Alles Würstel? Wohin vor und nach dem Ball

Ein paar Austern vor dem Tanzen schaden nie: man bekommt sie zum Beispiel in der Meierei am Stadtpark. Oder bei Gruber  und Umar am Naschmarkt.
Foto: Schwarzes Kameel

Das kulinarische Angebot für Ballbesucher ist in Wien nicht gerade klein. Alexander Rabl hat dazu seinen Senf abgegeben.

Spätestens gegen 24 Uhr abends wird es auch dem ausdauerndem Ballgast klar: es war doch keine gute Idee, aufs Abendessen vor dem Ereignis zu verzichten. Jetzt heißt es, am Ballbuffet virtuos überteuerte Wiener Schnitzel oder Frankfurter Würstel oder auch mangelhaft frische Sushi zu erstehen, um dem plötzlichen Tod auf dem Parkett wegen Unterzuckerung auszuweichen. Das Würstelessen zum Beispiel nach Mitternacht in den Seitengängen des großen Saals des Musikvereines hat zweifellos einen eigenen perversen ästhetischen Reiz. Während man damit beschäftigt ist, keinen Senf oder Kren auf den Kragen (er) oder ins Dekolleté (sie) zu bekommen, versucht man gleichzeitig etwas zu kommunizieren, was nicht vollkommen daneben ist. Für Ballgeher gehört das zum Spaß, doch der kulinarische Mensch wird damit nicht glücklich.

Die große Frage.

Ein paar Austern vor dem Tanzen schaden nie: man bekommt sie zum Beispiel in der Meierei am Stadtpark. Oder bei Gruber  und Umar am Naschmarkt. Foto: Schwarzes Kameel Ein paar Austern vor dem Tanzen schaden nie: man bekommt sie zum Beispiel in der Meierei am Stadtpark. Oder bei Gruber und Umar am Naschmarkt.

Er fragt sich also: Wo stärke ich mich vor dem Ball angemessen und elegant, und auch so leicht, dass die erste Walzerderehung wegen der Trägheit der Masse nicht in einem Unfall endet? Und wo stillen wir unseren Appetit nach einem kräftigen Aprés in den frühen Morgenstunden? In der Nähe von Hofburg, Musikverein und Oper finden sich praktischerweise die feierlichsten Restaurants Wiens, von denen manche auch zu den Besten der Stadt gehören.

Klassisch oder Avantgarde.

Ein paar Austern vor dem Tanzen schaden nie: man bekommt sie zum Beispiel in der Meierei am Stadtpark. Oder bei Gruber  und Umar am Naschmarkt. Foto: Schwarzes Kameel Ein paar Austern vor dem Tanzen schaden nie: man bekommt sie zum Beispiel in der Meierei am Stadtpark. Oder bei Gruber und Umar am Naschmarkt.

Das ehrwürdige Imperial (1015 Wien, Kärntner Ring 16
Tel.: +43 1 501100)
bietet herausragenden Glamourfaktor und eine Küche, die sich - allerdings wahrscheinlich ohne es zu planen - ziemlich dem Retrotrend verschrieben hat, was ja im Zusammenhang mit dem Konsi-Ereignis Ball nicht so daneben ist. Die Säle sind prunkvoll, in denen man sich zum Beispiel vor dem Philharmonikerball trifft, um sich gegenseitig der Hochschätzung und Wichtigkeit zu versichern. Besonders zu empfehlen ist ein Tisch im Café des Hotels, wo es ruhiger zu geht, und das Schnitzel schmeckt, sicher der Signature Dish des Staatsgasthotels. Vor den Bällen im benachbarten Musikverein pflegen die Preise übrigens besonders hoch zu sein, was man von der Qualität nicht immer behaupten kann. Die Bar des Imperial zählt übrigens zu den schönsten und besten Hotelbars der Stadt. Darüber demnächst mehr. Wer lieber genial behandelte Gemüse statt Schnitzel zu sich nimmt, ist beim besten Koch der Stadt auch in Frack und Ballkleid gut aufgehoben. Heinz Reitbauer kocht zur Zeit in Höchstform und muss auf dieser Seite nicht mehr gesondert vorgestellt werden. In der Meierei des Steirereck im Stadtpark (1030 Wien, Am Heumarkt 2, Tel.:+43 1 713 31 68) gibt es ein ganzes Kompendium an Austern, was zu einer Ballnacht auch irgendwie besser passt als gut gereifte Käse oder Stutenmilch.

Bourgeois.

Ein paar Austern vor dem Tanzen schaden nie: man bekommt sie zum Beispiel in der Meierei am Stadtpark. Oder bei Gruber  und Umar am Naschmarkt. Foto: Schwarzes Kameel Ein paar Austern vor dem Tanzen schaden nie: man bekommt sie zum Beispiel in der Meierei am Stadtpark. Oder bei Gruber und Umar am Naschmarkt.

Auch das Sacher (1010 Wien, Philharmonikerstraße 4, Tel.: 43 1 51 456 ) erfreut sich großer Beliebtheit, und ist am Abend vor dem Opernball so gerammelt voll, als ob es Würstel und Bier gratis gäbe. Haben sie aber nicht. Statt dessen gibt es die berühmte und durchaus schätzenswerte Sachertorte - allerdings aus Gänseleber. Und Tafelspitz, sowie einige Zitate der internationalen Hochküche. Hier sitzt die Gesellschaft in einem der schönsten klassischen Restaurant der Stadt, zu denen das Restaurant Anna Sacher auch nach dem dezenten Facelifting durch Philippe Starck immer noch zählt. Manche bevorzugen aber immer noch den roten Salon mit Blick auf den Hintern der Oper, wo die Küche so streng konservativ ist wie die Einrichtung. Der Service in beiden Restaurants ist hervorragend und dezent, selbst dann, wenn dem Herrn nach dem zweiten Zuschlag vom Erdäpfelschmarrn die Frackweste platzt.

Bewährt.

Ein paar Austern vor dem Tanzen schaden nie: man bekommt sie zum Beispiel in der Meierei am Stadtpark. Oder bei Gruber  und Umar am Naschmarkt. Foto: Schwarzes Kameel Ein paar Austern vor dem Tanzen schaden nie: man bekommt sie zum Beispiel in der Meierei am Stadtpark. Oder bei Gruber und Umar am Naschmarkt.

Ein echtes Stück vom alten Wien ist das Schwarze Kameel (1010 Wien, Bognergasse 5, +43 1 533 81 25), ein kleines Schmuckstück in der Innenstadt. Hier nimmt man an der kleinen Austernbar vor dem Lokal etwas Eiweiß zu sich und vielleicht ein Glas vom französischen Schaumwein. Und fühlt sich zumindest für ein Weilchen wie in Paris, wo zwar weniger getanzt wird als in Wien, dafür allerdings öfter gut gegessen und getrunken. Drinnen, im Restaurant des Schwarzen Kameels, wird der Gast, der Ballgast, der vielleicht auf dem Weg in die Hofburg ist, von einem echten Kaiser empfangen: Er hört allerdings nicht auf den Namen Franz Joseph, sondern auf Gensbichler. In wenigen Restaurants fühlen sich Ballroben und Fräcke so zu Hause wie in diesem behutsam gepflegten Fin-de-Siecle-Ambiente mit seinen alten Fliesen und blankpolierten Hölzern. Und es mag sein, dass die Logen hier zur Saison zu den gefragtesten von ganz Wien gehören.

Schick.

Ein paar Austern vor dem Tanzen schaden nie: man bekommt sie zum Beispiel in der Meierei am Stadtpark. Oder bei Gruber  und Umar am Naschmarkt. Foto: Schwarzes Kameel Ein paar Austern vor dem Tanzen schaden nie: man bekommt sie zum Beispiel in der Meierei am Stadtpark. Oder bei Gruber und Umar am Naschmarkt.

Das vor einiger Zeit in einem herrlich unwienerischen Look ausgestaltete Motto (1050 Wien, Schönbrunner Straße 20, Tel.: +43 1 587 06 72) im Fünften , das keine Ruhe kennt, hat am Samstag bis 3 Uhr morgens Küche. Also den gebackenen Emmentaler, die Schinkenfleckerl vor oder nach dem Walzer genießen? Beides möglich. Ein hoher Grad an Skurillität ist dem Gast an diesem Ort jedenfalls garantiert. Dass er von den Honoratoren, Politikern oder Bankdirektoren der Stadt eher niemanden hier antreffen wird, davon kann er ausgehen.
Le Loft (1020 Wien, Praterstraße 1, Tel: +43 1 906168000) hieß eine der wichtigsten Eröffnungen der letzten Monate. Angeblich ist das Lokal täglich auf Wochen hinaus ausgebucht. Ob es sich dabei um einen Trick von künstlicher Verknappung handelt oder ob die Wiener die Franzosen am Kai wirklich so sehr ins Herz geschlossen haben, ist nicht ganz klar. Jedenfalls ist ein Tisch hier eine der ganz großen Möglichkeiten, bei seinen Freunden und Freundinnen so Eindruck zu schinden, dass diese später am Ball gerne eine Flasche Crystall spendieren oder etwas in der Art. Die Küchencrew, vom Elsässischen 3-Sternekoch Antoine Westermann gecoacht, ist bereits in guter Form. An manchen Saucen wird vielleicht noch gearbeitet werden müssen. Die Weinauswahl ist einstweilen noch klein, der Service und besonders der Sommelier aber schon fast perfekt.

Am frühen Morgen.

Ein paar Austern vor dem Tanzen schaden nie: man bekommt sie zum Beispiel in der Meierei am Stadtpark. Oder bei Gruber  und Umar am Naschmarkt. Foto: Schwarzes Kameel Ein paar Austern vor dem Tanzen schaden nie: man bekommt sie zum Beispiel in der Meierei am Stadtpark. Oder bei Gruber und Umar am Naschmarkt.

Wenn die Wiener auf ihre Bälle gehen, macht die Institution Würstelstand nach Mitternacht das große Geschäft. Einer, der die Nachfrage nach Bratwürstel, Hot Dogs und Käsekrainer besonders gepflegt bedient, ist der Bitzinger (1010 Wien, Augustinerstraße 1 Tel.: +43 1 533 10 26) . Nachtschwärmer kriegen hier nicht nur gute Würstel und Leberkäse, sie dürfen auch ihren Durst anhand eines gut bestückten Sortiments von Bieren und Weinen (!) stillen. In den Wochen des Jänners oder Februars werden Würstelgäste, die nicht im Smoking oder Ballkleid arrivieren, betrachtet wie ein - ja, wie ein armes Würstel.

Der vom Tanzen, Konversieren, vom Bilden anstrengender Flirtposen wie auch vom Champagner (noch schlimmer: vom billigen, teuer verkauften Sekt) vollkommen ausgezehrte Körper verlangt in den Morgenstunden nach einem Frühstück. Man sollte es ihm gewähren. Hier folgt der große Auftritt im Café Schwarzenberg (1010 Wien, Kärntner Ring 17, Tel.: +43 1 5128998)
, das an bestimmten Tagen nach großen Ballfesten rechtzeitig aufsperrt. Es gibt Würstel mit Saft, gute, leicht salzige und deshalb lebensrettende Ham&Eggs und einen Service, wie man ihn sich in einer Stadt wie Wien erhofft, aber leider nur an ganz wenigen Orten bekommt.

(KURIER.at) Erstellt am
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