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Leben
10/06/2019

Der querschnittsgelähmte Paraglider

Jezza Williams ist seit einem Unfall querschnittsgelähmt, aber alles andere als an den Rollstuhl „gefesselt“. Und zeigt anderen vor, wie das geht

von Bernhard Gaul

Er hatte den Sprung schon sooft gemacht. Hunderte Male. In der malerischen Schlucht bei Interlaken in der Schweiz.

Doch diesmal ging etwas schief. Es war nur ein kleiner Fehler. Jeremy Williams,  den alle nur „Jezza“ nennen, rutschte beim Absprung und  schlug mit dem Kopf gegen einen Fels – und als er unten im Wasser ankam war alles anders.

Seit Sommer 2009 ist Jezza querschnittsgelähmt, ein „C5-Paraplegiker“. Er kann noch die Arme heben und die Ellenbogen beugen, sonst hat er keine Kontrolle über seinen Körper abwärts der Schultern.

Jezza ist schon sein ganzes Leben  ein Abenteurer und Entdecker. „Ich liebe es, an meine Grenzen zu gehen.“, sagt er.  Er wuchs auf einer Farm auf der Südinsel Neuseelands auf und war schon als Kind öfter beim Klettern auf Felsen, auf Stromschnellen auf Gummireifen, in Kajaks  im Südwestpazifik, auf Skiern auf den Pisten der „Neuseeländischen Alpen oder auf allen Arten von Zweirädern anzutreffen, als unter einem Dach.

Bald wurde ihm seine Insel zu klein, so geht es vielen jungen Neuseeländern, und er begann die Welt zu entdecken. Seine Abenteuer führte ihn nach Australien, Guatemala, Honduras, El Salvador, Nicaragua, Panama, Marokko, Sambia, Kanada,  in die Türkei, die Schweiz, die Vereinigten Staaten  und auch nach Österreich.

„Ein Abenteuer ist eine Aufgabe, bei der man nicht weiß, wie sie ausgeht“, so beschreibt er seine Motivation. „Darum hat sich mein ganzes Leben immer  gedreht. Wenn man weiß, was passieren wird, ist doch die ganze  Spannung dahin. Das Unbekannte macht für mich den Reiz aus.“ Seine Ausbildung als Tourguide und  Skilehrer kam ihm zugute: Wo immer es ihm gefiel, fand er  Arbeit im Tourismus.

Bis zu seinem Unfall.

Als „behindert“ sieht er sich heute deshalb aber nicht. „Naja, ich bin ja kein Trottel, mir ist bewusst, dass ich  einen Haufen Einschränkungen habe. Aber jeder Mensch hat  Behinderungen, ist eingeschränkt in seinem Leben. Manche mehr als andere. Aber wir haben auch alle Fähigkeiten. Jemanden als behindert zu bezeichnen, damit sperren wir die Menschen nur in Schubladen und stempeln sie ab. Und das sollten wir nicht machen, schon gar nicht mit solchen negativen Bezeichnungen. Wir sollten die Menschen, alle Menschen, vielmehr stärken und ermächtigen.“

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Gleitschirm-Pilot

Jezza hat seit dem Unfall die Mongol-Rally absolviert, eine Reise mit Kumpels in billigen  Kleinwagen von London nach Ulan Bator in der Mongolei, 16.000 Kilometer durch Europa und Asien.Er hat mit Freunden einen Kajaksitz gebaut, und kann am Meer und auf Flüssen paddeln. Und er hat einen Buggy  konstruieren lassen,  mit dem er Paragliden gehen kann. „Ja, ich habe den Flugschein gemacht. Ich wollte das machen, weil ich wusste, ich kann das machen. Da oben brauchst du ja keine Beine.  Dort ist man ja fast auf Autopilot.“

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Inzwischen leitet er eine eigene Firma für  inklusiven Tourismus, „making trax“, Spuren hinterlassen.

„Wir haben damit eine Bewegung für die Tourismus-Industrie begonnen, die eine soziale Teilhabe von Menschen mit Behinderungen sicherstellen soll.“

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Und er verleiht Veranstaltern, die das gut umsetzen, sein eigenes Gütesiegel. Menschen in Rollstühlen hat er auf Gletscher gebracht, an Bungee-Seile gehängt,  in Raftingboote gesetzt, an Tandem-Fallschirmen aus Flugzeugen  geschoben. „Ich weiß nicht, ob ich das Leben von Menschen damit verändere.  Aber es öffnet den Horizont, wenn man Dinge macht, von denen man dachte, sie niemals machen zu können.    Und um solche Erfahrungen machen zu können, muss man ja gar nicht behindert sein.“

Anmerkung: In Österreich beginnt sich die Tourismus-Industrie erst langsam, auf die Inklusion behinderter Menschen einzustellen.

Mit roomchooser.at wird etwa derzeit eine Plattform aufgebaut, die den persönlichen Anforderungen an Barrierefreiheit nachkommt und die passende Hotelzimmer für einen barrierefreien Urlaub oder eine Geschäftsreise sammelt.

Zusätzliche Inforamtionen bietet http://www.holidaysonwheels.at/  oder die Webseite von Salzburger Land.

Auf europäischer Seite bietet das Europäische Netzwerk für barrierefreien Tourismus Informationen unter  https://www.accessibletourism.org/

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