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Kultur
04/24/2019

Wiens Kulturerbe im Schaufenster Japans

Eine Schau zur Kunst- und Stadtentwicklung Wiens auf Japan-Tournee könnte vor Ort alle Besucherrekorde schlagen.

von Werner Rosenberger

Wien hat einen großen Auftritt in Japan. Mit Maria Theresia bis Adolf Loos, mit Schubert bis Schönberg, mit Biedermeier bis Wiener Werkstätte und einmal mehr mit dem zugkräftigen Dauerthemen „Wien um 1900“ und „ Wiener Moderne“.

Gekonnt und elegant inszeniert. „Unglaublich, die Fassung, die Beleuchtung, die Farbgebung in einem exquisiten Ausstellungsdesign der Japaner, das die Exponate optimal zur Geltung bringt“, freut sich Wien-Museum-Direktor Matti Bunzl im KURIER-Gespräch.

„Als wär’s ein Zaubertrick, leuchten die Schiele-Bilder plötzlich wie von innen heraus. Das ganze Kulturerbe der Stadt wird in einem prächtigen Rahmen präsentiert. “

Hohes Medieninteresse

Nicht irgendwo, sondern in einem Haus mit Weltgeltung. Denn das 2007 eröffnete National Art Center Tokyo mit der markant gewellten Glasfassade und 14.000 Ausstellungsfläche ist mit rund drei Millionen Besuchern jährlich eines der populärsten Kunstmuseen der Welt.

Vienna on the Path to Modernism“ stieß nur einen Tag nach der am Ostermontag in Tokyo eröffneten Klimt-Ausstellung des Wiener Belvedere auf ein immens großes Medieninteresse. Bis zu einer Million Besucher werden erwartet, ehe die Schau dann im Sommer nach Osaka ins National Museum of Art (27. 8. bis 8. 12.) weiterzieht.

 

Die eigene Dauerausstellung jetzt in Fernost zu zeigen, ist ein ausgesprochener Glücksfall für das Wien Museum, das daheim am Karlsplatz wegen Sanierung und Erweiterungsbau voraussichtlich bis 2023 geschlossen bleibt. „Aber es läuft super“, so Bunzl. „Wir haben jetzt den Baubescheid, wir machen gerade die Entwurfsplanung und bereiten die Ausschreibungen für die Baufirmen vor.“

Weitere Auslandskooperationen sind geplant und angedacht: Konkret wird die Otto-Wagner-Ausstellung im Herbst im Architekturmuseum in Paris gezeigt. Gespräche gibt es über Projekte in den USA, aber nicht in der Größenordnung wie in Japan, so Bunzl.

Fünf Jahre lang habe man an der Großausstellung gearbeitet, sagt die Leiterin des Kuratoren-Teams Gisela Storch. Rund 500 Objekte, die Wiener Stadtgeschichte erzählen, wurden auf die Reise geschickt, darunter Egon Schieles „Selbstbildnis“ (1911), einige Architekturmodelle und – ein glanzvoll in den Ausstellungsraum inszenierter Höhepunkt der Schau – Gustav Klimts „Porträt Emilie Flöge“, erstmals 1903 in der Klimt-Ausstellung in der Wiener Secession ausgestellt.

Klimts Lebensmensch, „jene schöne Wienerin“, dargestellt in „pfauenblauem, mit Silberplättchen belegtem Kleide“, wie Kunstkritiker schrieben. „Ganz Weiberseele in all der ornamentalen Pracht.“

Sachlicher die Beschreibung von Berta Zuckerkandl: „Das reizvolle Antlitz, subtil und fein modellirt, wird durch die seltene Umrahmung noch gehoben. Das Haupt umgibt ein aureolartiger grün-blauer Blüthenkranz, der die Farbenmystik byzanthinischer Hintergründe hat.“

Flöge verschachert

Sichtbar werden erneut die Parallelen zu ostasiatischen Stilmitteln, die einst durch den „Japonismus“ Künstler europaweit inspirierte.

So wie im japanischen Farbholzschnitt, von dem Klimt in seinem Hietzinger Atelier einige Drucke hatte, ist auch das Flöge-Porträt „enträumlicht“ in Farbflächen: Allein Hände und Gesicht sind nicht aufgelöst, das Kleid hingegen ist nur noch Ornament.

Übrigens: Flöge war von ihrem Bildnis wenig begeistert. So verkaufte es der Maler 1908 und schrieb an sie: „Heute wirst du ,verschachert‘, respective ,einkassiert‘.“

Die Schau „Vienna on the Path to Modernism“ zeigt aber auch die Entwicklung der Stadt Wien mit ihren baulichen, gesellschaftlichen und politischen Veränderungen vom späten 18. bis zur Wende des 20. Jahrhunderts. Und Objekte, die auch im Wien Museum nicht permanent zu sehen sind, etwa frühe Plakate der Secession und Zeichnungen von Klimt und Schiele.

Der 30-jährige Japaner Kijiro Ohta stellte nach einem Besuch in Klimts Atelier 1913 fest: „Es besteht eine starke Beziehung zwischen Klimts Bildern und der japanischen Malerei. In Klimts Bildern finde ich sehr viel von der japanischen Eigenart in der Komposition, der Farbkombination und den Mustern. Diese Muster sind ausdrucksstark und ästhetisch.“

Westliche Musik

Vor 150 Jahren wurde von den Kaiserreichen Österreich-Ungarn und Japan mit einem Freundschaftsvertrag der Grundstein für diplomatische Beziehungen gelegt.

Als Gastgeschenke erhielt Tenno Mutsuhito (Meiji), der Urgroßvater des heutigen Kaisers Akihito, der in wenigen Tagen abdanken wird, eine Porzellanstatue Kaiser Franz Josephs und einen Konzertflügel der Wiener Firma Bösendorfer übergeben, wie er zufällig jetzt auch im Foyer des National Art Center Tokyo steht.

Seinerzeit durfte ein junger österreichischer Diplomat dem jungen Kaiser in seinem Palast auf dem Flügel vorspielen. Der hinter einer Schiebetür verborgene Tenno hörte so erstmals klassische Musik des Westens. Wie überaus populär sie bei seinen Landsleuten einmal werden sollte, konnte er da allerdings noch nicht ahnen.