Kultur
15.03.2014

Ein Klassiker kehrt zurück

"Schwanensee" in neuer Ausstattung ab Sonntag an der Staatsoper.

Ein Synonym für Ballett – das ist der Klassiker "Schwanensee" zu Musik von Peter Iljitsch Tschaikowsky seit seiner Uraufführung am Moskauer Bolschoi Theater 1877. Ab Sonntag ist "Schwanensee" in einer neuen Ausstattung von Luisa Spinatelli mit Reminiszenzen an König Ludwig II. von Bayern wieder an der Wiener Staatsoper zu sehen.

Wer verbindet das Drama um die von Rotbart verzauberte Schwanenprinzessin Odette und den Betrug des Prinzen Siegfried mit ihrem Spiegelbild Odile nicht mit Spitzentanz? Der durchschlagende Erfolg des Märchenballetts gelang 1895 am St. Petersburger Mariinski Theater. Marius Petipa choreografierte die Akte I und III, Lew Iwanow die "weißen" Akte II und IV.

Auf dieser Fassung beruht auch die Choreografie Rudolf Nurejews, die dem Wiener Ballett 1964 einen Welterfolg bescherte.

Bis heute ist der Vorhangrekord an der Wiener Staatsoper mit 89 Vorhängen für Margot Fonteyn, britische Prima Ballerina Assoluta, und ihren Partner Nurejew ungebrochen.

Neueinstudierung

Für die Neueinstudierung an der Wiener Staatsoper sorgt Ballettdirektor Manuel Legris, der von Nurejew gefördert wurde und an der Pariser Oper als Prinz Siegfried für Furore sorgte. Als Odette/Odile wird die in St. Petersburg geborene Erste Solotänzerin des Wiener Staatsballetts Olga Esina zu sehen sein, deren Rollendebüt noch als Teenager am Mariinski Theater für internationales Aufsehen sorgte.

Zum Ballett fand Olga Esina durch ihre Eltern, die ihr bewegungssüchtiges und auch zeichnerisch begabtes Kind in die Ballettschule brachten. 1996 wurde sie an die weltberühmte Waganowa-Akademie aufgenommen. Auch Rudolf Nurejew studierte an der Waganowa-Akademie, ehe er aus der Sowjetunion floh. Danach wurde sein Name aus den öffentlichen Annalen gestrichen, "doch als ich mit dem Studium begann, habe ich schon viel über ihn erfahren", so Esina.

Welche Unterschiede gibt es in Nurejews Wiener "Schwanensee" im Vergleich zur St. Petersburger Fassung? "Er hat natürlich die Prinzenrolle aufgewertet. In Wien ist besonders der Pas de deux im 3. Akt anders, ganz neu für mich. Kleine Unterschiede gibt es im 2. und 4. Akt, auch das in Wien dramatische Ende ist sehr spezifisch."

Wiener Fassung

Manuel Legris hat lange Zeit überlegt, welcher Version Nurejews er einstudiert; neben der Wiener gibt auch eine spätere Pariser Fassung Nurejews (1984): "Zunächst dachte ich, dass ich die Pariser Fassung wähle, auch, weil Olga Esina ein ganz anderer Ballerinentyp ist als Nurejews Partnerin Fonteyn. Doch dann habe ich mich für die Wiener Version entschieden, nicht zuletzt wegen ihrer Musikalität".

Esina freut sich: "Ich sehe mehr klare Linien und eine Herausforderung. Es interessiert mich nicht, immer dasselbe zu tanzen. Nicht nur die Technik ist für mich wichtig, sondern auch die künstlerische Interpretation."

Esina, wenige Tage vor der Premiere von einer schweren Erkältung geplagt, spricht gut Deutsch. Seit 2006 ist sie in Wien engagiert: "Ich nahm eine Einladung des damaligen Ballettdirektors Gyula Harangozó an und war noch keine 20, ich dachte einfach nur, dass Wien eine schöne Stadt ist".

Für das Ballett hat sich in Wien seither viel geändert, Ballettfans aus Europa und Japan reisen für Vorstellungen nach Wien, "unter Legris gibt es ein besseres Repertoire und interessante Choreografen. Das neue Niveau ist für alle sichtbar, wir arbeiten viel mehr, bekommen aber auch mehr Zuspruch, nicht nur vom Publikum. Ich freue mich besonders, wenn nach einer Vorstellung Musiker des Staatsopernorchesters gratulieren, auch sie schätzen das Ballett, das habe ich zuvor nicht erlebt."