© Alex Gotter / Werk X

Kritik
10/02/2021

Werk X: Risse in den Erinnerungen an eine glückliche Jugend

Die Autorin Bärbel Strehlau brachte ihr Stück "Who the fuck is Helga?" im Werk X Petersplatz zur Uraufführung. Gelungen

von Thomas Trenkler

Der Titel „Who the fuck is Helga?“ soll vielleicht spannend klingen, trifft das Thema aber nicht wirklich: Bärbel Strehlau, 1969 in Ostberlin geboren, erzählt amüsant ihre Geschichte von einer an sich glücklichen Jugend im real existierenden Sozialismus nach – bis hin zum bitteren Ausverkauf der DDR nach der Wiedervereinigung.

Animiert worden war die Autorin, die ihr Stück selbst im Werk X Petersplatz zur Uraufführung brachte, von der Stasi-Akte über ihre Person. Aus dem Material wurde sie aber nicht schlau. Weil man vieles geschreddert, etliche Passagen geschwärzt hat. Daher bleibt bis zum Schluss (nach mehr als zwei Stunden) die Frage offen, wer sich hinter dem Codewort „Helga“ verbirgt. Nur eines wird klar: Die Eltern stellten der Stasi das Zimmer der Tochter für Verhöre zur Verfügung. Einfach aus Pflichtbewusstsein?

DDR-Trainingsanzüge

Heike Mirbach hat für diese Aufarbeitung eine ansprechende Bühne gezimmert, lackiert in den Farben der deutschen Flagge – und mit einem Loch inmitten, wo sich einst das Wappen (Ährenkranz mit Zirkel und Hammer) befand.

Drei Schauspielerinnen in DDR-Trainingsanzügen erzählen mitunter tänzerisch die Geschichte nach. Sabrina Strehl, geboren in Essen, trifft den Ton natürlich am besten. Und wenn sie – zusammen mit Christian Himmelbauer – in andere Rollen schlüpfen, stülpen sie eine der seitlich parat liegenden Masken über. Das sorgt für Tempo. Nach der Pause wird es ein wenig zäh. Die Helmut-Kohl-Parodie ist leider dürftig, die poetische Episode mit dem Militärhund, der nicht mehr die Mauer bewachen muss, rührt hingegen zu Herzen. 

Termine: Noch heute, 2. Oktober 2021, um 18.30 Uhr (danach Diskussionsrunde mit Bärbel Strehlau u. a., Moderation: Robert Misik) und am 3. Oktober um 19.30 Uhr

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