts auf den Tisch des Hauses.
Der gebürtige Franzose Clemens VI. (1342-1352) schätzte Hühnercreme à la Avignon, Rebhuhn-Suppe und Kastanien sowie gegrillte Schweinelende samt einem Dessert aus Orangenschalen in Honig, begossen mit einem Glas Châteauneuf-du-Pape. Martin V. (1417-1431) stand auf gefüllte Täubchen mit Weißwein aus Orvieto.
Schlichte Polenta für den Konzilspapst
Der letzte im Buch beschriebene Papst, Johannes XXIII. (1958-1963), ist auch der bescheidenste im Reigen: Der Papst des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) liebte eine schlichte Polenta aus seiner norditalienischen Heimat Bergamo.
Mariangela Cianti Rinaldi, Historikerin und Expertin für kulinarische Kultur, und Lavinia Rinaldi von der Kulturstiftung Palazzo Strozzi ergänzen ihre Berichte über die Päpste mit Beschreibungen der kulinarischen Traditionen ihrer jeweiligen Zeit. Obwohl Völlerei im katholischen Katechismus zu den sieben Todsünden wie Hochmut, Neid, Zorn, Trägheit, Habgier und Wollust, gehört - gutes oder teils ausschweifendes Essen sei eine der am ehesten tolerierten "Laster" der Päpste, so die These der Autorinnen.
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