Auch Faulenzen ist Lernen

Latein-Scrabble am Strand: Wenn schon lernen, soll es Spaß machen. Denn: "Habemus ferias" ("Wir haben Ferien")
Foto: KURIER /gnedt martin

Ferien: Im August werden Eltern oft nervös, wenn Kinder den Schulstoff nicht wiederholen wollen.

Der Juli ist um. Sollen Kinder jetzt die "Ferienmappe" hervorkramen, die die Lehrerin als "freiwillige Übung" ausgegeben hat? Müssen Eltern jetzt täglich Vokabel abprüfen?

Oder ist es gut, neun Wochen gar nichts zu lernen? "Das kindliche Gehirn lernt immer", widerspricht KURIER-Family-Coach Martina Leibovici-Mühlberger. "Daher sollte man Schülern in den Ferien nicht vorwerfen, dass sie faulenzen. Für die Entwicklung ist das wichtig, auch wenn es nicht im formalen Lernrahmen stattfindet."

Ähnlich argumentiert die Entwicklungspsychologin Uta Frith: "Kinder nehmen andauernd für sie interessante Informationen auf. In Gesprächen mit Eltern höre ich oft: ,Wenn meine Kinder doch nur lernen würden!' Ich antworte dann: ,Aber sie lernen doch - immerzu!'"
Sollte "formales" Lernen notwendig sein, etwa weil das Kind einen "Nachzipf" hat, empfiehlt Leibovici-Mühlberger, es "in einen angenehmen Tagesablauf einzubetten", im Sinne von: "Wenn du gelernt hast, machen wir was Schönes."

Auf keinen Fall solle man Schüler in den Ferien zu regelmäßigen Stoffwiederholungen zwingen: "So fördert man nur die ablehnende Haltung gegenüber einem Schulfach." Positiv sei es hingegen, das Lernen in einen "angenehmen, spielerischen Kontext" zu bringen.
Dazu hat der KURIER Spiele gesucht, die garantiert Spaß machen und dabei Lernerfolge bringen.

Scrabble in lingua Latina

Mehr als 100 Millionen Mal wurde der Kreuzwortklassiker weltweit verkauft, in 30 verschiedenen Sprachen. Jetzt kann man "Scrabble" auch mit den alten Römern spielen. "Die Informationen auf dem Spielbrett werden in Latein angegeben. Und die Buchstaben-Steine sind in jeder Sprache anders verteilt. Auf Latein fehlen etwa J, K, W, Y und Z", erklärt Piatnik-Geschäftsführer Dieter Strehl. Natürlich können mit Scrabble auch andere Vokabel wiederholt werden, je nachdem, ob man sein Englisch, Französisch oder Spanisch aufpolieren möchte.

Mathe-SNÄP

Um Schnelligkeit geht es bei den SNÄP-Spielen aus dem Moses-Verlag. Auf witzige Art können Kids Mathematik trainieren - in einigen Schwierigkeitsgraden: Grundrechnungsarten", "Brüche", "MatheSNÄP extrem". Andere SNÄP-Ausgaben heißen "Rund um die Welt" oder "Der menschliche Körper".

Interaktive Globen

Wie viel Kinder von einem interaktiven Globus lernen, konnten Eltern in Kai Pflaumes TV-Show "Klein gegen Groß" sehen: Kilian, 6, konnte mehr Länder an deren Umriss erkennen als TV-Star Günther Jauch. Die Globen von Leap Frog, Scientific Oregon oder Allow bieten auch Bevölkerungszahlen und Nationalhymnen.

Das neue GEO-Quiz

Auch wenn Wissen ohne Fächerzuordnung in der Schule wenig gefragt ist, sind große Quiz-Spiele die Königsdisziplin der Freizeitbeschäftigung. Dieses Spiel umfasst 1000 Fragen aus den GEO -Magazinen zu Geografie, Mensch, Technik, Religion. Eine gute Vorbereitung auf einen Auftritt in der Millionenshow. Wir lernen ja nicht (nur) für die Schule.

Hirnforschung: Sport ist Basisarbeit fürs Lernen

Das Konzentrationsvermögen von Kindern und Jugendlichen reicht nicht an jenes der Erwachsenen heran. Bis zum Alter von 25 Jahren verfüge der Mensch über eine "eher flüchtige Aufmerksamkeit", will die Pädagogikprofessorin Claire Leconte-Lambert von der Universität Lille herausgefunden haben. In jüngster Zeit beschäftigt sich die Neurobiologie intensiv mit dem Thema. Die US-Neurowissenschaftlerin Henriette von Praag fand heraus, dass körperliches Training die Produktion jener Proteine fördere, die zum Aufbau der für Lernen wichtigen Hirnstrukturen beitragen. Insofern ist jede Form von Bewegung in den Ferien Basisarbeit für den Lernerfolg im nächsten Schuljahr.

Andere Erkenntnisse der Hirnforscher betreffen das Lernumfeld: Eine reizarme Umgebung behindere das Lernen. Umgekehrt kann jeder "Tapetenwechsel" in den Ferien die Lernbereitschaft erhöhen - und Kinder lernen nebenbei. Oder, wie es die Entwicklungspsychologin Uta Frith ausdrückt: "Man sollte sich von der Idee des Eintrichterns verabschieden."

(kurier) Erstellt am
Posts anzeigen
Posts schließen
Melden Sie den Kommentar dem Seitenbetreiber. Sind Sie sicher, dass Sie diesen Kommentar als unangemessen melden möchten?