Biohof Adamah Glinzendorf

© jürg christandl

Beteiligungsmodelle
07/17/2013

Schulterschluss mit Rebellen

Kunden investieren Geld in ihre Lieblingsfirma.

Der Biohof „Adamah“ in Glitzendorf liefert Tausenden „Kisterlkunden“ das Gemüse bis an die Wohnungstür. Weil der Betrieb nur mehr mit erneuerbarer Energie arbeiten wollte, die Sache mit dem Bankkredit aber nicht klappte, bat man die Kundschaft um zweckgebundene Anleihen in Form von „Sonnenstrombausteinen“. 500 Quadratmeter Fotovoltaik-Dachfläche konnten bereits errichtet werden. Die Kapitalrückzahlung mit über acht Prozent Rendite erfolgt in Naturalien.

Norbert Hackl von „Labonca“, der für seine Bioschweine aus ethischen Gründen ein Weideschlachthaus auf die Wiese stellen will („Grüne Welt Journal“ berichtete), hat für dieses Projekt bereits 200.000 Euro über Sympathisanten aufgestellt. Im Juni fand der Spatenstich mit Köchin Sarah Wiener statt. „Diese Geschäftsmodelle“, meint Trendforscher Andreas Reiter, „die den ökologischen Fußabdruck vermindern und lokale Gemeinschaften stärken, werden weiter an Bedeutung gewinnen.“

Grauzone Beteiligungsmodelle

So hat etwa gerade das renommierte Öko-Unternehmen „Grüne Erde“ aus dem Almtal ein bankenunabhängiges Finanzierungsmodell vorgestellt. Dass es angebracht ist, Beteiligungsmodelle aus der rechtlichen Grauzone oder Illegalität zu holen, zeigt das Beispiel des Pioniers der Szene, Heinrich Staudinger und seines Unternehmens „GEA“. Von ihm verlangt die Finanzmarktaufsicht eine Strafzahlung wegen Verletzung des Bankengesetzes.

Staudinger hatte drei Millionen Euro von Kunden erhalten, mit dem Geld seine Betriebe erweitert und 214 Arbeitsplätze geschaffen, statt zuzusperren, als ihm die Bank den Kredit verweigerte. „Dafür sollte man nicht bestraft werden dürfen“, sagt er. Neuester Stand der Rechtslage ist, dass jetzt für Einlagen bis zu 250.000 Euro (zuvor 100.000 Euro) keine Prospektpflicht mehr besteht, jene kostenintensive Kapitalinvest-Information, die sich kleine und junge Betriebe nicht leisten können.

Eine „market“-Studie im Auftrag der „Jungen Wirtschaft“ kann durchaus Sympathie für die Wirtschafts-Rebellen bestätigen. 56 Prozent der Befragten können sich vorstellen, ein Unternehmen mit bis zu 750 Euro zu unterstützen, das viele kleine Investoren sucht. Einer wachsenden Gruppe von Konsumenten geht es nämlich nicht ums schnelle Geld. Sie will sich an Projekten beteiligen, die sie für überzeugend hält.

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