Kultur 14.03.2018

YouTube als "der große Radikalisierer"

FILE PHOTO: The YouTube app logo is seen on a smartphone in this picture illustration taken September 15, 2017. REUTERS/Dado Ruv… © Bild: REUTERS/Dado Ruvic

Harmlose Suchanfragen führen rasch und automatisch zu radikalen Inhalten.

Seit der eigenen Untätigkeit angesichts russischer Einflussnahme auf die US-Wahl steht die Social-Media-Plattform Facebook in der Kritik: Der Einfluss der Algorithmen auf Politik und Gesellschaft wird zunehmend kritisch hinterfragt.

Aktuell nun steht die Videoplattform YouTube im Zentrum der Aufmerksamkeit: In den USA gibt es im Wall Street Journal und der New York Times schwere Kritik daran, wie schnell und systematisch der im Google-Eigentum stehende Videodienst auf harmlose Anfragen radikale Videos anbietet.

So führen Suchen nach Donald Trump, aber auch nach seiner erfolglosen Konkurrentin Hillary Clinton zu Vorschlägen, die rasch extreme bis extremistische Inhalte bieten, etwa Verschwörungstheorien, heißt es in einem Gastkommentar unter dem Titel "Der große Radikalisierer" in der New York Times.

"Die dunkelste Ecke"

"Wie YouTube die Menschen in die dunkelsten Ecken des Internet führt", nannte dies das Wall Street Journal.

Diese permanente Zuspitzung ist jener Online-Mechanismus, der zuletzt zu einer doch deutlichen Abkühlung in der Begeisterung bezüglich sozialer Medien geführt hat. Diese Tendenz zum Extremen ist nicht nur beim Thema Politik vorhanden: YouTube tischt immer radikaleren Inhalt auf, egal, worum es geht. Suchen nach (harmlosen) Joggen etwa, so die Zeitung, führen rasch zum Ultramarathon.

Die Erklärung für dieses Verhalten ist simpel – und trotzdem Grund zur Besorgnis: Google, Mutterkonzerten von Youtube, ist eine Werbefirma – und will, dass die Menschen so lange wie möglich auf den Plattformen bleiben. Deswegen tische man immer Aufsehen erregendere Inhalte auf, um das Interesse aufrecht zu erhalten – und streiche den Profit ein, während "die Gesellschaft viele der Kosten" der resultierenden Radikalisierung trage.

( kurier.at ) Erstellt am 14.03.2018