Leben
26.10.2018

Axels Terrasseneintopf: Welche Pflanze ist das Land?

Alpenflora, Thujenhecke oder doch der Wein – eine Suche nach der österreichischsten Pflanze.

Auf die wichtigste Frage wird der Bundespräsident auch in seiner heurigen Ansprache zum Nationalfeiertag keine Antwort geben: Welche Pflanze wäre die Nation Österreich?

Zu sagen: „Alles, was im Kleingarten wächst“, wäre herablassend und zu einfach. Ähnlich der Theorie vom Hund, der immer dem Herrl oder Frauerl ähnelt, besteht zwischen dem Mensch und der ihm umgebenden Flora eine Verbindung. Die Thuje, das blickdichte Naturwandwunder, ist Österreichern zum Beispiel wirklich an Herz und Grundgrenze gewachsen, aber die soziologische Frage ist ja, ob wir damit die Welt aus- oder uns einsperren?

 

Wie man sich auch bei Pelargonien-schwangeren Balkonen im Landidyll fragt, ob Menschen damit nur ihr Haus verstecken wollen? Die Blume, auch als Geranie bekannt, hat in Postkartenmotiven gerechnet definitiv das Zeug zur Pflanze der Nation, ist aber nur wegen der leichten Pflege so beliebt. Das zählt nicht. Da wären, um am Land zu bleiben, eher die Narzissen geeignet, denen allerorts Feste gewidmet sind. Aber dem Österreicher zu unterstellen, dass er sich in sein Spiegelbild verlieben könnte (wie der Narziss in der griechischen Sage), wäre zu weit hergeholt. Eher verliebt er sich in die Berge und die farbenfrohe Alpenflora. Das Edelweiß wäre ein guter Kandidat, einst sogar auf dem Schilling abgebildet, aber auch von den Schweizern beansprucht. Besser ist der Enzian, den man jedoch wie Zirberl und Lärcherl vor allem als Flüssigkeit verehrt. Verblüffender Weise wurde aus Almrausch nie Schnaps, dabei säumt er die Berge wie Wein und Hopfen das flachere Österreich. Aber eine Nationalpflanze, die vor allem dem Saufen dient, würde ja nicht zu Österreich passen.

Besser ein Endemit, eine Pflanze, die nur in Österreich vorkommt, autochthon, Volk und Boden ist eh gerade in Mode. Es gibt überraschend viele Endemiten, 150 Arten, was laut Umweltbundesamt mehr ist als in jedem anderen Land Mitteleuropas (Jubel!!). Der Nachteil einer solchen Nationalblume: Man kennt sie sonst nirgends. Also scheiden Anemonen-Schmuckkörbchen (nordöstliche Kalkalpen), Wulfenia (Kärnten), Innsbrucker Küchenschelle und Steirisches Federgras (oberes Murtal) gleich wieder aus. Die Steiermark hat übrigens die meisten endemischen Pflanzen – und natürlich den Apfel (es gibt überraschend wenig Apfelschnaps in Österreich). Für 2018 wurde dennoch der Salzburger Rosenstreifling zum „Streuobst des Jahres“ gekürt, nebenbei übrigens Apfelmoos zum „Moos des Jahres“. Aber Moos hat keine richtigen Wurzeln, befriedigt all seine Bedürfnisse nur aus der Oberfläche, das passt nicht zu uns, gilt aber als bescheiden und großzügig. Nachbarn bekämpft es – Torfmoose machen den Boden sauer, um andere Pflanzen fernzuhalten. Dafür baut es aber keine Thujenhecken.

Bleibt noch die Tatsache, dass das Land fast zur Hälfte mit Wald bedeckt ist. 61 Prozent der 3,4 Milliarden Bäume sind Fichten, die gesamte Waldfläche ist so groß wie fünfeinhalb Millionen Fußballfelder. Müsste man nur noch berechnen, wie viele Skipisten das sind ... aber eigentlich ist das doch alles egal. Oder, wie der Wiener sagt: „1000 Rosen.“