Farbige Beeren und Früchte in senkrechten Reihen: Himbeeren, Brombeeren, grüne Stachelbeeren, rote Johannisbeeren und Blaubeeren.
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Sauer trotz Schwarz: Woran Sie wirklich reife Brombeeren erkennen

Himbeeren, Brombeeren, Stachelbeeren haben nun Hochsaison. Warum manche einst verteufelt wurden und woran man richtig reife Früchte erkennt.

Sie sind gleichzeitig Superfood, Erfrischung, Dessertzutat und süßer Snack zwischendurch: Beeren gehören nicht umsonst zu den beliebtesten Obstsorten im Sommer. Die heutige Beerenliebe wäre vermutlich in früheren Jahrhunderten gesellschaftlich gesehen gar nicht gut angekommen. Ihr Ruf war oft nicht der beste. Manche Sorten galten im Volksglauben gar als verflucht.

Unheimlich durch dunkle Farbe?

Kaum vorstellbar aus heutiger Sicht. Besonders Brombeeren gaben den Menschen in einigen europäischen Regionen Anlass zur Sorge, vielleicht wirkten sie aufgrund ihrer dunklen Farbe und der dornigen Zweige unheimlich. Einem britischen Volksglauben zufolge soll der Teufel die Früchte verflucht haben, indem er sie bespuckte. Weshalb man sie nach dem 29. September (Michaelis-Tag, Namenstag des Erzengel Michaels) nicht mehr essen sollte. Dass dieses Datum bis heute traditionell das Ende der Brombeerensaison markiert, macht Sinn. Danach werdende Beeren oft matschig und eine Brutstätte für Pilze.

Himbeeren, Heidelbeeren: saisonaler Rhythmus

Nach den Erdbeeren reifen Himbeeren, dann hängen vor allem Ribisel und Heidelbeeren an den Sträuchern. Und aktuell stehen die Brombeeren schon in den Startlöchern. Nicht zu vergessen Stachelbeeren, die in der großen Beerenfamilie ein wenig das Dasein eines ungeliebten Kindes führen.

Warum gerade bei den weißen, prallen Früchten die Nachfrage gering ist, kann auch Lukas Lehner nicht sagen. Seine Eltern haben sich 1981 in Haag im Bezirk Amstetten auf den Anbau verschiedener Beerensorten spezialisiert und bieten im Mostviertel und in ihrem Zweigbetrieb in Salzburg die gesamte Beerenpalette an.

Kuriose Beeren-Fakten

Farbe
Rot, blau oder schwarz signalisieren in der Natur Reife. Damit locken Beeren Vögel und andere Tiere an, damit diese ihre Samen verbreiten. Heidelbeeren glänzen manchmal nach dem Waschen dunkler. Das liegt an einer natürlichen Wachsschicht, die vor UV-Licht und Austrocknung schützen soll.

Botanik
Es ist kompliziert: Erdbeeren gelten nicht als „echte“ Beeren, sondern als sogenannte Sammelnussfrucht. Ihre Samen liegen außen, rund 200 pro Frucht. Die eigentlichen Früchte sind die winzigen gelben Punkte außen. Kurioserweise zählt ausgerechnet die Banane zu den Beeren. Himbeeren und Brombeeren zählen botanisch zu den Sammelsteinfrüchten. Sie sind näher mit Pfirsichen verwandt als mit Heidelbeeren.

Ribisel-Verbot
Ab 1910 war in den USA der Anbau schwarzer Ribisel verboten, da sie den Kiefernblasenrost verbreiten. Diese Pilzerkrankung befällt Kiefern und zerstört sie. Die Sträucher der schwarzen Ribisel dienen als Wirte für die Übertragung.

 

Erdbeeren sind beliebt, aber nicht immer

Man merke, dass bei den Konsumenten Abwechslung gefragt ist. „Erdbeeren sind zwar unser stärkstes Produkt, aber jetzt geht die Nachfrage etwas zurück.“ In Zeiten ständiger Verfügbarkeit – Stichwort Heidelbeeren aus Peru zu Weihnachten – will man mit Selbsternte- und Erlebnisgärten auch Einblicke in den Wechsel der Natur geben. „Alles hat seine Saison. Wir wollen sensibilisieren und zeigen, was dahintersteckt“, erklärt Lehner die Philosophie. Gerade selber zu pflücken habe in den vergangenen Jahren zugenommen. In die Hände spielt den Obstbaueren dabei, dass im Zuge des gewachsenen Gesundheitsbewusstseins heimisches Obst als Superfood gefragt ist.

Doch jede Sorte hat ihre Besonderheiten. „Die Himbeere ist sicher die aromatischste Frucht, da kann keine mithalten.“ Aber: Sie ist auch die Diva unter den Beeren. „Ihre Fruchtschale ist so weich, dass sie leicht beschädigt wird.“ Ein Sensibelchen ist auch die Brombeere, ihre Schale ist ebenfalls sehr empfindlich: Sie ist die Trügerische im Beeren-Potpourri.

Brombeer-Effekt

Diesen „Brombeer-Effekt“ kennen viele aus dem eigenen Garten. Da leuchten die Früchte bereits tiefschwarz hervor – doch am Gaumen sind sie noch sauer. „Dass sie schwarz sind, heißt nicht, dass sie schon reif sind. Wenn die Beeren noch nicht genug Zucker ausgebildet haben, sind sie nicht süß“, betont Lehner. „Richtig prall und glänzend“ sollen sich die Brombeeren präsentieren, dann sind sie richtig reif. „Da muss man sich gedulden. Richtig reife Brombeeren sind eine Geschmacksexplosion!“

Das haben auch die durch ihre Vitalstoffe in der Beliebtheitsskala gestiegenen Heidelbeeren ebenfalls zu bieten. Im Gegensatz zu den empfindlichen Früchtchen ist die Heidelbeere das robuste Familienmitglied. Ihre Knackigkeit beim Reinbeißen verweist auf ihre dickere Schale. Das macht sie transportfähiger und haltbarer. Lehner: „Sie sind unterwegs sehr praktisch, besonders als Snack für Kinder.“ Zugreifen sollte man auf jeden Fall jetzt, statt zu Weihnachten, die Saison ist kurz. „Heidelbeeren gibt’s nicht so lange.“

Ingrid Teufl

Über Ingrid Teufl

Redakteurin im Ressort Lebensart. Gesundheit, Wellness, Lifestyle, Genuss. Seit 1997 beim KURIER, Studium Geschichte/Publizistik, Germanistik, Politikwissenschaften [Mag.phil.] Mag Menschen, Landschaften und Dinge, die gut tun, gut schmecken, gut riechen, neu sind.....und darüber schreiben.

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