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Neue Reifeprüfung
11/29/2013

Probeschularbeiten für 7. Klassen

bifie will „Missverständnisse“ausräumen. Streikdrohung der Schüler bleibt aufrecht.

von Ute Brühl

Die Streikdrohung der Schüler hat Wirkung gezeigt. Das Bildungsforschungsinstitut bifie, das die Zentralmatura vorbereitet, will jetzt „Missverständnisse“ ausräumen und so die Schüler beruhigen. Die waren über das neue Benotungssystem verärgert, das bei der Zentralmatura angewendet wird. Der KURIER berichtete ausführlich.

Besondere Aufregung gab es, nachdem erste Schularbeiten in den 7. Klassen AHS nach dem Schema benotet wurden. Bei diesen gab es überdurchschnittlich viele Fünfer. Jetzt haben sich Vertreter der Schüler und des bifie an einen Tisch gesetzt, um gemeinsam Lösungen zu finden. Bei einer Pressekonferenz am heutigen Freitag verkündeten sie drei Maßnahmen, die die Vorbereitung auf die Matura erleichtern sollen.

Probeschularbeit

Das bifie wird für die 7. Klassen AHS Schularbeiten entwerfen, die dem Format der Zentralmatura entsprechen. Dieser Testlauf für die Zentralmatura soll Anfang des kommenden Semesters stattfinden. Einen Termin werden bifie und Bundesschülervertretung koordinieren.

Informationsoffensive

CD-Roms, Broschüren und Veranstaltungen in den Schulen sollen laut bifie-Codirektor Martin Netzer „Informationslücken“ schließen.

Facebook

Die Schüler sind im Internet gut vernetzt. Dieses Netzwerk wollen bifie und Schüler gemeinsam nutzen, um Informationen unter die angehenden Maturanten zu bringen.

Die Streikdrohungen sind damit aber noch nicht vom Tisch. Lukas Faymann, der für die AHS-Schüler verhandelt, stellt Forderungen ans Ministerium: „Wir wollen den Benotungsschlüssel unbedingt ändern. Wer die Hälfte aller Punkte hat, die es auf die Prüfung geben kann, der soll positiv sein.“ Weitere Forderungen: „In den Sprach-Fächern soll es erlaubt sein, ein Wörterbuch zu verwenden. Und die Vorbereitungszeit zwischen schriftlicher und mündlicher Matura soll länger als die jetzt angedachten zwei Wochen dauern.“ Auch fehle eine Regelung für Schüler der jetzigen achten Klassen, die bei der „Matura alt“ durchfallen.

Ansprechpartner ist für die Schüler das Bildungsministerium. „Erst wenn der größte Teil unserer Forderungen erfüllt wird, sagen wir den Streik ab, der für den 12. Dezember geplant ist“, sagt Lukas Faymann. Ob die Schüler auf die Straße gehen, werde spätestens am 6. Dezember entschieden.

Unterstützung bekommen die Schüler von den Elternvertretern an höheren Schulen. Obmann Theodor Saverschel berichtet von „vielen Rückmeldungen über verängstigte Jugendliche und unfaire Beurteilungskriterien bei den Schularbeiten in den Fächern Mathematik und Englisch.“ Sollte es nicht schnell Lösungen geben, werden auch die Eltern protestieren.

Der Countdown läuft

2015 müssen alle AHS-Schüler zur neuen Reifeprüfung antreten. In den Fächern Deutsch, lebende Fremd- sprachen, Latein, Griechisch und Mathematik erhalten die Maturanten am selben Tag dieselben Aufgaben. An den berufs- bildenden höheren Schulen startet die Zentralmatura erst 2016.

Ein Punkt für jeden Arbeitsschritt

Für die Notengebung gibt es ein neues Modell. Am Ende zählt nicht, wie viele Punkte ein Schüler insgesamt erreicht hat. Jetzt muss er zeigen, dass er verschiedene Kompetenzen beherrscht.
Klingt kompliziert, ist es auch. Im Fach Mathematik heißt das zum Beispiel, dass ein Schüler die Grundkompetenz-Fragen zu zwei Dritteln richtig beantworten muss. Tut er das, hat er die Matura bestanden. Tut er das nicht, so ist er durchgefallen – auch wenn er die weitaus schwierigeren erweiterten Kompetenzen beherrscht.
Diese Grundkompetenzen sollten laut bifie in einfach zu beantwortenden Fragen getestet werden. Sprich: Für jeden Arbeitsschritt gibt es einen Punkt. Anders war das bei den Schularbeiten, die jetzt für so viel Aufregung sorgten. Da mussten Schüler häufig vier Arbeitsschritte machen, um Punkte zu erhalten. Machten sie drei richtig und einen falsch, bekamen sie dennoch keinen Punkt.
Als weiteres Beispiel für verwirrende Tests nennt bifie-Codirektor Martin Netzer Multiple-Choice-Aufgaben, die bei der Matura so nicht gestellt werden. Grund für die „falschen Mathe-Aufgaben sind substanzielle Probleme in der Kommunikation zwischen bifie und Lehrer.“
Das Ergebnis seien dann schlechte Schularbeitsergebnisse. „Das bifie muss Aufgabenstellungen und Benotungsschemata besser kommunizieren. Dann ist auch die Angst bei den Schülern weg“, glaubt Netzer. Doch die bleiben skeptisch und wollen das Benotungssystem so nicht akzeptieren.

Gerecht? Von wegen!

Laut bifie ist die Zentralmatura „eine faire Prüfung.“ Denn jeder Schüler muss die gleichen Aufgaben lösen. Die Ergebnisse seien so vergleichbar. Klingt schlüssig, ist es aber nicht. Denn wer Leistungen vergleichen will, der muss dafür sorgen, dass alle dieselben Voraussetzungen haben. Heißt: Jeder Schüler muss in den Genuss eines ähnlich guten Unterrichts gekommen sein. Doch hier liegt das Problem. Die Qualität ist höchst unterschiedlich – auch weil Schulaufsicht und Lehrerausbildner häufig ihre Hausaufgaben nicht machen. Länder mit Zentralmatura-Tradition lösen dieses Dilemma, indem Lehrer jedes Jahr die Klasse wechseln. In Österreich ist das nicht üblich. Wer einen guten Lehrer hatte, hat einen großen Vorteil. Andere haben einfach Pech. Fair ist das nicht.

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