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Kultur
02/24/2022

Wiener Philharmoniker doch ohne Valery Gergiev in New York

Das Wiener Spitzenorchester hätte am Freitag dreiteilige Konzertserie mit putinfreundlichem Maestro in New Yorker Carnegie Hall gestartet - Yannick Nézet-Séguin springt ein.

Die Wiener Philharmoniker werden ihre am morgigen Freitag startende Konzertserie in der New Yorker Carnegie Hall ohne den putinfreundlichen Stardirigenten Valery Gergiev absolvieren. Auch der vorgesehene Solist des ersten Abends, der russische Pianist Denis Matsuev, wird ersetzt. Darauf haben sich Philharmoniker und Carnegie Hall gemeinsam verständigt. Statt Gergiev übernimmt Yannick Nézet-Séguin, Musikdirektor der Metropolitan Opera, das Pult der Philharmoniker.

Die dreiteilige Konzertreihe war angesichts der Invasion Russlands in der Ukraine in die Kritik geraten, gilt der 68-jährige Gergiev doch seit langem als dezidierter Unterstützer von Russlands Präsident Wladimir Putin. Er war in Wahlwerbespots für den Kreml-Herrscher aufgetreten oder hatte 2014 einen offenen Brief unterzeichnet, der die Annexion der Krim befürwortete.

Proteste von Aktivisten

Auch gilt der aus einer nordossetischen Familie stammende Gergiev als mächtigste Figur im russischen Kulturbetrieb, steht er doch seit 1996 dem St. Petersburger Mariinsky-Theater vor. Bereits seit der Annexion der Krim durch Russland finden sich deshalb bei Gergiev-Auftritten immer wieder Protestierende vor den Konzerthäusern. Auch vor der Carnegie Hall fanden sich meist einige ukrainische Aktivisten ein, um gegen den Maestro zu protestieren - Proteste, deren Dimensionen angesichts der aktuellen Entwicklung wohl deutlich größer ausgefallen wären.

Die Wiener Philharmoniker, selbst nicht Veranstalter der Carnegie-Auftritte, waren im Laufe des Donnerstags zunächst noch um Beruhigung bemüht und verwiesen auf die Jahrzehnte lange künstlerische Partnerschaft mit Gergiev. "Die Kultur darf nicht zum Spielball von politischen Auseinandersetzungen werden", so Philharmoniker-Vorstand Daniel Froschauer in einem Statement, in dem er zugleich jede Art von Gewalt und Krieg verurteilte: "Die Musik hat für uns immer etwas Verbindendes und nichts Trennendes."

Die Wiener Philharmoniker sind dabei nicht das einzige Orchester, das sich angesichts der russischen Aggression zum Handeln gefordert sieht. Vladimir Jurowski, russischer Chefdirigent des Berliner Rundfunk-Sinfonieorchesters, gab am Donnerstagabend bekannt, das geplante Programm seines Klangkörpers am Wochenende geändert zu haben. Anstelle eines geplanten rein russischen Programmes werde man nun die ukrainische Nationalhymne auf eine Melodie des Komponisten Mychajlo Werbyzkyj und dessen Sinfonische Ouvertüre Nr. 1 spielen. Mit der Programmänderung "wollen wir ein Zeichen der Solidarität mit dem ukrainischen Volk setzen", hieß es.

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