Leitartikel
02/26/2013

Zum Oscar trotz und dank Österreich

Christoph Waltz und Michael Haneke haben völlig andere Erfahrungen mit den heimischen Realitäten.

von Gert Korentschnig

Man ist ja in der Medienwelt oft mit Superlativen konfrontiert – auch wenn eine sachliche Betrachtung angemessener wäre. Diesfalls kann man aber das Herausragende gar nicht genug betonen.

Zwei Oscars an einem Tag für österreichische Künstler – das wird es möglicherweise nie wieder geben. Das ist ungefähr so, als würde Österreich Fußball-Weltmeister, was ziemlich unrealistisch ist. Nein, sogar noch unwahrscheinlicher: Gewinner des Super Bowl im American Football. Denn der ist – ebenso wie der Film – aus Sicht der Amerikaner ihre ureigenste Domäne.

Wie Christoph Waltz und Michael Haneke (die ja denselben Stiefvater, den Komponisten Alexander Steinbrecher, haben) allerdings ans Ziel gelangt sind, ist unterschiedlich. Der eine trotz, der andere dank Österreich.

Waltz wurde von österreichischen und deutschen (Fernseh-)Machern zwar immer wieder in primär kleinen Rollen besetzt. Die große Karriere war ihm aber verschlossen, er wollte sogar schon aufgeben. Weil viele TV-Redakteure zu einfallslos waren (und es noch sind). Weil man im österreichischen und deutschen Fernsehen leider andauernd dieselben Gesichter sieht. Weil kaum jemand mutig genug ist, origineller zu besetzen. Weil es vielen Entscheidungsträgern an Fantasie fehlt. Und weil Freunderlwirtschaft oft wichtiger ist als Qualität. Waltz konnte erst in anderen Ländern durchstarten – und ist heute ein Glücksfall für das Tarantino-Universum.

Michael Haneke wiederum ist der Beweis dafür, dass zumindest die österreichische Kinofilmförderung doch greift. Er wurde anfangs (das war bei ihm, als er Mitte 40 war) stark unterstützt. Über die Kino-Weltmacht Frankreich katapultierte er sich dann in die erste Reihe.

Was man aus diesen Beispielen lernen kann: Wie wichtig Kultursubvention ist. Und wie einfallslos oft mit öffentlichen Geldern umgegangen wird.

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