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Muttertag
05/11/2014

Das pralle Leben

Kinder fordern Frauen stetig neu heraus. Drei Mütter im Porträt.

von Daniela Davidovits, Katharina Zach

Zu Ehren der Mutter und der Mutterschaft: Der Muttertag hat sich im 20. Jahrhundert in der westlichen Welt etabliert. Aus der politischen Note ist ein Fest des Kommerz geworden. Der KURIER rückt am zweiten Sonntag im Mai die Liebe in den Mittelpunkt. Weil 365 Tage im Jahr Muttertag ist. Drei Mütter berichten über ihr Leben:

Daniela Nagel (37) hat ein klares Lebenskonzept - und fünf Kinder:

„Seit ich klein bin, wollte ich immer viele Kinder. Und zum Glück habe ich einen Mann gefunden, dem es auch so geht“, erzählt die fünffache Mutter. Doch in ihrem Umfeld stößt sie damit oft auf Unverständnis: „Viele Bekannte haben zuerst gedacht, das ist uns passiert. Die Gesellschaft ist eher auf Familien mit wenigen Kindern eingestellt.“

In ihrem Buch „Fünf Kinder – Du Ärmste“ schreibt die Autorin und Werbetexterin über ihren Alltag zwischen Arbeit und Familie; ihren Mann Michael und die Kinder Alex (14), Emilia (12), die Zwillinge Georg und Louis (8) und den kleinen Benny (3). „Ich habe früh mein erstes Kind bekommen, noch neben dem Studium. Da gab es in meinem Umfeld noch keine überforderten Negativbeispiel-Mamas. Wer mit 30 Jahren anfängt, wie viele meiner Freundinnen, überlegt es sich vielleicht anders. Aber man darf sich nicht zu viele Sorgen über die Zukunft machen“, meint die Kölnerin.

Noch ein Faktor war wichtig für ihre Entscheidung: „Ich habe sehr schnell nach der Geburt wieder gearbeitet. Hätte ich zwischen Arbeit und Kindern wählen müssen, hätte ich sicher nicht so viele bekommen. Es ist ein Privileg, dass ich mir die Arbeit flexibel einteilen kann.“
Der Vormittag gehört der Arbeit, der Nachmittag meist den Kindern. Die Zwillinge kommen nach der Schule zum Mittagessen nach Hause, die Großen und der Kleine erst am Nachmittag. Ganz ohne Großeltern wäre der Alltag schwierig. „Und ich hätte nie gedacht, dass man neben fünf Kindern Bücher schreiben kann.“

Heute sei sie eine spießigere Mutter als früher, analysiert sie: „Am Anfang hat man einen idealistischeren Zugang zur Erziehung und was man Besonderes machen will. Anfangs gab es nie Fernsehen oder DVDs und jetzt bin ich froh über das Kinderprogramm. Jetzt sind wir mehr im Alltag gefangen. Da ist weniger Zeit für die Kür als für die Pflicht.“

Im Vergleich zu Müttern mit zwei Kindern oder einem Einzelkind hält sie sich für lockerer. „Manche machen sich ständig Sorgen und projizieren so viel hinein in das Kind. Es muss immer Einser haben und tipptopp gekleidet sein. Das ist mir nicht so wichtig.“

In ihrem Haus sei immer viel los: „Es kommen oft Freunde meiner Kinder. Da haben wir einen hohen Lärmpegel. Aber abgesehen von der Lautstärke geht es bei uns sehr entspannt zu.“

Inzwischen seien die Größeren schon eine Unterstützung, etwa in der Erziehung der Jüngeren. „Nicht so sehr beim Aufräumen, das mögen wir alle nicht gern“, lacht Nagel. „Einmal habe ich daher von den Kindern zum Muttertag Gutscheine für Hausarbeiten bekommen.“

Was unternimmt sie mit ihren Kindern am Muttertag? Nagel: „Ich gehe einfach mit meiner eigenen Mutter gemütlich Mittagessen.“

Daniela Nagel
FÜNF KINDER?
SIE ÄRMSTE!

Ein Survivalguide für gelassene Mehrfachmütter
256 Seiten | Taschenbuch
ISBN 978-3-86265-314-0
Originalausgabe | 9,95 EUR (D)
Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag

Veronika Schallhart (51) hat großes Vertrauen und zwei Töchter:

Den Muttertag feiert Veronika Schallhart heuer via Skype. Nur über den Computer wird sie also die Glückwünsche ihrer Tochter Klara (19) entgegennehmen. Ihre Ältere absolviert ein freiwilliges soziales Jahr in Ecuador, Juliana (15) zieht nach Kanada, wenn die Schwester zurück ist. „Wir sehen uns alle zwei Wochen bei einem Videotelefonat und kommunizieren regelmäßig über WhatsApp am Handy“, erzählt die Mutter vom Segen der neuen Medien.

Sie hat großes Vertrauen in ihre Kinder und macht sich deshalb nicht ständig Sorgen um die Mädchen. „Ich wollte die Kinder immer zur Selbstständigkeit erziehen. Nach dem Motto: ,Wenn die Kinder klein sind, gib ihnen Wurzeln, wenn sie groß sind, gib ihnen Flügel.‘“
Trotzdem war es nicht einfach für sie, als ihre erste Tochter mit 15 Jahren flügge wurde. „Sie ist damals für ein Jahr auf Schüleraustausch nach Australien gefahren. Als ich am Flughafen gestanden bin, war das schon eine emotionale Herausforderung“, erinnert sich Schallhart. Während viele Klassenkollegen für ein Semester weggingen, blieb ihre Tochter ein ganzes Jahr am anderen Ende der Welt. „Und ich wusste: Wenn sie zurückkommt, ist sie erwachsen.“

Die ganze Familie hat sich damals umgestellt, erzählt Tochter Juliana: „Als meine Schwester ins Ausland gegangen ist, hat sich meine Beziehung zu meiner Mutter verändert. Ich habe mit der Mama über Themen gesprochen, über die ich sonst mit Klara geredet hätte.“ Schallhart versteht gut, wie ihre Töchter denken, hat sie doch selbst mit 18 Jahren das Elternhaus verlassen. „Ich komme aus einem kleinen Tiroler Dorf und bin als Au-pair-Mädchen in die Schweiz und nach Italien gegangen“, erzählt sie.

„Die Beziehung mit meiner eigenen Mutter ist dann wieder intensiver geworden, als ich selbst Kinder bekommen habe.“ Jetzt verändern sich ihre Mutter-Tochter-Beziehungen: „Wir sind immer mehr wie Freundinnen.“

Ein wirklich schönes Geschenk bekam Schallhart von ihrer Tochter mit einer Postkarte aus Australien – mit folgendem Text: „Ich bin Euch so dankbar, dass ihr mir diese Reise ermöglicht."

Martina Grande (27) hat ihre Mama als Helferin und zwei Kinder:

Der Muttertag ist bei Martina Grande und ihrer Mama Silvia Springer vor allem ein Fest für Martinas kleine Kinder – mit Basteleien und liebenswerten Gesten.

„Ich bin meiner Mutter ja das ganze Jahr über dankbar“, lacht die 27-jährige Mutter von zwei Kindern. Folglich gibt es regelmäßig Blumen und Schokolade für sie. Weil Oma Silvia immer parat steht, um auf die Kleinen aufzupassen – für Ratschläge und Erziehungstipps sowieso.

Die beiden Frauen haben ein enges Verhältnis zueinander. Als die damals 27-Jährige mit ihrer Tochter Celina, heute sieben Jahre alt, schwanger wurde, zog sie wieder in die Wohnhausanlage ihrer Kindheit in den 23. Wiener Gemeindebezirk.

Seither sehen Celina, ihr Bruder Fabrizio (5), Martina und Silvia einander fast jeden Tag. Dass sie nun in die Rolle der Oma geschlüpft ist, hat bei der engagierten 53-Jährigen keine Krise ausgelöst. Springer: „Ich habe ja selbst eine 19-jährige Nachzüglerin.“ Eine typische Oma sei sie ohnehin nicht. Bei ihr gelten dieselben Regeln wie bei ihren eigenen Kindern und bei der Mama.

„Am Anfang habe ich den Kleinen schon mehr erlaubt, Süßigkeiten etwa. Doch seit Martina wieder arbeitet, kann ich ihr ja nicht in den Rücken fallen“, betont Frau Springer. Generell hat sich die Beziehung der beiden gewandelt. Grande: „Die Mama sieht mich jetzt nicht mehr als kleines Kind.“

Tradition ist für sie wichtig. „Unsere Familie hat immer viel unternommen. Wir waren am Spielplatz oder auf Ausflügen. Das mache ich mit meinen Kindern auch“, lächelt die Zweifach-Mama. Deshalb spielen die Kleinen auch mit Plastilin statt mit der Playstation. Und haben gelernt, zu basteln.

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