Willi Resetarits' musikalische Gralssuche

porträtfoto
Foto: Lukas Beck Willi Resetarits: Sein neues Album mit dem Stubnblues bringt, no na, viel blutenden Blues, aber auch feinen Folk und raue Artmann-Vertonungen.

CD der Woche: In dem neuen, sehr feinen Album "Ois offn" ist der Stubnblues auf der Suche nach dem schönsten Lied der Welt.

Im August des Vorjahres ließ Willi Resetarits, 63, noch einmal den wilden Hund von der Leine: Die beiden Konzerte im Prater, für die er noch einmal in die Rolle des Kurt Ostbahn schlüpfte, waren rauschende Erfolge. Jetzt lässt es Resetarits wieder ruhiger angehen: Seine Formation Stubnblues brachte eben ihr neues, fünftes Album heraus.

Nach acht Jahren hat die Band ihren Stil gefunden, aus dem reizvollen Nebeneinander von Blues, Folk, Wienerlied, Volks- und Weltmusik wurde jetzt ein dichter, unverkennbarer Sound.

Resetarits: "Wir suchen das schönste Lied der Welt, ähnlich der Gralssuche. Und zwar in der Hoffnung, dass wir es nicht finden, denn dann wäre es ja aus." Teil der Suche war es, Konzerte mitzuschneiden. Resetarits: "Da hamma ned so viel Arbeit, und ich kann vor Publikum besser die Form finden."

Dann kam allerdings die Erkenntnis: Nicht alles, was sich auf der Bühne gut und richtig anhört, klingt auf Tonträger genauso gut. Deshalb kamen noch Studioaufnahmen dazu. Dabei entdeckte Resetarits zum Beispiel das Lied "Schokoladnwind", geschrieben von Martin Spengler – der den Song in Resetarits’ Radio-Wien-Sendung "Trost & Rat" zum Vortrage brachte. Resetarits: "Da habe ich mir gedacht, das Stück hat gute Chancen bei der Suche nach dem besten Lied der Welt!"

Unbewusst

cdcover Foto: Nua Sattele Records "Ois Offn" - Willi Resetarits und der Stubnblues

Resetarits: "Ich habe nach einer Methode gesucht, das Unbewusste sprechen zu lassen, indem man absichtslos herummusiziert – bis man das Gefühlt hat: Jetzt is’ guat."

Das Album beginnt mit dem wunderbaren Stück "Hameau" von Ernst Molden: "Der Ernstl ist der beste Liedermacher der Welt, der hat die Poleposition bei der Suche nach dem besten Lied. Ich liebe den Ernstl."

Resetarits arbeitet gern mit anderen zusammen. "Meine Musiklaufbahn ist von Partnerschaften geprägt. Ich bin erst Dank der Musik ein halbwegs selbstbewusster Mensch geworden. Die meiste Zeit meines Lebens dachte ich, ich bin der Einzige, der so kämpfen muss, damit man seine Unsicherheit nicht sieht. Da fiel es mir leichter, mit Partnern goschert zu sein."

Ein wunderbares Fundstück ist auch "Seemanns Waermut" der in Österreich kaum bekannten Schweizer Gruppe Patent Ochsner. Resetarits: "Aber das muss bei den schönsten Liedern der Welt unbedingt dabei sein!"

Außerdem zu hören: Lieder von Elvis Costello und John Martyn und starke Eigenkompositionen. Und natürlich wieder vertonte Texte von H. C. Artmann. Resetarits: "Ich bin ein blinder Gläubiger der Kirche des heiligen Artmann. Ich bereite auch ein Leseprogramm vor, bei dem mich Karl Ritter an der Gitarre begleitet."

Die Ostbahn-Konzerte wurden übrigens mitgefilmt, Veröffentlichungen sind derzeit nicht geplant, ebenso wenig wie weitere Shows.


KURIER-Wertung: ***** von *****

(kurier) Erstellt am
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