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Living Planet Report 2014
09/30/2014

WWF warnt vor "globalem Burnout"

Die Menschheit verbraucht pro Jahr 50 Prozent mehr Ressourcen, als die Erde im gleichen Zeitraum erneuern kann.

Es gibt ein Ranking in dem die Nummer eins zu sein kein Renommee ist: der Living Planet Report des WWF. Die Ausgabe 2014 sieht den Ölstaat Kuwait in Front. Würden wir alle so leben wie die Kuwaitis, bräuchte es sechs Planeten, um die Ressourcen zu ersetzen, die die Menschheit im Jahr konsumiert. Da wir das (noch) nicht tun, verbrauchen wir derzeit „nur“ 1,5 Welten. Österreich liegt in dieser Liste des Bösen gemeinsam mit Finnland und Uruguay an 14. Stelle, knapp vor der Schweiz, wir verschwenden pardon verbrauchen in großem Stil, umgerechnet hieße das: Würde sich die Welt an Österreich ein Vorbild nehmen würden wir 3,1 Planeten benötigen.

Der fortschreitende Raubbau an der Natur geht auf Kosten der Wirbeltierfauna vonstatten. Im Vergleich zu 1970 ist die Artenvielfalt bei Land-, Süßwasser- und marinen Lebewesen um mehr als die Hälfte zurückgegangen. Besonders dramatisch ist die Lage in Lateinamerika, wo ein Artenverlust von 83 Prozent gemessen wurde. Auch in der asiatisch-pazifischen Region ist der Verlust enorm: Die Lebenswelt des Meeres ging um 40 Prozent zurück, betroffen sind Seevögel, Meeresschildkröten und Haie. Aber es gibt auch Hoffnung. Die Anzahl der Tiger ist in Nepal um zwei Drittel gestiegen - dank intensiver Schutzmaßnahmen.

Wasser wird knapp

92 Prozent des Wassers auf der Erde ist Salzwasser. Der Rest ist Süßwasser, das aber fast zur Gänze in den Polkappen, Gletschern und unterirdischen Wasserspeichern gebunden ist. Insgesamt werden weltweit 92 Prozent des Wasserverbrauchs für die Landwirtschaft verbraucht. Die Industrie verbraucht 4,4 Prozent und Haushalte weniger als vier Prozent. China, Indien und die USA sind die Länder mit dem höchsten Wasserverbrauch. Dennoch leben weiterhin 786 Millionen Menschen weltweit ohne Zugang zu sauberem Trinkwasser. Bis 2030, so der Report, wird der Verbrauch an Süßwasser um 40 Prozent zunehmen. Problematisch, da derzeit schon 200 Flusseinzugsgebiete, in denen 2,7 Milliarden Menschen leben, an einer einmonatigen Wasserknappheit im Jahr leiden.

Forderungen des WWF

Mindestens zehn Prozent der Weltmeere sollten als Meeresschutzgebite ausgewiesen werden. Derzeit steht nicht einmal ein Prozent unter Schutz, während es an Land 100.000 Schutzgebiete gibt. Ein großes Problem ist die Versauerung der Meere, die durch die Freisetzung von Kohlendioxid seit der industriellen Revolution heute den höchsten Wert seit 65 Millionen Jahren erreicht. Ein rechtsverbindlicher Weltklimavertrag könnte dem entgegensteuern.

Der Living Planet Report

Der Report

Der Living Planet Report verarbeitet Daten aus 40 Jahren zwischen 1970 und 2010. Mehr als 120 wissenschaftliche Institutionen arbeiten mit, darunter auch die Zoologische Gesellschaft von London. Er ist die wichtigste Entscheidungsgrundlage für Regierungen, Unternehmen und die Zivilgesellschaft. Der Report erscheint alle zwei Jahre in 18 Sprachen.

Wie der Mensch der Erde zu schaffen macht

Österreich im roten Bereich

Auch finanziell und an Bodenschätzen reiche Staaten wie Österreich kommen nicht mit dem aus, was das eigene Land bietet: "Wir beanspruchen die Ressourcen von mehr als "eineinhalb Mal Österreich" und liegen damit genauso schlecht wie der Weltdurchschnitt", ergänzt Hanna Simmons von Greenpeace.

In anderen Worten: Bei gerechter Aufteilung würde jedem Menschen unserer Erde maximal 1,7 Hektar zustehen. Herr und Frau Österreicher verbrauchen derzeit aber durchschnittlich 5,3 Hektar.

Karl Schellmann vom WWF Österreich ergänzt: „Allein auf dem Energiesektor wird das sehr deutlich. Die in Österreich verbrauchte Energie wird zu fast zwei Dritteln aus autoritären Staaten wie Kasachstan, Russland, Nigeria oder Libyen importiert. Die dort lebenden Menschen bezahlen die Folgen unseres Overshoots mit zerstörten Lebensräumen, verseuchten Gewässern, Armut und sozialen Konflikten“, so Schellmann. Aus Sicht des WWF-Klimareferenten kann Österreich seine Öko-Schuld nur durch systematische Halbierung des Energieverbrauchs und einen konsequenten Umstieg von fossilen auf erneuerbare Energieträger abbauen.

Zum Ausprobieren

Mit dem Footprint-Rechner auf www.mein-fussabdruck.at kann jede und jeder den eigenen Ökologischen Fußabdruck berechnen und bewusst verkleinern.

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