Leben
11.05.2018

Was Sie jetzt über die Eisheiligen wissen müssen

Heute ist „Mamertus“ – der erste Eisheiligentag. Wer waren Bonifatius und Co? Und: Wird es wirklich frostig?

Der Mensch braucht Orientierung und insofern sind die Eisheiligen super: Sie stellen traditionell die Wende im Jahreskreis dar, Kälte ade, Wärme ole. Oder auf Bauernkalenderdeutsch: Ehe nicht Pankratius, Servatius und Bonifatius vorbei, ist nicht sicher vor Kälte der Mai. Aber wer waren diese Bauernkalender-Stars, die Hobbygärtner ständig um die Ohren gehaut bekommen?

Legenden mit realem Kern

Wie alle Legenden haben auch die Eisheiligen, die je nach Region zu dritt, viert oder fünft auftreten, einen realen Kern: Ab Mai sind die Temperaturen in Mitteleuropa recht hoch, aber durchbrochen von kalten Polarströmungen. Weil aber der Himmel schon oft klar ist, führt die kalte Abstrahlung zu Bodenfrost. Und der war früher keine Frage von ein paar kaputten Bio-Gemüse-Pflanzerln auf dem Balkon, sondern eine von Leben und Hungertod. Jaja: Pankratius und Servatius bringen oft Kälte und Verdruss. Also verließ sich die bäuerliche Bevölkerung darauf, dass es nach den Gedenktagen der Eisheiligen keinen Nachtfrost mehr gibt.

Faktisch unfaktisch

Nun haben es Bauernkalender-Weisheiten ja an sich, dass sie nur quasi richtig sind. Gut, gegen Sätze wie Die Pankrazi, Servazi und Bonifazi sind drei frostige Bazi und zum Schluss fehlt nie die kalte Sophie ist nichts einzuwenden, gegen die Daten hingegen schon. Als 1582 Papst Gregor VIII. seine Kalenderreform durchsetzte, um die Abweichungen des Julianischen Kalenders zum Sonnenjahr zu korrigieren, vergaßen seine Rechenmeister, die Eisheiligen-Daten mitzuändern.

So gedenken wir heute zwischen 11. und 15. Mai den Frost-Märtyrern, sollten das aber eigentlich erst zwischen 18. und 22. Mai tun. Und tatsächlich belegen Langzeit-Wetterdaten, dass es um den 20. öfter friert als an durchschnittlichen Maitagen. Das gilt aber auch für den 7., den 14. und den 16. Mai. Quasiwissenschaft halt.

Der Klimawandel beeindruckt den Bauernkalender auch nicht. Dabei belegen etwa Messungen im deutschen Trier deutlich das Zurückgehen von Frost: In den gesamten 1950er-Jahren maß man dort vier Mai-Frosttage, zwischen 1991 und 2006 keinen einzigen.

Später Frost

Nichtsdestotrotz gibt es immer wieder solch späten Frost und jedes Mal erinnern sie die landwirtschaftliche Bevölkerung an die „drei Gestrengen“ (Mamertus und Sophie kennt man nicht überall), die „Eismänner“ oder „gestrengen Herren“. Besondere Bedeutung haben sie im Weinbau, wobei es nicht um den Zeitpunkt der Aussaat geht – Weinstöcke stehen ohnehin da und treiben, sobald es warm wird –, sondern um Schutzmaßnahmen. Früher entzündeten Weinbauern um frostbedrohte Flächen Feuer, damit der warme Rauch das Heiligeneis fernhält.

Und immer, wenn der Mai-Frost doch die Ernte gefährdet oder sogar Teile davon vernichtet, rücken die Legenden wieder in das bäuerliche Herz. Und es wird landauf, landab, einer der Sprüche um die fünf Frostfiguren zitiert.

11. Mai: Mamertus, ca. 400–477, heutiges Frankreich; Bischof und Schutzpatron der Hirten und Ammen; wird bei Dürre, Fieber und Brusterkrankungen angerufen. Bester Kalender-Spruch: Mamerz hat ein kaltes Herz.

Mamertus, der nur in Norddeutschland als Eisheiliger verehrt wird, wurde in eine ebenso wohlhabende wie religiöse Familie Lyons geboren. Dass er im Jahr 461 oder 462 Bischof der französischen Stadt Vienne wurde, verdankt er seinem Hang zum Wunderwirken: Er soll ein Feuer an der Vernichtung der Stadt gehindert haben – durch ein Gebet. Weil es aber zu jener Zeit mehrere Feuer und Erdbeben gab, führte er sicherheitshalber auch die Bittgänge an den Tagen vor Christi Himmelfahrt ein.

12. Mai: Pankratius, ca. 290 (heut. Türkei)–304 ( Rom); Märtyrer und Schutzpatron der Kinder, Erstkommunikanten und jungen Saat; wird bei Kopfschmerzen angerufen.

Spruch: Pankraz hält den Nacken steif, sein Harnisch klirrt von Frost und Reif.

Pankratius, mit Schwert, Rüstung und Palmwedel dargestellt, war einer der drei Märtyrer unter den Eisheiligen und ist ein „Kernheiliger“, der in ganz Mitteleuropa verehrt wird. Nach dem Tod seiner reichen Eltern kam er mit 13 Jahren zum Onkel nach Rom. Ein Jahr später wurde er bei der Christenverfolgung durch Kaiser Diokletian öffentlich enthauptet.

13. Mai: Servatius, vmtl. 340 (heut. Armenien)–384 (heut. Belgien); Bischof von Tongern und Patron mehrerer Städte, der Schlosser und Tischler; wird bei Fußleiden, Frostschäden, Rheumatismus und Rattenplagen angerufen.

Spruch: War vor Servatius kein warmes Wetter, wird es nun von Tag zu Tag netter.

Servatius soll den Angriff der Hunnen in Europa vorhergesagt und heftig die Irrlehre des Arius bekämpft haben. 345 ernannte man ihn dafür zum Bischof. Er wird oft mit Holzschuh, Schlüssel, Drache und Adler gezeigt.

14. Mai: Bonifatius (v. Tarsus), nicht bekannt (vmtl. Rom) –306 (heut. Türkei); Märtyrer; wird oft als Jüngling oder alter Mann in siedendem Pech gezeigt; Spruch: Vor Bonifaz kein Sommer, nach der Sophie kein Frost.

Bonifatius erlebte auf seinen Reisen, wo er Reliquien suchen sollte, die Christenverfolgung um Tarsus mit und war tief beeindruckt davon, dass die Verfolgten auch im Angesicht des Todes den Glauben nicht verleugneten. Also ließ er sich taufen, was ihm den Tod in siedend heißem Pech einbrachte.

15. Mai: Sophia von Rom; nicht bekannt (vmtl. Rom)–304 (Rom); Märtyrerin und Patronin der Feldfrüchte; wird als kämpferische Frau gezeigt; Namensgeberin der Sophienrauke (Besenrauke); Spruch: Sophie man die Kalte nennt, weil sie gern kalt’ Wetter bringt.

Sophia starb angeblich als sehr junge, vor allem jungfräuliche Märtyrerin in Rom unter Kaiser Diokletian. Als „kalte Sophie“ wird sie nur im Süden Deutschlands und in Österreich gefeiert.