Der "La La Land"-Produzent Jordan Horowitz hält die Karte mit dem richtigen Gewinner-Film in die Kamera. Dieser heißt "Moonlight".

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Leben
02/27/2017

89. Oscars: Wie es zu der Panne gekommen sein könnte

Ein doppeltes Set mit Gewinnerkarte könnte dazu geführt haben, dass die falsche Siegeskarte ausgegeben wurde.

Auch zwei Stunden nach der Mega-Panne bei der 89. Oscar-Verleihung rätselt die Filmwelt, wie es dazu kommen konnte, dass von den Präsentatoren Warren Beatty und Faye Dunaway mit "La La Land" zunächst der falsche Streifen als "Bester Film" ausgerufen wurde - bevor der wahre Gewinner "Moonlight" auf offener Bühne gekürt wurde.

Beatty versuchte noch auf der Bühne zu erklären: Auf seiner Karte habe "Emma Stone, La La Land" gestanden; er habe sich gewundert und deswegen auch gestutzt, bevor er Faye Dunaway die Karte hinhielt, die dann den falschen Filmnamen vorlas. Tatsächlich hatte Beatty den roten Umschlag mit der Aufschrift "Actress in a leading role" (Hauptdarstellerin) in den Händen. Doch Emma Stone war kurz zuvor bereits als beste Hauptdarstellerin geehrt worden - und hinter der Bühne erklärte die 28-Jährige: "Ich habe meine Gewinnerkarte die ganze Zeit in den Händen gehalten."

Die mögliche Erklärung: Es gibt jeden Gewinner-Umschlag zweimal. Zwei Angestellte der Wirtschaftsprüfungsfirma PricewaterhouseCoopers haben je eine spezielle Aktentasche mit jeweils einem Set aller 24 Gewinner-Umschläge. Die beiden stehen während der Show rechts und links der Bühne und geben den "Presentern" - je nachdem aus welcher Ecke diese auf die Bühne kommen - den aktuellen Umschlag. Dabei könnte es zu der Panne gekommen sein, dass der Umschlag mit der Karte "Hauptgewinnerin" zweimal ausgeteilt wurde.

"Das ist kein Witz"

Dies könnte die Lösung für das Rätsel sein, warum die Produzenten von "La La Land" bereits ihre Dankesreden hielten, bevor es plötzlich unruhig auf der Bühne wurde. Show-Verantwortliche huschten zwischen den Preisträgern hin und her, kontrollierten die roten Gewinner-Umschläge. Dann griff sich "La La Land"-Produzent Jordan Horowitz das Mikrofon: "Es hat einen Fehler gegeben: 'Moonlight', ihr Leute habt den besten Film gewonnen. Das ist kein Witz, 'Moonlight' hat den Preis als bester Film gewonnen." Er zeigte die richtige Gewinnerkarte nach oben ins Publikum, in die Kameras - darauf stand "Moonlight". Zuerst ungläubiges Staunen im Saal, dann verhaltenes Klatschen und schließlich lauter Jubel.

Am Ende der Show nahm dann Moderator Jimmy Kimmel ironisch die Schuld auf sich: "Ich weiß, was passiert ist. Ich gebe mir selbst die Schuld (...). Ich wusste, ich würde diese Show vermasseln. Ich verspreche, ich komme nie wieder."

Entschuldigung von Wirtschaftsprüfer

Der für die Ausgabe der Siegerumschläge zuständige Wirtschaftsprüfer PricewaterhouseCoopers entschuldigte sich in einer Stellungnahme.

"Wir entschuldigen uns aufrichtig bei 'Moonlight', 'La La Land', Warren Beatty, Faye Dunaway und den Oscar-Zuschauer für den Fehler, der während der Vergabe des Preises für den besten Film geschehen ist. Den Präsentatoren wurde irrtümlich der Umschlag für die falsche Kategorie ausgehändigt - was umgehend korrigiert wurde, als man darauf gekommen ist. Wir untersuchen derzeit, wie das geschehen konnte und bedauern zutiefst, dass die passiert ist. Wir danken dafür, wie würdevoll die Nominierten, die Academy, (der für die Übertragung zuständige TV-Sender, Anm.) ABC und (Moderator, Anm.) Jimmy Kimmel mit der Situation umgegangen sind", so das Statement von PricewaterhouseCoopers.