Streit um gegenderte Schulbücher: Behindern sie sinnerfassendes Lesen?

© dpa-Zentralbild/Jens Büttner

Konflikt

Elternvertreter führen Kampf gegen Gendern in Schulbüchern weiter

Bundesverbandspräsident spricht von "Gehirnwäsche", IG-Autoren differenzierter.

von Ute Brühl

06/05/2015, 08:28 PM

Ein kleiner Buchstabe erhitzt die Gemüter. Das Binnen-I hat sich den Zorn der Elternvertreter zugezogen. Auch andere geschlechtsneutrale Formulierungen stoßen den Eltern auf. Sätze wie "Zuschauer/-innen, Spezialistinnen – meist Ärzte/–Innen im weißen Kittel" hätten in Schulbüchern nichts verloren.

Der Bundeselternverband hat jetzt eine Initiative ins Leben gerufen "Gegendern – gegen Gendern in Schulbüchern". Bei einer Pressekonferenz am Freitag gab es Unterstützung von Autoren, Wissenschaftlern, Pädagogen und Politikern. Ihr Ziel: Es muss möglich sein, Schulbücher zu genehmigen, die ohne derartige Satzungetüme auskommen. Für den Deutschlehrer und Autor Tomas Kubelik behindern solche Texte "das sinnerfassende Lesen, was besonders für Migranten fatal ist. Und: Ein Text, der nicht laut vorlesbar ist, ist sinnlos." Zudem würden solche Formulierungen die Sprache sexualisieren: "Statt auf den Inhalt wird der Fokus auf das Geschlechterthema gerichtet."

Verfechter des Binnen–I und des Schrägstrichs würden außer Acht lassen, dass Frauen in der deutschen Sprache immer inkludiert seien, wie Sprachwissenschaftler Dieter Pohl betonte: "Man kann nicht vom grammatikalischen aufs biologische Geschlecht schließen. Die Geisel kann ein Mann oder eine Frau sein."

Ideologie

Dass es beim Kampf ums Schulbuch auch um Ideologie geht, war in der Pressekonferenz offensichtlich: Elternverbandsobmann Theodor Saverschel kritisierte "eine Gehirnwäsche, die eine Ideologie durchsetzen will." Und Robert Lugar vom Team Stronach, der eine parlamentarische Initiative starten will, sprach gar von Methoden wie "im Kommunismus oder Nationalsozialismus".

Auf der anderen Seite kämpfte eine Lehrerin der unabhängigen Lehrergewerkschaft ÖLI für die Frauen in der Sprache: "Studien zeigen, dass dadurch eine Bewusstseinsänderung herbei geführt wird."

Die Fronten auf beiden Seiten scheinen verhärtet. "Die Diskussion ist ideologiebelastet – rechts wie links", sagte Gerhard Ruiss von den IG Autorinnen und Autoren. Er bezeichnet sich als "radikalen Gegner des Binnen-I, der auf andere Möglichkeiten setzt, Frauen in Texten sichtbar zu machen. Etwa indem man manchmal von Atomphysikerinnen oder Ärztinnen spricht. Auch so kann man die festgeschriebenen Rollen von Frauen ändern."

Ruiss stößt auch sauer auf, dass sich die gegenderten Schulbücher nicht an das Österreichische Wörterbuch halten: Dort gibt es keine geschlechtsneutrale Sprache.

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