Kultur
13.10.2018

Zwei neue Bücher: Wieso berühren uns Vögel so sehr?

"Eine vergessene Forscherin im Roman "Das Vogelhaus" und - siehe Foto - ein Blaukehlchen aus "Vögel ganz nah".

„Im zeitigen Frühjahr 1946 kam eine unbekannte Kohlmeise mit ihrem Partner herüber ...“ Klingt schön: eine unbekannte Kohlmeise. Len Howard, die in Waldnähe in einem Haus in Südengland lebte und Vögel studierte, war mit Dutzenden Meisen und Amseln gut bekannt.
Die Unbekannte hatte einen weißen Fleck auf der Stirn und wurde deshalb „Sternchen“ genannt. Als „Sternchens“ Partner starb, warf sie ein Auge auf „Glatzköpfchen“ ... der allerdings schon eine Partnerin hatte, nämlich Monokel (ihr linkes Auge war weiß eingefasst).
 Die in Vergessenheit geratene Forscherin (1973) bekommt im Roman der Niederländerin Eva Meijer „Das Vogelhaus“ neues Leben. Man staunt: Len Howard klopfte aufs Fenster, 1, 2, 5 ... und „Sternchen“ klopfte nach. Bis acht lernte sie zu zählen.
Das ist die eine Antwort auf die Frage: Wieso berühren uns Vögel so sehr?
Die andere ist das Buch „Vögel ganz nah“. In Texten und  wunderbaren Fotos stellen drei Schweden  ganz normale – keine exotischen – Vögel vor, denn die sind „besonders“ genug. Etwa die Amsel (der allerbeste Komponist), die Blaumeise (ein kleiner Terrier  mit Federn), der Haussperling = ein Alltagsheld usw. Man könnte beim Lesen  und Schauen (einen) zwitschern vor Freude. Wenn  im nächsten Frühjahr wieder alle da sind und singen, wenn sie es wieder geschafft haben, dann dreht sich die Erde noch, hurra.

Aså und Mats
Ottosson
: „Vögel ganz nah“ Fotos von Roine
Magnusson. Übersetzt von Claudia Huber. Sieveking
Verlag. 272 Seiten. 36 Euro.

KURIER-Wertung: *****

 

Eva Meijer:
„Das Vogelhaus
Übersetzt von Hanni Ehlers.
btb.
320 Seiten.
20,60 Euro

KURIER-Werung: ****