Hochbegabte brauchen Herausforderungen - etwa das Programmieren von Robotern.

© /Valery Kachaev/iStockphoto

Talentehaus
05/30/2016

Warum Hochbegabte lernen Roboter zu bauen

Das Talentehaus fördert sie – neben der Schule.

von Ute Brühl

Für junge Kickertalente gibt es eine Fußballakademie. Für kleine Mozarts die Musikschulen. Doch – so bedauert der Genetiker Markus Hengstschläger – für hochbegabte Techniker oder Philologen gibt es fast keine Angebote. Fast. In Niederösterreich wurde vor zwei Jahren das Talentehaus installiert – eine Einrichtung für naturwissenschaftliche hochbegabte Schüler, die den Lehrgang Roboterkonstruktion- bzw. programmierung belegen können.

25 Jugendliche gehören zum Kreis der Auserwählten. Eine davon ist Viktoria Zach, 16-jährige Schülerin der HTL-Krems. Die Schule meistert sie "mit links". Und das, obwohl sie einen dichten Stundenplan hat und zudem Schulsprecherin ist.

Zehn Stunden pro Woche nimmt sich die Schülerin Zach Zeit für den Lehrgang. Zusätzlich fährt sie einmal im Monat nach St. Pölten, wo sich die Schüler treffen – ansonsten kommunizieren sie übers Netz. Am Ende des Kurses haben die jungen Menschen eine Zusatzqualifikation, die sie auch in der Wirtschaft nutzen können.

Christian Milota, Geschäftsführer der NÖ Landesakademie, ist die Anbindung an die Praxis wichtig: "Ursprünglich wollten wir etwas im MINT-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) machen. Dann kamen wir auf die Idee mit den Robotern. Insbesondere Mädchen sollten hierfür begeistert werden. Jetzt haben wir zwei, die noch dazu den Ton angeben."

Bevor sie im Talentehaus angenommen wurde, musste Zach in einem eineinhalbtägigen Workshop zeigen, dass sie etwas von Technik versteht und sie eine gute Teamplayerin ist. Auch ein IQ-Text wurde gemacht: "Das Ergebnis kennt aber nur meine Mutter", sagt sie.

Am Ball bleiben

Was Zach an dem Konzept gefällt? "Es ist nicht nur auf die Ferien reduziert, weshalb man immer am Ball bleibt. Wir sind eine kleine Gruppen – die Lehrenden nehmen sich viel Zeit für uns, was sich auf die Lernatmosphäre auswirkt. Bei manchen Aufgaben kommen ja auch wir an unsere Grenzen – dann helfen wir uns gegenseitig. Zudem werden wir Schüler gefragt, ob etwas zu schwierig ist und was man ändern kann."

Das Feedback-Geben ist laut Milota wichtig: "So können wir das Programm optimieren." Ganz zu Beginn war ja nur die gute Idee. "Und Netzwerke sowie Experten, die uns einen Lehrplan erstellten. Nach zwei Jahren wissen wir jetzt besser, wie man so ein Hochbegabtenprojekt aufsetzt: Wir haben operativ, finanziell und organisatorisch das Know-how für ähnliche Projekte."

Bildungsstiftung

Für Markus Hengstschläger ist "das Talentehaus genau das, was die Bildungsstiftung, die Teil des Reformpakets der Bundesregierung ist, in groß aufsetzen will".

Solche Konzepte sind Ideengeber für Wissenschaftsstaatssekretär Harald Mahrer, der sagt: "Machen wir doch eine Stiftung für Dinge, die nicht im Lehrplan stehen und die Schule nicht leisten kann. Das sollte es nicht nur für Naturwissenschaften, sondern auch für viele andere Bereiche geben." Hengstschlägers Vorschlag: "Die Regierung soll Geld in die Stiftung stecken, die steuererleichtert sein müsste , sodass sie für Mäzene attraktiv ist. Das ist mir ein großes Anliegen." Etwas Ähnliches gibt es mit der Nationalstiftung im Wissenschaftsbereich. Ziel der Bildungspolitik müsse es jedenfalls sein, sowohl für Leistungsstarke als auch für Leistungsschwache Angebote zu machen.

Informationen über Curriculum, Kosten, Anmeldung etc.: www.talentehaus.at

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