Warum Frizzante nicht immer schlecht sein muss
Frizzante gilt gemeinhin als seichter Sprudelspaß. Dabei ist Perlwein mitunter besser als sein Ruf. Diese Flaschen müssen Sie probieren.
Neulich passiert: Gäste bestellen in einem Lokal Prosecco, der nicht so schmeckt wie erwünscht. Schließlich stellt sich heraus, dass es sich um Frizzante handelt. Der Ärger ist groß. Freilich ist es unredlich, etwas anderes zu servieren als bestellt wurde. Aber wie immer erweist sich die Sache als kompliziert: Prosecco ist nämlich meist Frizzante, also Perlwein.
Die Bezeichnung Frizzante verwendet man genau genommen für halbschäumende Weine mit einem Kohlensäuredruck von 1 bis 2,5 Bar – im Unterschied dazu müssen Schaumweine einen Druck von über 3 Bar aufweisen. Sprich, im Perlwein sind weniger Bläschen als im Schaumwein. Frizzante ist also bloß eine Zuordnung und sagt nichts über die Qualität aus. Das Angebot rangiert von billiger Industrieware bis zu handwerklich produzierten erstklassigen Perlweinen.
Was schäumt denn da? In vielen Ländern ist Perlwein günstiger, da er nicht unter die Schaumweinsteuer fällt. Champagner, Crémant, Sekt, Spumante oder Cava hingegen gehören in die Kategorie Schaumwein und sind somit steuerpflichtig.
Hochwertiger Frizzante? Das macht den Unterschied
Nicht die Kategorie, sondern vielmehr die Art, wie die Bläschen in den Wein kommen, macht den qualitativen Unterschied. Hochwertiger Sprudel, egal, ob Perl- oder Schaumwein, wird in der Flasche vergoren. Dabei wird nach der sogenannten „methode traditionelle“ gearbeitet – sprich, die zweite Gärung findet durch Zugabe von Zucker und Hefe in der Flasche statt. Bei einigen Perlweinen findet sogar nur eine Gärung statt, wie etwa bei Pet Nats: Dabei wird der noch gärende Wein in die Flasche gefüllt, wo er die Gärung ohne jegliche Zugaben vollendet und so ein zartes Mousseux entsteht. Es ist eine uralte Methode, die auch „Ancestrale“ genannt wird.
Prosecco hingegen ist seit 2010 die Bezeichnung für Perlwein oder Schaumwein, selten auch Stillwein aus einem klar abgegrenzten Gebiet im Veneto und Friaul-Julisch Venetien, der zumindest 85 Prozent aus der dortigen lokalen Sorte Glera bestehen muss.
Prosecchi aus dem Kerngebiet Valdobbiadene oder Conegliano können, so sie allen Vorgaben entsprechen, ein DOCG Siegel tragen. Prosecco kann also Frizzante, Spumante oder sogar Fermo (still) sein.
Kein prickelndes Image
Trotz gemeinhin großer Beliebtheit ist es auch um das Image von Prosecco unter Weinkennern nicht zum Besten bestellt. So wenig er meist kostet, so billig wird er oft produziert.
Die Zweitgärung, die zu den begehrten Bläschen führt, erfolgt meist im Tank. Mitunter wird die Kohlensäure gar künstlich zugesetzt, die Trauben kommen aus einfachen Lagen, die Ertragsmenge wird kaum limitiert. Freilich geht es auch anders: Einige wenige Prosecchi werden nach traditioneller Methode produziert: Die zweite Gärung findet in Flasche statt. Die Trauben kommen dann meist auch aus entsprechend feinen Lagen. Da ist dann aber auch meist Schluss mit billig.
Frizzante als übergeordnete Kategorie hingegen gibt es theoretisch in so gut wie allen Anbaugebieten weltweit, auch wenn er nicht überall produziert wird. Hierzulande kennt man vor allem Schilcher- oder Muskateller Frizzante, aber auch Frizzante Rosé aus roten Trauben.
Während noch vor einigen Jahren die Qualität der halbschäumenden Weine bescheiden war, gibt es heute zunehmend guten Stoff, nicht zuletzt unter den seit einigen Jahren so gehypten Pet Nats. Die Bezeichnung „Perlwein“ wird dabei meist tunlichst vermieden, klingt sie doch altbacken und besitzt so gar keinen Appeal.
Das sind unsere Frizzante-Empfehlungen:
- Raica: Babbullicas – Frizzante. Der herrlich frische, strukturierte Frizzante kommt aus Sardinien und wird aus Vermentino-Trauben gemacht. 19,90 €,
- Casa Coste Piane: Prosecco Frizzante Naturalmente. Traditionelle Flaschengärung und Handarbeit zeichnen diesen Prosecco Frizzante aus dem Valdobbiadene aus. 19,90 €, bei guteweine.de
- Rennersistas: In a Hell Mood. Köstlicher Pet Nat mit Tiefgang in Form von Blanc de Noir (weiß gepresster Sankt Laurent). 23,80 €, bei weinskandal.at
- Christoph Hoch: Rosé Rurale NV. Vielschichtiger Rosé von einem der heimischen Meister des Perl- und Schaumweins. 19,90 €, bei weinskandal.at
- Franz Strohmeier: Schiller Frizzante. Herausragender und feinsinniger Schilcher Frizzante aus Blauer-Wildbacher- Trauben vom Kultwinzer aus der Weststeiermark. 26,10 €, bei decantalo.at
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